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24-Jähriger hat knapp ein Jahr eine Frau terrorisiert

Bewährungsstrafe und Geldbuße für Stalker

Lengerich/Tecklenburg

Bis zu 100 Telefonanrufe am Tag und Bedrohungen – ein 24-Jähriger hat jetzt vom Amtsgericht Tecklenburg die Quittung ausgestellt bekommen für sein Stalken einer ehemaligen Partnerin aus Lengerich: Der Mann muss eine Geldbuße zahlen, eine Haftstraße ist zur Bewährung ausgesetzt worden.

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Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

Jetzt wurde der Prozess gegen einen 24-jährigen Mann aus Nordenham vor dem Amtsgericht Tecklenburg wegen „Nachstellung“ fortgesetzt.

Der Mann war angeklagt, eine damals 20-Jährige Frau aus Lengerich durch ständiges Stalking fast ein Jahr lang terrorisiert zu haben. Mit bis zu 100 Telefonanrufen am Tag belästigte und bedrohte der Mann die Lengericherin, zu der er früher eine kurze Beziehung gehabt hatte. Daneben schrieb er unzählige Nachrichten über Social-Media und handgeschriebene Liebesbriefe.

Höhepunkt des Alptraums für die 20-Jährige war, als der Täter versuchte, sie an ihrer Arbeitsstelle abzufangen. Dabei sprang er direkt vor das fahrende Auto der Frau. Nur durch das Eingreifen ihrer Arbeitskollegen konnte wohl Schlimmeres verhindert werden. Ein medizinisches Gutachten bescheinigte dem Opfer eine posttraumatische Belastungsstörung, die auch zwei Jahre nach der Tat anhält.

Am ersten Verhandlungstag konnte der Prozess gegen den geständigen Täter, der bereits 2019 wegen gefährlicher Körperverletzung an seiner damaligen Lebensgefährtin zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden war, nicht abgeschlossen werden. Dem Gericht fehlte die aktuelle Beurteilung der Bewährungshilfe, da die Bewährungshelferin erkrankt war.

Auch bei der Fortsetzung jetzt fehlte sie wieder aufgrund von Krankheit, hatte aber eine schriftliche Beurteilung eingereicht, die vom Vorsitzenden Richter verlesen wurde. Darin bescheinigte sie dem Angeklagten eine sprunghafte und nur mangelhafte Zusammenarbeit.

Auch die im Urteil geforderten Auflagen – 1000 Euro Wiedergutmachung gegenüber dem damaligen Opfer und eine Therapie zum Aggressionsabbau – seien nur partiell erfüllt worden. Die Therapie wurde von der Einrichtung sogar vorzeitig beendet, da der Angeklagte nicht ausreichend kooperiert habe. „Mit seiner narzisstischen Persönlichkeit steht sich der Angeklagte häufig selbst im Weg,“ so die Bewährungshelferin in ihrem Bericht.

Sechs Monate Gefängnis auf Bewährung forderte die Staatsanwältin für den Angeklagten, dabei seien die Vorstrafen und die Tatsache, dass der Täter dem Opfer dauerhaftes Leid zugefügt habe, strafverschärfend zu berücksichtigen.

Positiv sah sie aber die augenblickliche Entwicklung des Angeklagten, der – gerade Vater geworden – mit neuer Freundin und Baby im Gerichtssaal erschienen war. „Sie leben jetzt offenbar in einer stabilen Beziehung, haben eine Familie gegründet und gehen arbeiten“, so die Staatsanwältin.

Der Vorsitzende Richter bewertete die Situation etwas anders und ging mit seinem Urteil von zehn Monaten Gefängnis in seinem Strafmaß deutlich weiter. Dazu verhängte er eine Geldauflage von 1000 Euro gegen den Angeklagten. Das Urteil setzte er zur Bewährung auf vier Jahre aus.

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