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Soldaten des Sanitätsregiments 4 helfen im Corona-Container

Bis zu 200 Abstriche am Tag

Lengerich/Tecklen...

Seit gut vier Wochen unterstützen Sanitätssoldaten die Arbeiten am Corona-Abstrich-Container an der Kreissporthalle in Ibbenbüren. In Spitzenzeiten müssen bis zu 200 Abstriche täglich genommen werden.

Linda Braunschweig

Seit Anfang November sind die Soldaten des Sanitätsregiments 4 aus Rheine-Bentlage im Wege der Amtshilfe im Abstrich-Container in Ibbenbüren im Einsatz. Hauptgefreite Kathrin Bibelink und Oberstabsfeldwebel Achim Rist zählen dazu. Foto: Linda Braunschweig

Seit vier Wochen ist die Bundeswehr in Ibbenbüren im Einsatz. Die Soldaten des Sanitätsregiments 4, das in Rheine-Bentlage stationiert ist, unterstützen im Wege der Amtshilfe den Kreis Steinfurt im Corona-Abstrich-Container an der Kreissporthalle. In dem Container werden ausschließlich vom Gesundheitsamt ermittelte Kontaktpersonen der Kategorie I auf Covid-19 getestet, die zuvor einen Termin erhalten haben.

An Spitzentagen im November haben die Soldaten – jeweils zwei aus dem Sanitätsdienst und ein weiterer aus dem Aufklärungsbataillon zur Unterstützung – bis zu 200 Abstriche vorgenommen. Derzeit ist es etwas ruhiger, auf im Schnitt 80 Menschen, die Container und Zelt auf dem Parkplatz täglich aufsuchen, komme man aber dennoch, berichtet Oberstabsfeldwebel Achim Rist aus Ibbenbüren.

Wenngleich die Tätigkeit – Abstriche im Drei-Minuten-Takt zu nehmen – eher neu für die Soldaten ist, sind es der Einsatz im Amtshilfe-Verfahren und der Umgang mit Patienten überhaupt nicht. Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt könne die Unterstützung der Bundeswehr anfordern, so Presseoffizier Adam Ottlinger. Aus Katastrophen-Einsätzen wie der Oder-Flut ist das bekannt, aber auch bei der Evakuierung von Krankenhäusern. Der Einsatz in Ibbenbüren sei „nichts Außergewöhnliches“, sagt Rist, der in 30 Jahren bei der Bundeswehr unter anderem nach der Lawine in Galtür, beim Zug-Unglück in Eschede oder der Brandkatastrophe der Kaprun-Bahn im Einsatz war.

Abstrich-Container bis winter 2021

Wie der Kreis Steinfurt mitteilt, wurden seit Anfang November 1610 Tests am Container in Ibbenbüren vorgenommen. Dieser biete einen räumlichen und kapazitiven Vorteil. Insbesondere für Einwohner aus dem nord-östlichen Kreisgebiet sei Ibbenbüren einfacher zu erreichen als Steinfurt. Der Container verdopple die Testkapazitäten. Die neue Quarantäne-Verordnung sehe ein Beenden der Quarantäne der Betroffenen durch einen negativen Test an Tag 10 der Quarantäne vor. Nach Terminvereinbarung können diese Tests an den Containern ausgeführt werden. „Auch wenn der Umfang der zusätzlichen Tests nicht absehbar ist, gehen wir von einer deutlichen Steigerung aus“, so Kirsten Weßling, Kreis-Pressesprecherin. Die beiden Container sollen bis zum Winter 2021 in Betrieb sein. „Die Erfahrung der letzten Monate hat jedoch gezeigt, dass wir abhängig vom Infektionsgeschehen und von der Zahl erforderlicher Tests permanent die Kapazitäten anpassen müssen.“

Für die Soldaten sei es eine Abwechslung, und er persönlich finde es schön, helfen zu können. Das bestätigt auch Hauptgefreite Kathrin Bibelink. „Das ist eine komplett neue Erfahrung.“ Die Menschen zeigten sich meist dankbar, dass sie einen Abstrich machen lassen können. Auch Schulen und Kitas werden dem Container zugewiesen. „Wir versuchen, den Kindern die Angst zu nehmen und beruhigend auf sie einzuwirken“, sagt Rist, der sich dafür mit den Kindern auf Augenhöhe begibt und erklärt, was er nun macht. Klar, dass die Soldaten eine volle Schutzmontur tragen, wenn sie die Abstriche nehmen. Deshalb fühle er sich auch nicht unwohl bei der Arbeit, sagt Rist. Sie seien ausreichend geschützt. Mit Infektionen umzugehen sei für die Soldaten aber ohnehin nicht neu. Erfahrungen aus anderen Einsätzen kämen den Soldaten auch in der Coronakrise zu Gute.

Sanitätsregiment 4

Das Sanitätsregiment 4 in Rheine-Bentlage gibt es erst seit April 2020. Wenn die Bundeswehr irgendwo auf der Welt einen Einsatz hat, ist das Regiment in der Lage, ein mobiles Krankenhaus aufzubauen, samt OP und Notfallmedizin. 200 Soldaten gehören zum Sanitätsregiment 4, immer 20 von ihnen sind derzeit im Wege der Amts­hilfe in NRW im Einsatz, erläutert Presseoffizier Adam Ottlinger. Im Falle weiterer Anfragen gebe es noch Kapazitäten. Auch wegen der räumlichen Nähe wurde das Rheiner Regiment für Ibbenbüren ausgewählt. Die Soldaten stammen zumeist aus der Region. Langfristig soll das Sanitätsregiment in der Theodor-Blank-Kaserne auf 800 bis 1000 Soldaten ausgebaut werden.

Die Leitung des Abstrich-Containers und die Verwaltung liegen beim Kreis. Nils Marik und seine Kollegen unterstützen die Soldaten administrativ. Auch über die Feiertage werden sie im Dienst sein.

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