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Dienstsiegel und Zusatzbezeichnung

Bürger sollen mitentscheiden

Lengerich

Die Frage, in welcher Form die Stadt künftig an das Lengericher Conclusum, das bedeutendste Ereignis in ihrer Historie, erinnern wird, war am Dienstagabend Thema im Kulturausschuss. Die Ausschussmitglieder waren sich einig, dass die Bürger unbedingt in den Entscheidungsprozess einbezogen werden sollen.

Von Joke Brocker

Das Lengericher Wappen soll nicht mit einem Schriftzug versehen werden. An das Conclusum soll dafür im Siegel der Stadt und mit einer Zusatzbezeichnung erinnert werden. Foto: .

Mit ihrer Ansicht, dass das Lengericher Conclusum Jugendlichen „schnuppe“ sei und man sich nicht mit „Sachen aus der Vergangenheit schmücken“ solle, „sondern mit Sachen, die gut sind“, stand Finnja von Düllen, Vorsitzende des Jugendbeirates der Stadt Lengerich, allein auf weiter Flur, als der Kulturausschuss am Dienstag einen Antrag der SPD-Fraktion diskutierte, das immerhin bedeutendste gesellschaftspolitische Ereignis in der Geschichte der Stadt in deren Wappen sowie in der Bezeichnung der Stadt zu würdigen.

Im Juni hatte die SPD-Fraktion gefordert, dafür zu sorgen, dass das Conclusum, das während des Dreißigjährigen Krieges den Weg für die Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück ebnete, die anno 1648 im Westfälischen Frieden gipfelten, dauerhaft und nachhaltig mit der Stadt Lengerich verbunden wird. Das Stadtwappen sollte um den Sinnspruch „Pax optima rerum“ – „Der Frieden ist das Höchste aller Dinge“ – ergänzt, außerdem die Zusatzbezeichnung „Friedensstadt“ beantragt werden. Ein Ansinnen, für das sowohl die Verwaltung wie auch sämtliche Fraktionen Sympathien hegten.

Im Schul- und Kulturausschuss wurde das Thema nun erneut beraten. Niklas Schulte, stellvertretender Fachdienstleiter im Büro des Bürgermeisters, wies darauf hin, dass die Änderung und Einführung von Dienstsiegeln, Wappen oder Flaggen der Genehmigung der Aufsichtsbehörde, im konkreten Fall des Landrates des Kreises Steinfurt, bedürfe und dass bei Änderung vorhandener Wappen oder Einführung neuer Wappen die anerkannten Grundsätze der Heraldik (Wappenkunde) zu berücksichtigen seien. Darauf hätten auch Stadt- , Kreis- und Landesarchivar sowie die Kommunalaufsicht hingewiesen, die mit dem SPD-Antrag konfrontiert worden seien. Der Kreisarchivar hatte beispielsweise darauf hingewiesen, dass ein Sinnspruch nicht in das Wappenschild mitaufgenommen werden könne.

Die Heraldik ziele auf simple optische Wahrnehmung ab, ein zusätzlicher Schriftzug würde das Wappen überfrachten. Ein Sinnspruch könne allenfalls auf einem Band unter oder über dem Schild erschienen. Allerdings seien weder dem Kreis- noch dem Landesarchiv westfälische und deutsche Stadtwappen mit Wahlspruch bekannt. Derartige Devisen verwendeten wohl vor allem Bistümer.

Für Kommunalwappen seien solche Wahlsprüche im Wappenschild nicht angebracht, sind sich Kreis- und Landesarchiv, auf deren Expertise der Landrat als untere staatliche Verwaltungsbehörde angewiesen ist, einig. Daher empfahl die Verwaltung, auf die Ergänzung des Lengericher Wappens um den Sinnspruch „Pax optima rerum“ zu verzichten und schlug stattdessen eine Ergänzung des Dienstsiegels um den Sinnspruch vor. Außerdem könne eine Zusatzbezeichnung wie „Friedensstadt“ beantragt werden. Im Antragsverfahren müsse aber deutlich dargelegt werden, warum Lengerich „Die Friedensstadt“ ist. Das Lengericher Conclusum stehe allerdings stehe nicht nur für „Frieden“. Die Kernbotschaft des Conclusums laute vielmehr „Frieden durch Dialog“. In diesem Sinne schlägt die Verwaltung vor, unter Beteiligung der Bürgerschaft eine Zusatzbezeichnung für die Stadt Lengerich zu finden.

Ein Vorschlag, der sowohl von SPD-Fraktionschef Andreas Kuhn wie auch von der grünen Fraktionsvorsitzenden Annegret Engelhardt und von CDU-Fraktionschef Hartmut Grünagel als „identitätsstiftend“ betrachtet und begrüßt wurde; wenngleich Engelhardt ankündigte, die Kosten für die Erarbeitung der Zusatzbezeichnung in Höhe von 21 500 Euro momentan nicht mittragen zu wollen. Bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen sprachen sich die Ausschussmitglieder dafür aus, die Verwaltung mit der Einleitung eines Prozesses zu beauftragen, „im Rahmen des friedensstiftenden Projektes ,Lengerich Conclusum`eine Zusatzbezeichnung für den Stadtnamen zu entwickeln und daraus Vorschläge für die Ergänzung des Lengericher Dienstsiegels zusätzlich zum Sinnspruch ,Pax optima rerum‘ auszuarbeiten.“ Der unter öffentlicher Beteiligung erarbeitete Vorschlag für die Zusatzbezeichnung sowie die Vorschläge zur Ergänzung des Dienstsiegels sollen dem Stadtrat so rechtzeitig vorgelegt werden, dass eine Genehmigung durch die zuständige Behörde im Jahr 2023 vollzogen ist.

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