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Wahl in Lengerich spiegelt Bundestrend wieder

CDU so schlecht wie noch nie

Lengerich

Wie im Bund ist die CDU bei der Bundestagswahl auch in Lengerich auf ihr bislang schlechtestes Ergebnis abgestürzt. Mit 22,7 Prozent liegt die Union weit hinter der SPD, die 35,7 Prozent einfuhr. Noch stärker als die Sozialdemokraten legten die Grünen zu. FDP und AfD blieben stabil, die Linke verlor stark und liegt nun deutlich unter fünf Prozent.

Von Michael Baar und Paul Meyer zu Brickwedde

Die Wahlbeteiligung ist in Lengerich leicht gestiegen. Ab und an bildeten sich vor den Wahllokalen auch einmal Schlangen, die Wartezeiten hielten sich aber in Grenzen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Auch in Lengerich hat die CDU bei der Bundestagswahl ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Mit 22,7 Prozent lag sie diesmal noch hinter den 25,2 Prozent, die die Union 1949 bei der ersten Bundeswahl überhaupt in der Stadt erhielt. Erstmals zweistellig, und das deutlich mit 14 Prozent, wurden die Grünen. Die SPD haben die Wähler in Lengerich zur mit Abstand stärksten Partei gemacht, sie kam auf 35,7 Prozent. Stabil blieben die FDP mit 10,1 Prozent und die AfD mit 7,8 Prozent. Richtig in den Keller ging es für die Linke, die neben der CDU der Verlierer des Wahlabends ist. Sie rutschte von 6,9 Prozent auf 3,5 Prozent ab.

Ampel oder Jamaika, das ist nun die Frage. Für Björn Schilling steht die Antwort fest. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins setzt auf eine Ampel-Koalition, sprich ein Bündnis von SPD, Grünen und FDP. Zu einer denkbaren Neuauflage der Großen Koalition, diesmal unter Führung der SPD, hat er eine klare Meinung: „Da sollte man die Finger von lassen.“

Dass die Linke um den Wiedereinzug in den Bundestag zittern muss, lässt ihn kalt. „Für eine Koalition stände die ohnehin nicht zur Verfügung.“ Dass Jürgen Coße bei den Erststimmen in Lengerich Anja Karliczek hinter sich gelassen hat, überrascht ihn nicht. „Das hat sich in den vergangenen Jahren angedeutet.“

Das Abschneiden der Sozialdemokraten führt Björn Schilling auf zwei Gründe zurück: „Wir haben hier eine ziemlich gute Basis und machen vor Ort gute Arbeit.“ Dazu zählt er den ständigen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie „unsere Konsequenz beim Durchziehen von Themen“.

Die Gemütslage von Maik Wagner war nach 18 Uhr verständlicherweise nicht die beste. Lengerichs CDU-Vorsitzender zeigte sich tief enttäuscht vom Abschneiden für seine Partei – gerade auch in Lengerich. „Wir haben ein schlechtes Ergebnis befürchtet, aber dass es in Lengerich so klar wird, das habe ich nicht erwartet.“

Ob es nun im Bund noch zu einer von der CDU geführten Koalition kommen wird? Wagner hält es zumindest für richtig, dass Armin Laschet den Versuch unternimmt, Jamaika zu realisieren. Wenn das nicht klappt, dann „wird es nicht einfach für ihn“, prognostiziert der Chef der Lengericher Union. Schließlich sei der Kanzlerkandidat der Hauptverantwortliche für das Ergebnis.

Eher enttäuscht als glücklich zeigte sich am Sonntagabend Dennis Schmitter, einer der beiden Ortssprecher der Lengericher Grünen. Zwar habe die Partei im Bund und in Lengerich das mit Abstand beste Ergebnis ihrer Geschichte geholt. „Aber unser Potenzial ist weit größer.“ Das hätten die Umfragen im Frühjahr deutlich gezeigt. Klar ist für ihn, dass die größten inhaltlichen Übereinstimmungen mit der SPD bestehen. Somit hat Schmitter eine klare Präferenz für die Ampel, wenn es um die Frage der künftigen Regierungskoalition geht. Ob es so kommt, hänge aber natürlich auch von der FDP ab. Der Grünen-Sprecher rechnet mit zähen Verhandlungen.

Kerstin Glindmeyer, Vorsitzende der Lengericher FDP, outet sich als klare Befürworterin einer Koalition mit CDU und Grünen. „Mit der Ampel würde die Welt aber auch nicht untergehen.“ Mit Blick auf Armin Laschet und Olaf Scholz betont die Liberale, dass es ihr nicht um die Personen gehe, sondern um die Inhalte. Und da glaube sie, dass es für die FDP größere Schnittmengen mit der CDU gibt.

Die Wahlbeteiligung lag bei 73,3 Prozent und damit leicht höher als bei der Wahl vor vier Jahren. In den Wahllokalen war durchgehend Betrieb an den Urnen. Stoßweise bildeten sich hier und da auch einmal kleine Schlangen vor den Wahllokalen. Doch die Wartezeiten hielten sich offenbar in Grenzen. Was die Teams in den Wahllokalen ebenfalls freute: Die Bürger hielten sich ohne Murren an die Corona-Regeln, es herrschte eine entspannt-freundliche Atmosphäre.

Gegenüber den Westfälischen Nachrichten äußerten sich einige Lengericher zu ihrem Votum. Neben den Stammwählern, die ihren Parteien die Treue hielten, sagten recht viele, dass ihnen diesmal die Entscheidungsfindung schwerer als sonst üblich gefallen sei. Eine ältere Frau, die in Hohne ihre Stimme abgegeben hatte, erzählte, dass sie sich die Mühe gemacht habe, sich die Wahlprogramme der Parteien „von links bis rechts“ anzuschauen. Ein Mann mittleren Alters berichtete, dass ihm beim Abwägen zwischen zwei Parteien der Wahlomat entscheidend weiter geholfen habe. Und eine junge Erstwählerin erklärte, dass sie sich ihr Urteil durch eine Reihe von Gesprächen mit der Familie und Freunden gebildet habe.

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