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Wechsel in der W & H-Geschäftsführung

Corona beflügelt digitalen Wandel

Lengerich

Das Familienunternehmen Windmöller & Hölscher ist gut aufgestellt und geht zuversichtlich ins neue Jahr. Das und noch mehr haben der scheidende CEO Dr. Jürgen Vutz, der zum 1. Januar 2021 in den Aufsichtsrat wechselt, und sein Nachfolger Peter Steinbeck im Gespräch mit den WN berichtet.

Michael Baar

Symbolische Stabübergabe zwischen Dr. Jürgen Vutz (links) und Peter Steinbeck, der zum 1. Januar neuer CEO bei Windmöller & Hölscher wird. Jürgen Vutz wechselt in den Aufsichtsrat.. Foto: W & H

Das Familienunternehmen Windmöller & Hölscher (W & H) ist bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. „Im März haben wird noch von den Abschlüssen des letzten Jahres gelebt. Der Auftragseingang war verhalten. Das hat sich im Herbst verändert“, sagt Peter Steinbeck in einer Videokonferenz mit den Westfälischen Nachrichten. Insbesondere Hygiene-Verpackungen – und damit auch die dafür erforderlichen Maschinen – seien gefragt. Mit der Folge, dass der Auftragseingang beim Marktführer für Maschinen zur Herstellung von Verpackungsmaterialien zulegt, erläutert das für Vertrieb und Service zuständige Vorstandsmitglied.

„Wir sind bislang gut durch die Krise gekommen“, bestätigt Dr. Jürgen Vutz. Der CEO, der zum 1. Januar 2021 dieses Amt an Peter Steinbeck abgeben wird und in den Aufsichtsrat wechselt, macht diese Aussage an drei Parametern fest: der Gesundheit der Mitarbeiter, dem aufrecht erhaltenen Geschäftsbetrieb und der Zufriedenheit der Kunden.

Dr. Jürgen Vutz

Einen Riesenschub hat das Coronavirus im digitalen Bereich ausgelöst. Nicht nur, was das Arbeiten betrifft. In der Spitze sind bis zu 1000 Mitarbeiter im Home Office tätig gewesen. Drastisch eingeschränkt worden ist auch das Reisen beim weltweit tätigen Unternehmen. Auf 70 Prozent gegenüber 2019 schätzt Jürgen Vutz den Rückgang in diesem Bereich. „Das wird 2021 eingeschränkt bleiben“, kann er sich auch auf Dauer nicht vorstellen, dass das einstige Niveau wieder erreicht wird.

Was auch an Videokonferenzen und anderen digitalen Kommunikationswegen liegt, die durch Covid-19 unversehens in den Fokus gerückt sind – auch im Vertrieb und Service.

Kunde veranlasst Sonderflug für W & H-Techniker

Rund 93 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Windmöller & Hölscher außerhalb Deutschlands. Mal eben ein Team auf den Weg schicken, um bei einem Kunden eine neue Maschine einzurichten – der Lockdown im Frühjahr erforderte ein schnelles Umdenken. Zwar hat W & H weltweit Servicetechniker im Einsatz, trotzdem wurde es beispielsweise in China und den USA zeitlich sehr eng, um die Kunden vor den Reisestopps noch zu betreuen.

Auch im Vertrieb mussten neue Wege für den Kundenkontakt gefunden werden. „Die wichtigsten Branchenmessen sind ausgefallen“, blickt Peter Steinbeck zurück. Statt persönlicher Kontakte hat das Familienunternehmen auf digitale Treffen und Vorführungen gesetzt. Seit April haben im Technikum an der Münsterstraße rund 100 Maschinendemonstrationen online stattgefunden. Hinzu kommen eine digitale Hausmesse und zahlreiche Webinare für spezielle Kundenkreise. Zweifel, ob dieser Weg die Bindung stärkt, werden von den Rückmeldungen der Kunden entkräftet. „Das ist von Stammkunden als sehr persönlich empfunden worden“, berichtet Peter Steinbeck. Allerdings, das räumt er auf Nachfrage ein, die Neukunden-Akquise sei durch Corona etwas schwieriger geworden.

Peter Steinbeck

„Wir verkaufen nicht nur Maschinen, wir verkaufen auch Vertrauen. Und nicht alle Probleme sind digital lösbar“, unterstreicht Jürgen Vutz und erzählt eine Anekdote. Ein Kunde aus der Türkei habe während des Lockdowns dringend Unterstützung durch W & H-Servicetechniker benötigt. Einreiseverbote und fehlende Flugverbindungen als unüberwindbare Hindernisse? Nicht für den Kunden. Der erwirkte bei der türkischen Regierung eine Sondererlaubnis, schickte seinen Privatjet zum FMO, holte die W & H-Techniker ab und brachte sie auch wieder zurück.

Neben den aktuellen Veränderungen durch die Pandemie wandeln sich auch die Maschinen weiter, die vom Familienunternehmen konstruiert werden. Das hat immer schon innovative Lösungen im Portfolio gehabt. Beispielsweise in Sachen Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft. „Lösungen für besser recycelbare Verpackungen sind eine unserer Stärken – diese Entwicklung geht weiter“, betont Peter Steinbeck. Ein weiteres Pfund, mit dem W & H wuchern kann, sind die Mitarbeiter. „Ohne Corona hätten wir für das, was wir im vergangenen halben Jahr umgesetzt haben, zwei Jahre gebraucht“, nennt Jürgen Vutz eine Größenordnung. Was ohne die Belegschaft nicht möglich gewesen wäre. „Unser ganzes Team ist sehr motiviert, hat die ungewohnte Situation hervorragend angenommen“, spart er nicht mit Lob. Und nicht nur damit. Für jeden W & H-ler soll es zum Jahresende eine kleine Prämie geben.

Mehr Zeit für Golf – Modelleisenbahn muss warten

Vor 22 Jahren haben Dr. Jürgen Vutz und Peter Steinbeck gemeinsam als Vorstände beim Familienunternehmen Windmöller & Hölscher angefangen. Nicht nur deshalb steht für beide fest, dass der Wechsel des 63-jährigen Jürgen Vutz vom Vorstand in den Aufsichtsrat reibungslos vonstatten gehen wird.

Der Maschinenbauer will künftig seinen Kunden auch bei der Digitalisierung der Produktion verstärkt zur Seite stehen. Zehn Prozent Umsatzanteil mit Digital-Produkten formuliert der CEO als Ziel für 2025. Derzeit, so Jürgen Vutz, liege dieser Wert bei etwa drei Prozent. Parallel dazu will Windmöller & Hölscher – auch wenn der Umsatz in diesem Jahr wohl auf dem Niveau von 2019 verharren wird – in allen Bereichen Vollgas geben. „Wir sind auf dem Weg zu einem Milliarden-Unternehmen“, stellt der CEO nüchtern fest. Der strategische Plan sehe vor, diese Marke in den nächsten Jahren zu erreichen.

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