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17-Jährige berichtet, wie junge Menschen durch die Pandemie kommen

Corona wird zum Teil des Leben

Lengerich

Wie ergeht es jungen Menschen während der Corona-Pandemie? Die 17-jährige Marie Christin Haßmann, Schülerin am Hannah-Arendt-Gymnasium, erzählt in einem Interview aus ihrem Alltag, berichtet, wie anstrengend Homeschooling ist, und schildert, wie der ein oder andere aus ihrer Altersklasse dann und wann die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie „austrickst“.

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Marie Christin Haßmann geht aufs Hannah-Arendt-Gymnasium. Das Homeschooling habe ihre Einstellung zur Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Es ist kalt und windig an diesem Vormittag in Lengerich. Trotzdem hat Marie Christin Haßmann nichts dagegen, das Gespräch im Freien zu führen und nicht etwa im warmen Redaktionsbüro. Es sei eine Gelegenheit, an die frische Luft zu kommen, meint die 17-Jährige. Und das sollte man nutzen in Corona-Zeiten. Die Pandemie ist auch der Grund für das Treffen mit WN-Redakteur Paul Meyer zu Brickwedde. Der möchte von der Schülerin des Hannah-Arendt-Gymnasiums wissen, wie es jungen Menschen wie Marie in diesen so besonderen Zeiten geht und wie ihr Alltag aussieht.

Marie, kannst Du Dich daran erinnern, was Du gedacht hast, als die Pandemie mit der ersten Welle in Deutschland ankam?

Marie Christin Haßmann: Ganz zu Anfang habe ich noch gedacht, dass da komplett übertrieben wird und dass sich das nach ein paar Monaten wieder legt. Aber als wir plötzlich den ersten Lockdown hatten und die Schule für mich völlig überraschend geschlossen wurde, da war ich richtig schockiert und habe gemerkt, dass es sehr ernst ist.

Was hat sich seitdem für Dich geändert?

Marie: Vor allem hat man natürlich wesentlich weniger Kontakte zu Freunden. Das Schulleben ist ein komplett anderes und ich habe ein ganz andere Einstellung zur Schule bekommen, weil man jetzt die Erfahrung macht, wie es auch laufen kann. Dadurch weiß ich mehr zu schätzen, wenn man im Unterricht sitzt und die Möglichkeit zum direkten Nachfragen hat.

Was nervt und stört Dich am meisten am Leben in der Pandemie?

Marie: Das ist tatsächlich das Homeschooling. Es macht halt einen deutlichen Unterschied, ob man am PC sitzt oder direkten Kontakt miteinander hat. Aber es sind auch die gesamten Einschränkungen. Zum Beispiel fehlt die Freiheit, einfach einmal in andere Städte zu fahren.

Wie sieht denn ein normaler Tagesablauf jetzt bei Dir aus?

Marie: Wenn ich Homeschooling habe, stehe ich später auf als sonst, weil ich den Schulweg nicht mehr habe und vor dem PC frühstücken kann. Da man zuhause ist, kommt es einem so vor, als hätte man deutlich mehr Unterricht und dafür weniger Pause. Danach geht es vor allem mit Hobbys weiter, die man allein ausüben kann. Das wäre bei mir kreatives Schreiben und Zeichnen. Spazierengehen wird auch zunehmend beliebter, um immer mal wieder rauszukommen.

Hast Du das Gefühl, dass die Bedürfnisse und Sorgen junger Menschen bei der Diskussion über die Corona-Maßnahmen in der Politik und auch in der gesamten Gesellschaft zu kurz kommen?

Marie: Den Eindruck hatte ich tatsächlich, als es das erste Mal darum ging, die Schulen wieder zu öffnen. Wir wussten am Freitag nicht, ob wir am Montag wieder hin müssen oder ob verlängert wird. Das war wirklich sehr chaotisch.

Sprecht ihr im Freundes- und Bekanntenkreis viel über die Pandemie oder blendet ihr sie manchmal vielleicht sogar bewusst aus, weil es einfach zu viel wird?

Marie: Zu Anfang war das schon oft ein Thema. Inzwischen ist das in gewisser Weise ein Teil des Lebens und wir haben uns beispielsweise damit abgefunden, viel über Whatsapp mitein­ander zu reden. Aber wenn es wieder Maßnahmen gibt, die uns konkret betreffen, dann sprechen wir darüber natürlich.

Stichwort Corona-Regeln: Was bekommst Du davon mit, werden die von den meisten Deiner Generation eingehalten?

Marie: In meinem näheren Bekanntenkreis werden sie eingehalten. Aber wenn man durch die Schulgänge läuft, hört man schon alle möglichen Sachen, wie die Leute versuchen, den Regeln auszuweichen. Da treffen sich die Leute dann halt mal „zufällig“ in der Stadt.

Glaubst Du, dass Dein Leben ein anderes sein wird, dass bestimmte Dinge aus Pandemie-Zeiten bleiben, wenn Corona einmal überwunden ist?

Marie: Das kann ich mir gut vorstellen, wenn es um Gewohnheiten wie das Händewaschen geht. Und Krisensituationen wird man ganz anders einschätzen. Wenn irgendwann in der Zukunft wieder ein Virus auftaucht, hat man ein besseres Gefühl dafür, was kommen kann. Vielleicht ist auch der Respekt vor den systemrelevanten Berufen gestiegen.

Wie ist die Stimmung unter jungen Menschen? Bist Du genauso gut gelaunt wie früher oder nimmst Du wahr, dass zum Beispiel weniger gelacht wird?

Marie: Die Stimmung ist träger, normalerweise würden wir viel mehr unternehmen. Man merkt auch, dass das Homeschooling alle deutlich mehr anstrengt als der normale Unterricht. Und man spürt, dass die Leute einfach genervt sind von der Situation.

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