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Nach Ausstieg von Keolis vorerst gerettet

Coup beendet Krise der Eurobahn

Lengerich

Mit dem Jahreswechsel hat die Eurobahn übergangsweise einen neuen Eigentümer bekommen. Auch der Name des Unternehmens ändert sich. Nachträglich verbesserte Verkehrsverträge sollen den Zugbetrieb auf allen 15 Linien sichern. Fragen und Antworten.

Von Sebastian Stricker

Unternehmen gerettet: Die finanziell stark angeschlagene Eurobahn fährt auch über den 31. Dezember 2021 hinaus in dem für Osnabrück wichtigen Teutoburger-Wald-Netz – wenngleich unter neuer Flagge Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Wer steckt künftig hinter der Eurobahn? Wie im Herbst angekündigt, hat sich die französische Staatsbahn-Tochter Keolis zum 31. Dezember 2021 als Gesellschafterin ihres nationalen Ablegers Keolis Deutschland vollständig zurückgezogen. Neue Eigentümerin des in Düsseldorf ansässigen Unternehmens, das mit seiner Marke Eurobahn zu den größten privaten Anbietern im öffentlichen Schienen-Personennahverkehr (SPNV) in Nordrhein-Westfalen gehört, wird bis auf Weiteres die Restrukturierungsgesellschaft Team Treuhand. Als Teil der Münchner Wirtschaftsgroßkanzlei Noerr ist sie spezialisiert darauf, finanziell angeschlagene Unternehmen in Übergangsphasen am Laufen zu halten.

Was wird aus Keolis Deutschland? „Die Vorbereitungen zum Gesellschafterwechsel laufen auf Hochtouren“, teilt Keolis Deutschland mit. Noch stünden einige Genehmigungen aus. Ziel sei es, die Eurobahn wieder rentabel zu machen und so „die Weichen für einen neuen, strategischen Investor in der Zukunft zu stellen“. Aus Keolis Deutschland ist zum 1. Januar 2022 die Eurobahn GmbH geworden. Die bisherige Führungsspitze um Anne Mathieu (CEO) und Karsten Schulz (Technischer Geschäftsführer) bleibt bestehen. Wie lange die Eurobahn unter den Fittichen von Team Treuhand bleibt, ist offen.

Rückzug von Keolis

Wie kam es zu dem Ausstieg des französischen Mutterkonzerns? Der Rückzug von Keolis aus dem Geschäft mit der Eurobahn ist Folge eines Dauerstreits mit den SPNV-Aufgabenträgern über geltende Verkehrsverträge. Diese waren dem Unternehmen mit der Zeit viel zu teuer geworden. Die Gründe dafür sah es vor allem in veränderten Rahmenbedingungen des Marktes. Vor wenigen Wochen dann einigten sich alle Beteiligten nach über 20-monatigen Verhandlungen auf eine Anpassung der Kontrakte – Stichwort Verkehrsvertrag 2.0. Gleichzeitig bereitete der französische Mutterkonzern seinen kurzfristigen Ausstieg beim deutschen Ableger vor. Allerdings nicht, ohne für einen Großteil der Kosten aufzukommen, die durch die aktuellen vertraglichen Verpflichtungen entstehen.

Folgen für Fahrgäste

Was bedeutet das alles für die Fahrgäste der Eurobahn? Vor allen Dingen, dass die Züge auf den insgesamt 15 Linien der Eurobahn weiterhin rollen. Wie die zuständigen SPNV-Aufgabenträger Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) gemeinsam erklären, sichert die Fortführung der Verträge mit Keolis Deutschland den „nahtlosen und langfristigen Weiterbetrieb“ des Verkehrs in allen vier betroffenen Netzen. Dazu zählt unter anderem das Teutoburger-Wald-Netz mit seinen für die Region Osnabrück wichtigen Verbindungen nach Münster (RB 66) sowie nach Bielefeld, Rheine und Hengelo (RB 61), außerdem das Ostwestfalen-Lippe-Netz, das Hellweg-Netz und das Maas-Rhein-Lippe-Netz. Der Bahnbetrieb werde auch nach Übertragung der Gesellschaftsanteile zum 1. Januar 2022 „unverändert“ erfolgen, hieß es in der Mitteilung. „Den Wechsel des Eigentümers werden die Fahrgäste bei gleichbleibendem Angebot nicht spüren.“

Reaktionen auf Keolis-Deal

Wie kommentieren Unternehmen und Verkehrsverbünde den Keolis-Deal? Die ausgehandelte Sonderregelung zum Verkehrsvertrag 2.0 ist in NRW bislang ohne Vorbild. Entsprechend zufrieden haben sich alle Beteiligten über das Zustandekommen geäußert. „Wir freuen uns, dass wir mit Keolis eine partnerschaftliche Lösung zur langfristigen Umsetzung der zum Teil bis 2032 laufenden Verträge finden konnten“, sagte Joachim Künzel, Geschäftsführer des NWL. „Wir als Aufgabenträger haben dabei genauso wie das Unternehmen ein Höchstmaß an Entgegenkommen gezeigt. Das nun erzielte Ergebnis sichert sowohl Arbeitsplätze als auch ein komplettes Angebot im Sinne unserer Fahrgäste.“

Laut VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser zeige sich am Beispiel Keolis, „dass die Anpassungen im Rahmen von Verkehrsvertrag 2.0 tauglich sind, um passgenau und pragmatisch auf sich ändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können“. Die Vorsitzende Geschäftsführerin von Keolis Deutschland, Anne Mathieu, sprach von einer „sehr guten, zukunftsfähigen Lösung“ nach „konstruktiven Gesprächen“.

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