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Feuerwehrausrüstung: Ersatzbeschaffungen sind Notwendigkeiten

„Das ist kein Wunschkonzert“

Lengerich

In loser Folge berichten die Westfälischen Nachrichten über die Freiwillige Feuerwehr Lengerich berichten. Vorgestellt werden in der Serie „Feuer und Flamme“ unter anderem einzelne Abteilungen, Struktur, Organisation und Aufgaben der Wehr. Diesmal geht es um den Fuhrpark, das Gerätehaus und dringend benötigte neue Uniformen

Von Joke Brockerund

Foto: Feuerwehr

„Wir sind ein gemeinnütziger Verein und erfüllen hoheitliche Aufgaben“, stellt Bernd Tuchen klar, dass es sich bei den Ersatzbeschaffungen der Feuerwehr, die regelmäßig während der Haushaltsberatungen in den politischen Gremien auf den Tisch kommen, um Notwendigkeiten handelt. „Das ist kein Wunschkonzert. Das ist alles Arbeitsgerät“, betonen Thorsten Budzinzki, Leiter der Feuerwehr, und sein Stellvertreter Björn Schilling. Es habe auch nicht mit „nice to have“ zu tun, wenn Feuerwehr neue Einsatzkleidung für den Sommer beantrage. Um für die Herausforderungen des Klimawandels bestmöglich gewappnet zu sein, müsse auch die Einsatzkleidung angepasst werden, sagt Schilling.

Die Kleidung, über die die Wehr derzeit verfüge, sei auf den Innenangriff ausgerichtet. „Im Sommer, wenn der Lenz brennt, kommt es aber schnell zu einem Hitzestau unter den Klamotten“, gibt er zu bedenken. Die Sommer würden immer heißer, immer öfter werde es Vegetationsbrände geben, da sei eine leichte Einsatzkleidung unabdingbar.

Eine der originären Aufgaben der Feuerwehr ist das Löschen von Bränden. Daher verfügt die Freiwillige Feuerwehr Lengerich über fünf Tanklöschfahrzeuge, mit denen 15 000 Liter Wasser für den Erstangriff transportiert werden können. „Wir müssen das Wasser nicht aus einem Hydranten nehmen“, wissen die Feuerwehrmänner die große Zeitersparnis durch diese Fahrzeuge zu schätzen, die sich auch bei Bränden in außerhalb gelegenen Ortschaften bewährt haben.

Allerdings: für eine Menschenrettung aus einem Gebäude reichten 15 000 Liter Wasser für den ersten Angriff, nicht aber für einen Bauernhofbrand.

Um Flächen- und Waldbrände zu bekämpfen, die die Feuerwehren mit dem Fortschreiten des Klimawandels mutmaßlich in Zukunft immer häufiger beschäftigen werden, sind die schweren Tanklöschfahrzeuge allerdings keine Option. Da brauche es geländegängige Fahrzeuge, sagt Björn Schilling. Bisher habe die Lengericher Wehr allerdings lediglich geländefähige Fahrzeuge gehabt.

Doch das soll sich im Sinne einer strategischen Anpassung der Einsatzfähigkeit bald ändern. Ein neues Tanklöschfahrzeug auf einem Unimog-Fahrgestell, das in diesem Jahr geliefert werden soll, wird die Lücke schließen.

Zum Fuhrpark der Lengericher Feuerwehr gehören einige Spezialfahrzeuge, darunter ein Hubrettungsfahrzeug als Gelenkmast. Hubrettungsfahrzeuge dienten der Rettung von Menschen aus großen Höhen. Das Fahrzeug verfüge zudem über eine Rettungskorb, mit dem bis zu fünf Personen zeitgleich gerettet werden könnten, berichtet Stefan Lauxtermann.

Um größere Einsätze abzuarbeiten, verfügt die Feuerwehr über einen Einsatzleitwagen, quasi ein rollendes Büro mit EDV-Ausstattung und Funkanlage. Weil auch an diesem Fahrzeug der Zahn der Zeit genagt habe, stehe auch hier eine Ersatzbeschaffung ins Haus.

Wegen des Gefahrenpotenzials, das der Tunnel auf der Bahnstrecke Münster-Osnabrück auf Lengericher Gebiet birgt, hat der Kreis – wohl auch unter dem Eindruck des Zugunglücks von Eschede – einen Gerätewagen Bahn angeschafft, dessen Standort das Lengericher Feuerwehrgerätehaus ist. Wird dieses Fahrzeug irgendwo im Kreis oder auch überregional benötigt, wird die Lengericher Wehr über die Leitstelle informiert. So ist die Spezialeinheit auch schon in Warendorf oder Münster im Einsatz gewesen. An vielen überregionalen Einsätzen, darunter dem Moorbrand bei Groß Hesepe, bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal oder bei Sturmeinsätzen im Kreis Mettmann hätten sie in den vergangenen Jahren geholfen, erzählen Budzinski, Schilling und Co., um sogleich zu versichern, dass die Versorgung in Lengerich natürlich immer sichergestellt sei: „Wir sind jederzeit einsatzfähig.“

Auf ihren Fuhrpark sind die Feuerwehrleute merklich stolz. Sobald die Corona-Situation es erlaube, sagen sie, seien technisch Interessierte im Gerätehaus willkommen, ganz egal, ob sie sich mit der Absicht tragen, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten oder bloß einmal die Fahrzeuge aus nächster Nähe anschauen wollen.

Dabei werden die Besucher möglicherweise feststellen, dass das Feuerwehrgerätehaus ein wenig in die Jahre gekommen ist. Wobei es kein Geheimnis ist, dass das Gebäude nicht mehr den Anforderungen an eine leistungsstarke und zukunftsfähige Feuerwehr entspricht. „Unsere Not ist sehr groß“, sagt Thorsten Budzinski, froh darüber, dass die Planungen für den Bau eines neuen Gerätehauses laufen.

Tatsächlich gibt es in der Feuer- und Rettungswache an der Schulstraße weder eine vernünftige Schwarz-Weiß-Trennung für die Einsatzkleidung noch eine Möglichkeit, nach den Einsätzen zu duschen. Nicht alle Fahrzeuge passen durch die alten Holztore, überdies ist das Platzangebot für den Fuhrpark nicht ausreichend. Außerdem lauern überall im Gebäude Unfallgefahren in Form von Stolper-Stufen. Dass das Platzangebot ist für den Fuhrpark ohnehin nicht ausreichend.

„Corona erschwerte das Ganze noch“, berichten Budzinski, Schilling und Lauxtermann über einen erhöhten organisatorischen Aufwand. Obwohl die Impfquote unter den Feuerwehrleuten hoch sei, wurden die Besatzungen der Feuerwehrfahrzeuge bei Einsätzen reduziert, im Gerätehaus wurde ein Einbahnstraßensystem eingerichtet. Zu Einsätzen durften ausschließlich Geimpfte fahren, auch, weil im Vorfeld eines Einsatzes natürlich keine Tests „auf die Schnelle“ möglich sind.

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