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Rikscha-Piloten laden Senioren zu ersten Probefahrten ein

Das Recht auf Wind in den Haaren

Lengerich

Hocherfreut waren zahlreiche Lengericher Seniorinnen und Senioren, als sie am Samstagvormittag zur ersten Rikscha-Rundfahrt rund um den Römer aufbrechen durften. Die Rikscha-Piloten holten sie am Gempt-Seniorenzentrum ab und halfen selbstverständlich beim Einsteigen.

Von Anne Reinker

Großer Bahnhof vor dem Gempt-Seniorenzentrum. Die Piloten assistierten den Seniorinnen und Senioren gekonnt beim Einstieg in die nagelneuen Rikschas. Foto: Anne Reinker

Ein großer Wunsch etlicher Lengericher wurde am Samstag erfüllt: Dank einer Gruppe ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, Sponsoren und Finanzmittel vom Land wie auch einer Kooperation mit dem Heimatverein konnte nun das Vorhaben „Radeln ohne Alter“ wortwörtlich Fahrt aufnehmen.

Zwei Rikschas für Bürger mit eingeschränkter Mobilität machen es ihnen möglich, auch Regionen außerhalb der Stadtgrenzen zu erreichen. Nach einer Feierstunde im Senioren-Zentrum-Gempt nutzten viele Senioren am Samstag die Möglichkeit einer Probefahrt.

„Radeln ohne Alter“ ist eine Idee aus Dänemark, die in mittlerweile über fünfzig Ländern umgesetzt wird. Aufmerksam darauf wurde Heino Knuf im September vergangenen Jahres. „Das ist etwas für Lengerich“, berichtete Knuf über seine ersten Gedanken dazu.

Dank der Gelder und der zugesagten aktiven Hilfe war es möglich, den Plan schnell umzusetzen. „Wir hatten dabei die volle Unterstützung des Bürgermeisters“, freute sich der Initiator beim Projektstart.

Mit einem großen Fragezeichen sei zunächst die Frage versehen gewesen, wie man ausgebildete Pilotinnen und Piloten für das Lenken der Räder gewinnen könnte. Doch auch das habe sich rasch als machbar erwiesen. Mittlerweile machen zwanzig Aktive mit.

„Jeder hat das Recht auf Wind in den Haaren“, meinte Dr. Alois Thomes, Vorsitzender des Heimatvereins, in seinem Grußwort und war „stolz, das Projekt begleiten zu dürfen“. Das Stadtbild werde mit den fahrenden Rikschas bunter werden, war Thomes überzeugt. Er sieht das Ganze als Win-win-Situation, denn die mitfahrenden Senioren könnten mit ihrem Wissen über Lengerich sicherlich auch die Heimat-Kenntnisse des Vereins bereichern.

„Wir sind froh und dankbar, dass sich der Heimatverein beteiligt“, lobte Bürgermeister Wilhelm Möhrke. „Radeln ohne Alter“ sei für die Stadt eine Aktion mit Weitblick und füge Alt und Jung zusammen. „Die Leute bekommen dadurch einen viel größeren Radius“, freute er sich. Denn die starken, Akku betriebenen Räder böten auch die Möglichkeit, längere Strecken leicht hinter sich zu lassen.

Den Senioren stellte sich unter anderen Lisa Staude vor, die ihre Teilhabe als Pilotin so formulierte: „Fahrradfahren macht glücklich und dieses Gefühl möchte ich Ihnen schenken.“

Piloten müssen gut ausgebildet werden: neben Theorie und Praxis steht auch ein Erste-Hilfe-Kurs auf dem Stundenplan. „Es wurden Griffe gelernt, wie wir die Senioren am besten bewegen können, damit sie gut in die Rikscha kommen“, berichtete Sabine Knuf. Dazu gehört auch die Funktion der Fußablage, die zum Ein- und Ausstieg heruntergefahren werden muss. Zudem wurden die Anwärter dazu angehalten, mit den Fahrgästen im Gespräch zu bleiben und ihnen beispielsweise anzukündigen, wenn eine Kurve genommen wird. „Sie sollen ohne Angst mitfahren“, betonte Sabine Knuf.

Die Piloten, die die Praxis übrigens auch durch Pflegepersonal erlernten, halfen den Mitfahrern mit Sorgfalt und Bedacht, aber auch mit Sicherheit auf die Sitze. Merkbar wohl fühlten sich dementsprechend auch die Senioren, die sich chauffieren ließen.

Das Geschehen beobachtete der Polizeibeamte Andreas Thoben. „Es ist wichtig, dass die Stadt das Projekt mit aufgegriffen hat und die Senioren nach draußen holt“, sagte er. Die Sicherheit dabei sei wichtig, meinte der Fachmann für Verkehrserziehung und Unfallprävention. „Ich empfehle dringend, bei der Fahrt einen Helm zu tragen“, betonte er.

Zwei Rikschas sind ein toller Anfang. Einen Wunsch haben die Organisatoren noch: eine Rikscha, mit der auch ein Rollstuhl bewegt werden kann. Und im Weiteren hofft Heino Knuf auf weitere Sponsoren und Piloten.

Die Reaktionen der Fahrgäste waren nach der Rundfahrt durchweg positiv: „Das war richtig schön“, meinte eine Seniorin, nachdem sie das Gefährt wieder verlassen und noch ein bisschen Wind in den Haaren hatte.

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