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Ausbau des Offenen Ganztags an den Grundschulen erfordert massive Investitionen

Der 8,5-Millionen-Schock

Lengerich

Dass im Bereich der Offenen Ganztagsbetreuung an Lengerichs Grundschulen Investitionsbedarf besteht, ist der Lokalpolitik schon lange bewusst. Doch die Höhe des Betrags der offenbar nötig ist, wirkte im Schulausschuss jetzt doch wie ein Schock.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Bund und Länder haben sich in dieser Woche auf einen gesetzlichen Anspruch bei der Ganztagsbetreuung ab Grundschulen geeinigt. Das zwingt die Kommunen zum Handeln. Foto: picture alliance / dpa

Um den Offenen Ganztagsbereich an Lengerichs Grundschulen zukunftsfest zu machen, muss in den kommenden Jahren massiv investiert werden. Petra von Berlepsch vom Büro Garbe, Lexis & Berlepsch, das die Stadt seit Jahren in Schulfragen berät und unterstützt, bezifferte den Finanzbedarf am Donnerstagabend im Schulausschuss auf rund 8,5 Millionen Euro.

Eine Summe, mit der die Mitglieder des Gremiums offenbar nicht gerechnet hatten. Anne Engelhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagte, sie sei „geschockt“. Ähnlich erging es offenkundig vielen anderen Lokalpolitikern. Allerdings ist kaum damit zu rechnen, dass die Stadt die Kosten wird alleine stemmen müssen.

Mit Blick auf den Kompromiss, der in dieser Woche im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat zum gesetzlichen Anspruch auf einen OGS-Betreuungsplatz ab 2026 gefunden worden ist, verwies von Berlepsch darauf, dass der Bund momentan eine Zuschusshöhe von 70 Prozent angebe. Allerdings sei nur von einer Summe von 4,5 Milliarden Euro die Rede. „Das passt nicht zusammen“, geht die Beraterin anscheinend davon aus, dass das letzte Wort zu diesem Thema noch nicht gesprochen ist.

Zuvor hatte sie dem Ausschuss dargelegt, warum in Lengerich derartige Maßnahmen im OGS-Bereich erforderlich sein werden. Demnach fehlt es an den Grundschulen Intrup, Stadt und Stadtfeldmark an räumlichen Kapazitäten, um in Zukunft etwa 80 Prozent der Kinder – mit diesem Wert rechnen die Planer langfristig – einen Platz im Offenen Ganztag anbieten zu können und ausreichende Standards bei der Betreuung zu gewährleisten. Allein in Hohne sei eine Vergrößerung nicht erforderlich. Aber dort fallen in erheblichem Maß Kosten für Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an. Sie werden auf 1,5 Millionen Euro geschätzt. Die zu erwartenden Ausgaben in Intrup und an der Grundschule Stadt gab von Berlepsch mit jeweils 2,2 Millionen Euro an, 2,65 Millionen Euro seien es in Stadtfeldmark.

Aufgabe von Verwaltung und Politik wird es nun sein, das Ganze zu konkretisieren, also beispielsweise Zeit- und Kostenpläne zu erstellen. Beraterin von Berlepsch sagte, es wäre nicht sinnvoll, parallel alles auf einmal abzuarbeiten. Vielmehr sollten Prioritäten gesetzt werden. Klar ist ihrer Aussage nach, dass bis 2026 der nun auf Bundesebene vereinbarte gesetzliche Anspruch nicht an allen vier OGS-Standorten in Lengerich realisiert werden kann.

Abseits der zu erwartenden baulichen Veränderungen wird es auch strukturelle Veränderungen im OGS-Bereich geben, und das wohl schon in Kürze, wenn der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung grünes Licht gibt. Jörg Hesselmann, Fachdienstleiter Schule, Sport und Kultur, sagte, dass man sich in einer Arbeitsgruppe („Qualitätszirkel“) auf neue Regelungen zur Personalausstattung verständigt habe.

Zum einen geht es um die Ferienzeit. Bislang werden in den OGS dann zwei Gruppen betreut. Dafür stehen dem Betreuungspersonal pro Woche 170 Stunden zur Verfügung, weitere 20 dem Küchenpersonal. Künftig sollen bis zu drei Gruppen betreut werden können mit maximal 230 Stunden für das Personal plus bis zu 30 Stunden für Küchenkräfte. Zum anderen geht es um die Personalausstattung bei kurzfristigen Ausfällen. Die Stadt wird – wenn die Neuregelung denn kommt – einen Vertretungspool bilden, „unter Berücksichtigung der aktuellen Arbeitsmarktsituation“, wie es offenkundig mit Bezug auf den Fachkräftemangel heißt. Kommt es zu einem Personalausfall soll der entweder aus dem Pool oder aber intern in den OGS aufgefangen werden.

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