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Bodelschwingh-Realschule: Stadt plant zügigen Abriss nach Beginn der Sommerferien

Die letzten Tage stehen bevor

Lengerich

Noch läuft in der Bodelschwingh-Realschule der durch Corona geprägte Unterrichtsalltag. Doch mit dem letzten Tag des Schuljahrs Anfang Juli wird damit Schluss sein. Die verbliebenen Lehrer und Schüler der auslaufenden Lehranstalt werden nach den Sommerferien in das Gebäude der Bonhoeffer-Realschule wechseln. Für den Komplex an der Schulstraße bleibt dann der Abriss, den die Stadt zeitnah plant.

Paul Meyer zu Brickwedde

Das Areal der Bodelschwingh-Realschule und der Marktplatz dahinter bilden zusammen eine 19 000 Quadratmeter große Fläche, die wohl bald bebaut wird. Foto: Stadt Lengerich

Am 2. Juli endet ein Kapitel Lengericher Bildungsgeschichte. Wenn sich an diesem Tag die Neuntklässler der Bodelschwingh-Realschule – sie sind dann der letzte Jahrgang der auslaufenden Schule – in die Sommerferien verabschieden, ist es vorbei mit dem Unterrichten von Kindern und Jugendlichen in dem Komplex an der Schulstraße. Die noch verbliebenen zwei Klassen werden ab Mitte August ins Gebäude der Bonhoeffer-Realschule wechseln – und für die in die Jahre gekommene Immobilie bleibt der Abriss.

Der genaue Termin dafür stehe noch nicht fest, sagt Jürgen Kohne. Klar sei aber, dass das möglichst zeitnah erfolgen soll, betont der Wirtschaftsförderer der Stadt. Das Geld dafür ist jedenfalls vorhanden, 250 000 Euro stehen im Haushalt bereit. Der Grund für das zügige Handeln: Die Verantwortlichen wollen Vandalismus in der dann leerstehenden Schule vorbeugen. Womöglich sind in dieser Hinsicht die jahrelangen Negativ-Erfahrungen mit dem klr-Komplex ganz in der Nähe Anlass gewesen, diesen Weg zu wählen.

Was in der Folge an dieser Stelle im Stadtzentrum entstehen wird, steht noch nicht fest. In der Lokalpolitik werde darüber momentan diskutiert, so Kohne. Allerdings passiert das derzeit noch hinter verschlossenen Türen. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil es auch um den möglichen Investor geht.

Erste bereits recht konkrete Pläne zur künftigen Bebauung wurden aber bereits Ende September vergangenen Jahres im Bauausschuss öffentlich präsentiert. Zusammen mit dem angrenzenden Marktplatz, der in das Vorhaben einbezogen werden soll, stehen 1,9 Hektar zur Verfügung. Demnach soll im westlichen Teil des Areals ein Wohngebäude platziert werden, daneben ein Wohn- und Geschäftshaus. Zu vermuten ist, dass darin auch Raum für eine Lidl-Filiale vorgehalten wird, da offenkundig an deren bisherigem Standort am Kreisverkehr Ladberger Straße die neue Feuer- und Rettungswache vorgesehen ist.

Wer auch immer das in Angriff nimmt, muss wohl tief in die Tasche greifen. Die Stadt, so ist es im Vorbericht zum Etat zu lesen, rechnet 2022 mit Einnahmen von 1,9 Millionen Euro aus dem Verkauf der Flächen. Allerdings ist das eine Summe, die weit unter dem liegt, was sich anhand des Bodenrichtwertes ergeben würde. Der besagt, dass der Quadratmeter auf dem Grundstück der Bodelschwingh-Realschule mit 185 Euro anzusetzen ist und auf dem Marktplatz sogar mit 220 Euro. Daraus würde sich ein Betrag von rund 3,8 Millionen Euro ergeben.

Ein Immobilienexperte stellt dazu gegenüber den WN fest, dass er die von der Stadt angesetzte Summe für sehr niedrig hält. Einerseits könne man zwar nicht einfach den Bodenrichtwert nehmen und ihn mit der Quadratmeterzahl multiplizieren, um einen Verkaufspreis zu ermitteln. Gerade bei größeren Grundstücken müssten auch Abschläge in Kauf genommen werden. Andererseits lägen die Bodenrichtwerte in der Region momentan jedoch eher am unteren Ende der tatsächlich auf dem Markt erzielten Preise.

Ursprünglich sollte die Bodelschwingh-Realschule bereits im Sommer 2020 aufgegeben werden. Doch angesichts der Corona-Pandemie war entschieden worden, diesen Schritt um ein Jahr zu verschieben. Das bedeutete für die verbliebenen Lehrer und Schüler der beiden Realschulen mehr Platz und Möglichkeiten zum Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln – so denn Präsenzunterricht überhaupt möglich war und ist.

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