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Katzenhilfe Lengerich begrüßt Verordnung des Kreises

Die Population verkleinern

Lengerich

Ab dem 1. Juni gilt die vom Kreis beschlossene Katzenschutzverordnung. Darüber freut sich mit Claudia Kiese auch die Vorsitzender der Katzenhilfe Lengerich. Allerdings stellt sie auch fest, dass damit wohl kaum alle Probleme bezüglich streunender Katzen gelöst werden können.

Paul Meyer zu Brickwedde

Sind die Aktiven der Katzenhilfe Lengerich unterwegs, finden sie immer wieder herrenlose, streunende Tiere. Sie werden gefangen, zum Tierarzt gebracht, untersucht und kastriert.. Foto: Katzenhilfe Lengerich

Claudia Kiese spricht von einem „tollen Erfolg“. Doch dass die Katzenhilfe Lengerich künftig arbeitslos sein wird, weil der Kreis eine Katzenschutzverordnung erlassen hat (WN berichteten), glaube sie nicht, sagt die Vereinsvorsitzende. Denn zu hoffen sei zwar, dass nach und nach eine Besserung eintrete, doch das grundlegende Problem könne auch mit der Verordnung nicht auf die Schnelle gelöst werden. Also sei die Katzenhilfe weiter gefordert.

Dabei geht es nicht zuletzt um herumstreunende Katzen, die keinen Besitzer haben und sich stark vermehren. Anfang 2019 hat sich die Lokalpolitik bereits mit dem Thema befasst – aufgrund eines entsprechenden Antrags der Katzenhilfe Lengerich. Im Vorfeld der Beratungen im Stadtrat berichtete Claudia Kiese, ihr Verein kümmere sich um mehr als 20 Gruppen mit bis zu 30 herumstreunenden Katzen. Es gebe aber noch weit mehr in der Stadt.

Obwohl man ständig aktiv sei, sagt die Vorsitzende jetzt, habe sich an der Gesamtsituation kaum etwas geändert, denn: „Ständig kommt was nach.“ Dieser permanenten Bestandszunahme könne durch die Katzenschutzverordnung ein Stück weit der Boden entzogen werden, hofft die Vorsitzende.

Katzenbesitzer werden ab dem 1. Juni verpflichtet, sogenannte Freigänger – also Tiere, die unkontrolliert Auslauf haben – kastrieren, kennzeichnen und registrieren zu lassen. Zudem müssen diese Katzen unter Angabe der Mikrochip-Nummer sowie ihres Namens und ihrer Adresse beim bundesweiten Register des TASSO e.V. oder des Deutschen Tierschutzbundes (Findefix) registriert werden. In Ausnahmefällen ist auch eine Registrierung beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Steinfurt möglich. Die Vorgaben gelten sowohl für männliche als auch für weibliche Tiere. So soll laut Kreisveterinäramt eine Rückverfolgbarkeit der Tiere zu den Haltern und eine Kontrolle der Einhaltung der Bedingungen der Verordnung ermöglicht werden.

Für die Aktiven der Katzenhilfe in Lengerich bringe die Verordnung aber auch „endlich den rechtlichen Hintergrund“ für deren Arbeit, ergänzt Sabine Kiese. Denn bislang sei es so etwas wie ein juristischer Graubereich gewesen, wenn streunende Katzen kastriert worden seien – ohne immer definitiv zu wissen, ob es einen Halter gibt oder nicht. „Jetzt ist das abgesegnet“, ist die Vereinsvorsitzende erleichtert.

Bei den in den Gruppen lebenden Tieren handelt es sich nach den Worten von Claudia Kiese überwiegend um weggelaufene oder ausgesetzte Hauskatzen und deren Nachkommen. Sie seien meist sehr scheu und nicht mehr in einen Haushalt zu vermitteln. Also bleibe nur der Verein, der sich um sie kümmere.

Ist ein solcher Bestand ausgemacht, würden die meist kranken Katzen eingefangen, zum Tierarzt gebracht, kastriert und untersucht. Alles auf Kosten des Vereins.

Und weil der Faktor Geld nach der Erfahrung von Claudia Kiese auch bei manchen Katzenhaltern eine Rolle spielt, glaubt sie, dass nicht jeder der bald geltenden Kastrationspflicht nachkommen wird. „Damit sind Ausgaben von 120 bis 180 Euro verbunden, das ist für den ein oder anderen eine Menge.“

2019 scheiterte die Katzenhilfe Lengerich auf lokaler Ebene mit ihrem Kastrations-Vorstoß. Im Rat wurde seinerzeit das Problem mit den Streunern grundsätzlich gesehen, aber mehrheitlich wurde es als nicht sinnvoll erachtet, eine Verordnung zu erlassen, deren Umsetzung nach Aussage der Stadtverwaltung nicht zu kontrollieren gewesen wäre.

Auf Kreisebene ist nun anders entschieden worden. Ob es wirklich gelingt, wie es aus Steinfurt heißt, dass mit der Verordnung die Population der freilebenden Tiere langfristig verkleinert wird, „um deren Leid entgegenzuwirken“, wird sich wohl erst in einigen Jahren zeigen.

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