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Barbara Markaj betreut Migranten aus Afghanistan

Die ständige Angst um die Angehörigen

Lengerich

Von ihren Klienten erfährt Barbara Markaj, wie sehr die unter der Lage in Afghanistan leiden, weil noch Familienangehörige in dem Land leben.

Barbara Markaj kennt viele Menschen aus Afghanistan und ist traurig über die Entwicklung in dem Land. Foto: Privat

Die Entwicklung in den vergangenen zwei Wochen in Afghanistan haben Barbara Markaj traurig gemacht. „Die Taliban übernehmen Afghanistan, und die Welt schaut zu“, kann es die Mitarbeiterin des Vereins Lernen fördern nicht fassen. Durch ihre Arbeit mit Flüchtlingen hat sie seit 2015 Menschen verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Religion kennengelernt.

„Ein wesentliches Aufgabenfeld von mir sind die Beratung und Unterstützung dieser Menschen“, erzählt sie im Gespräch mit den WN. Sie habe sehr viele schlimme Dinge von den Teilnehmenden erfahren – „über ihre Flucht, ihr altes und neues Leben, ihre Ängste und ihre Hoffnungen“.

„Besonders mit den Menschen aus Afghanistan arbeite ich immer gerne. Sie sind in der Regel sehr jung aus ihrem Land geflohen“, beschreibt sie ihre Eindrücke. Im Kontakt habe sie die Teilnehmenden offen, freundlich, neugierig und hilfsbereit erlebt. „Das Essen, die Musik, die Gedichte, die Menschlichkeit, die Mentalität und Kultur haben mich sehr beeindruckt. Ich bin dankbar und freue mich immer wieder sehr über den Kontakt mit ihnen.“

Jenseits ihrer persönlichen Erfahrungen sieht sie die Probleme, mit denen Afghanen in Deutschland konfrontiert werden. „Viele leben hier noch mit einer Duldung, weil das Gesetz eine Rückführung – besonders nach Kabul – in Betracht zieht. Verrückt“, schüttelt sie den Kopf. Vor einem Jahr sei sie bei einer gerichtlichen Anhörung eines Afghanen dabei gewesen, bei der es um eine Abschiebung ging. Der Richter habe gesagt, in Kabul sei doch alles sicher, der Mann könne dort arbeiten und leben.

Dabei gehe es ja nicht nur um Erwachsene. „Mein Mitgefühl gilt den Menschen in Afghanistan, die unter den Taliban leben müssen. Den Mädchen, die auf offener Straße oder Zuhause entführt werden, um Sklavinnen der Taliban zu werden. Den Kindern, die auf offener Straße mit ansehen müssen, wie andere Menschen auf unvorstellbare Weise gequält und getötet werden. Den Bewohnern, die für westliche Organisationen gearbeitet haben und nun um ihr Leben fürchten.“ Barbara Markaj verstummt.

Es gehe aber auch um die afghanischen Menschen in Deutschland und der ganzen Welt. „Sie haben keine Heimat mehr, können nicht zu ihren Wurzeln zurückkehren und leben in ständiger Angst um ihre Angehörigen, die noch in Afghanistan leben“, fasst sie zusammen.

Immer wieder fragt sich die 38-Jährige, was sie tun kann. „Ich bin doch nur ein kleiner Punkt auf dieser Erdkugel.“ Sensibilisiert für ihre Arbeit möchten sie den Betroffenen Aufmerksamkeit und Mitgefühl schenken. Sie habe Ideen, wie das umgesetzt werden könnte. Ein Austausch mit anderen Menschen, die sich einbringen möchten, könnte ein Anfang sein.

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