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„Aktion Würde & Gerechtigkeit“ erhält Papst-Johannes-XXIII.-Preis

„Diese Anerkennung tut gut“

Lengerich/Münster

Der Einsatz für Arbeitsmigranten ist das Arbeitsfeld des Vereins „Aktion Würde & Gerechtigkeit“. Jetzt ist er vom Diözesanverband pax christi mit dem Papst-Johannes-XXIII.-Preis ausgezeichnet worden. „Sie decken auf, versuchen menschenunwürdige Bedingungen zu verändern“, sagte Laudator Klaus Hagedorn.

Von Michael Baar

Maria Buchwitz überreichte den Papst-Johannes-XXIII.-Preis an das Team des Vereins „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ mit Peter Kossen, Hermann Lütkeschümer, Claudia Lütkeschümer, Angelica Suppler, Klaus Körner und Heinrich Ahlers-Kremer (von rechts). Foto: Michael Baar

Der Verein „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ ist am Samstag in Münster mit der Papst-Johannes-XXIII.-Preis ausgezeichnet worden. „Wir würdigen damit die Arbeit von Menschen oder Gruppen, die in besonderer Weise Frieden und Menschenfreundlichkeit des Papstes Johannes XXIII. ein Gesicht geben“,erläutert Maria Buchwitz, Diözesanvorsitzende der Organisation pax christi. Der Diözesanverband der internationalen katholischen Friedensbewegung vergibt seit 2011 diesen Preis.

In seiner Laudatio würdigt Klaus Hagedorn (Oldenburg) das „entschiedene Engagement der Aktion Würde & Gerechtigkeit gegen die organisierte Verantwortungslosigkeit“, insbesondere in der Fleischindustrie. „Sie decken auf, versuchen diese menschenunwürdige Bedingungen zu verändern“, beschreibt der ehemalige Leiter des katholischen Forums St. Peter die Arbeit des Vereins.

Klaus Hagedorn, Laudator

Die Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie hätten viele Menschen sensibilisiert, die Lebensbedingungen der Arbeitsmigranten, die überwiegend aus Osteuropa kommen, wahrzunehmen. Dazu gehören nach seinen Worten unter anderem Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei mit Blick auf Zwölf-Stunden-Schichten, unbezahlte Überstunden, Bezahlung unter dem Mindestlohn, Mietwucher, fristlosen Kündigungen und fehlendem Krankenversicherungsschutz unmöglich.

„Zu Recht spricht die Aktion Würde & Gerechtigkeit von Wegwerf-Menschen-Mentalität.“ Diese Kapitalismus vor der eigenen Haustür werde durch die Gier nach billigen Lebensmitteln, insbesondere Fleisch, von Verbrauchern gefördert. „Diese Seite kommt uns hier unangenehm nahe“, stellt Klaus Hagedorn fest.

Umstände, bei denen Kirche nicht wegschauen dürfe, vielmehr „hat sie Präsenz zu zeigen, Menschen zu unterstützen. Wir alle sind aufgerufen, die Rechte aller Menschen zu verteidigen“, sagt er in der Feierstunde in der Aula der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster.

Gerade Peter Kossen habe schon in seiner Zeit im Bischöflichen Offizialat in Vechta Dinge aus dem Schatten ins Licht geholt. „Sie haben sich nicht beirren lassen, trotz Druck aus der Fleischindustrie und der Politik. Auch in der Kirche haben nicht alle hinter ihnen gestanden“, berichtet Klaus Hagedorn.

Der Verein „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ hat in Lengerich an der Rahestraße eine Beratungsstelle eingerichtet. Zudem wird mit Unterstützung des Landes eine halbe Rechtsanwaltsstelle finanziert, zunächst befristet auf zwei Jahre. Dank der Mitarbeiterinnen Claudia Lütkeschümer und Angelica Suppler sowie Rechtsanwalt Klaus Körner sei die Schlagkraft der Aktivitäten spürbar gestiegen. Das hat Peter Kossen bei der Mitgliederversammlung des Vereins berichtet.

Die Auszeichnung wertet der Leitende Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde Seliger Niels Stensen als Ermutigung, die Arbeit in der bisherigen Weise fortzusetzen. „Diese Anerkennung tut auch gut“, stellt er fest.

Dass es noch viel zu tun gibt, ungeachtet des zum 1. Januar beziehungsweise 1. April in Kraft getretenen Arbeitsschutzkontrollgesetzes Leiharbeitsgesetzes wird in einer Podiumsdiskussion deutlich. Daniela Reim (Beratungsstelle Oldenburg für Mobile Beschäftigte), Ethnologin Regine Kretschmer (Hilfswerk Misereor) und Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Region Oldenburg, zeigen auf, „dass noch vieles im Argen liegt“. Nicht zuletzt, weil beispielsweise das Arbeitsschutzgesetz nur die Mitarbeitenden in Schlachtung und Zerlegung erfasst. „In anderen Bereichen wird die Sklavenstruktur erhalten“, kritisiert der Gewerkschafter. Regine Kretschmer forder „eine andere Wahrnehmung der Menschen, die zu uns kommen“.

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