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Sicherungsverfahren beim Landgericht gegen 39-jährigen Lengericher

Durch Wahnvorstellungen zum Einbrecher geworden?

Lengerich/Münster

Ein Sicherungsverfahren gegen einen 39-jährigen Lengericher beschäftigt seit Mittwoch das Landgericht, nachdem der Sachverhalt zunächst beim Amtsgericht in Tecklenburg bearbeitet worden war.

Von Julia Körtke

Zwei Uhr nachts, der Fernseher läuft. Ein Tennismatch, wegen der Zeitverschiebung so spät. Aus Rücksicht den Nachbarn gegenüber läuft der Ton über Kopfhörer.

Inmitten dieser Szenerie wird ein 50-jähriger Mann aus Lengerich im Juni 2020 von einem ungebetenen Gast überrascht. Sein damals 38-jähriger Nachbar ist durch das Fenster eingestiegen, stürmt auf ihn zu und schlägt ihn zu Boden.

Verängstigt geht der Geschädigte zu einer Ärztin, lässt sich seine Verletzungen attestieren, um später vor Gericht dokumentiert zu haben, was ihm in dieser Nacht widerfahren ist.

Der Sachverhalt wird auch zunächst am zuständigen Amtsgericht in Tecklenburg bearbeitet. Doch ein Brief des Vaters des Beschuldigten sorgt dafür, dass nun vor dem Landgericht in Münster verhandelt wird.

Der Vater beschreibt in diesem Brief einen psychotischen Sohn. Durch jahrelangen Drogenkonsum höre dieser Stimmen, fühle sich bedroht und habe immer wieder das Gefühl, sein gesamter Körper sei von Parasiten zerfressen. Ohne Messer gehe er schon lange nicht mehr aus dem Haus. Neben seinem Bett steht ein Baseballschläger, aus Angst vor möglichen Einbrechern. Und zu einem solchen wurde er mutmaßlich aufgrund dieser Wahnvorstellungen selbst.

Die Staatsanwaltschaft stellte deswegen einen Antrag beim Landgericht in Münster und dort hat nun das Sicherungsverfahren gegen den mittlerweile 39-Jährigen begonnen. Neben dem gewaltsamen Abend geht es auch um zwei weitere Tage, an denen der Beschuldigte bei seinem Nachbarn durch das Dachfenster eingestiegen ist und ihn bedroht hat. Zudem um einen Fall, bei dem er bei einem weiteren Mann aus der Nachbarschaft plötzlich in der Wohnung stand.

Es soll geklärt werden, ob der Beschuldigte zur Zeit dieser Taten schuldunfähig war und ob er untergebracht werden muss.

Der 39-Jährige beschreibt dem Gericht noch mal aus eigener Sicht, was sich in der beschriebenen Nacht zugetragen hat. Er erzählt von seiner Überzeugung, sein Nachbar sei bei ihm eingebrochen, davon dass er es endlich klären wollte. Dem Geschädigten habe er gesagt, dieser hätte ihm nachts heimlich eine Tinktur in den Arm gespritzt.

Er schildert das klar und deutlich, macht dem Gericht immer wieder bewusst, dass er das Opfer ist.

Und als die psychiatrische Gutachterin seinen Werdegang verliest, wird auch immer deutlicher, dass er zumindest eine Odyssee an Krankheitsverläufen hinter sich hat. Diverse Entzugsversuche zeichnen seinen Weg. Aber auch Behandlungen offener Wunden, die er immer wieder selbst aufkratzte, aus Überzeugung er sei von Parasiten befallen.

Ob er aufgrund solcher Wahnvorstellungen auch seine Nachbarn aufsuchte, wird sich im weiteren Prozessverlauf und nach weiterer Verlesung des Gutachtens zeigen.

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