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Schlag gegen die Schwarzarbeit

Durchsuchungen in der Paket- und Kurierdienstbranche

Tecklenburger Lan...

Schlag gegen die Schwarzarbeit: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück und das Hauptzollamt Osnabrück haben in umfangreichen Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche von Firmen aus der Paket- und Kurierdienstbranche 40 Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt.

Frank Klausmeyer

Über 320 Zollbeamte waren im Einsatz gegen die Schwarzarbeit. Sie durchsuchten rund 40 Firmen und Wohnungen, darunter auch Objekte im Tecklenburger Land. Foto: Zoll

Betroffen waren auch Objekte im Tecklenburger Land, wie Christian Heyer, Pressesprecher des Hauptzollamtes auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte.

Mehr als 320 Zollbeamte waren nach seinen Angaben jetzt im Einsatz. Sie durchsuchten Geschäftsräume der Firmen und Wohnungen von Beschuldigten aus dem Altkreis Tecklenburg und anderen Orten im Kreis Steinfurt, in den Landkreisen Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim sowie in den Kreisen Warendorf und Coesfeld. Laut Heyer wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter auch Computer und Mobiltelefone, die durch Spezialkräfte des Zolls für IT-Forensik ausgewertet würden. Genauere Angaben zu den Firmensitzen und Wohnorten der Beschuldigten wollte Heyer aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht machen.

Zerschlagen wurden laut Mitteilung von Zoll und Staatsanwaltschaft ein mutmaßliches Netzwerk von Paket-, Kurier- und Scheinfirmen. Fünf mutmaßliche Haupttäter seien aufgrund bereits erwirkter Haftbefehle des Amtsgerichts Osnabrück festgenommen worden.

Die Ermittlungen richteten sich den Angaben zufolge im Wesentlichen gegen acht Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, sich bandenmäßig zusammengeschlossen zu haben, um Sozialabgaben und Steuern in großem Umfang und auf Dauer vorzuenthalten. „Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen schätzen wir den entstandenen Gesamtschaden auf insgesamt mehr als zwei Millionen Euro“, erklärte Christian Heyer.

Die Unternehmer sollen über Jahre hinweg die von ihnen eingesetzten Arbeitskräfte mit mehr Stunden beschäftigt haben als in der Buchhaltung festgehalten wurde. Der Differenzbetrag sei ohne Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ausbezahlt worden, ohne das die tatsächlich gezahlten Löhne den zuständigen Stellen mitgeteilt wurden. Mit Scheinrechnungen für nie erbrachte Leistungen, erstellt von sogenannten Servicefirmen, hätten die Täter und ihre mitbeschuldigten Helfer versucht, dies zu verschleiern. Die Ermittlungen richteten sich laut Heyer zudem gegen die Betreiber des genutzten Servicefirmengeflechts, welche dem Bereich der Organisierten Kriminalität zuzuordnen seien. Diesen Beschuldigten werde zur Last gelegt, Unternehmen gegründet zu haben, um mit diesen sogenannten Abdeckrechnungen zu schreiben und überwiesenes Geld in bar an die Einzahler zurückzuleiten.

Gegen 14 weitere Personen wurden laut Mitteilung zwischenzeitlich strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet. Diese Beschuldigten hätten in unterschiedlicher Art und Weise Tatbeiträge, geleistet, die es den Haupttätern ermöglicht habe, deren vorsätzlich begangenen Taten zu verwirklichen. Infolge der Maßnahmen seien darüber hinaus erhebliche Vermögenswerte gesichert worden, so Heyer. Speziell geschulte Vermögensabschöpfer des Zolls hätten zur Schadenswiedergutmachung umfangreiche Vermögenswerte gesichert und Konten sowie offene Forderungen für erbrachte Leistungen gepfändet.

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