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Praxischeck

Echte Alternative zum Auto? Lastenrad im Familien-Test

Lengerich

Seit einigen Monaten kann man in Lengerich und Tecklenburg kostenlos Lastenräder ausleihen. Doch wie schneiden sie eigentlich im Familientest ab? Was sagen die Kinder? Und kann das Rad tatsächlich ein zweites Auto ersetzen? Wir haben den Praxistest gemacht.

Von Mareike Stratmann

Wenn‘s auch nur bedingt so aussieht: Alle drei Testerinnen hatten großen Spaß an den Fahrten mit dem Lastenrad – und es hat innerorts manch eine Autofahrt ersetzt. Foto: Tobias Stratmann

Der Kollege hat es unlängst vorgemacht. Über den kostenlosen E-Lastenradverleih TeckELa der Städte Tecklenburg und Lengerich hat er sich ein entsprechendes Rad ausgeliehen, um zu testen, ob es im Alltag eine Alternative zum Auto sein kann. Sein Fazit: Strecken in der Stadt und auch nach Tecklenburg sind dank der elektrischen Unterstützung mühelos machbar. Getränkekisten und sperrige Einkäufe wie Wassermelonen oder Kartoffelsäcke lassen sich problemlos in der hölzernen Box vorne unterbringen. Für den Wochenendeinkauf ist das Lastenrad von Babboe also schon mal zu empfehlen. Aber wie sieht‘s aus, wenn Kinder mit an Bord sind? Diese Frage beantwortet Test Nummer zwei.

Zweieinhalb und sechs Jahre – wenn das keine kritische Jury ist: Die beiden Töchter können es jedenfalls kaum erwarten, im Lastenrad endlich vorne Platz zu nehmen. Klar, die Jüngere freut sich, endlich mal nicht nur Mamas Rücken, sondern die Umgebung zu bewundern, die Größere genießt den Luxus, chauffiert zu werden anstatt selbst in die Pedale treten zu müssen.

Das Platzangebot: Beide Mädels können ganz bequem in der 59 x 87 Zentimeter großen Holzkiste Platz nehmen. Über die beiden Anschnallgurte sind sie gut gesichert. Und die harte Holzbank als Holzbank ist kein Thema.

Der erste Härtetest: der Weg zu Schule und Kindergarten. Dank des großzügigen Platzangebots passen Kindergartentasche und Tornister bequem mit in die Box, ohne dass es eng wird. Mama tritt in die Pedale und kommt – dank elektrischer Unterstützung – überraschend zügig vom Fleck. Die gut und gerne 40 Kilogramm Beladung spürt man jedenfalls nicht. Bis es zur steilen Brücke über den Südring geht. Da muss auf den letzten Metern dann doch geschoben werden. Nicht wirklich schlimm. Und der Rückweg vom Poolweg an der Schlittschuhwiese entlang fährt sich fast wie von selbst. Und da Mama das Tempo bestimmen kann, werden locker zwei, drei Minuten Fahrtzeit eingespart.

Unsicher fühlt man sich keineswegs

Das Fahrgefühl: Angesichts der Gewichtsunterschiede der beiden Mädels überwog am Anfang eine gewisse Skepsis, wie es um die Stabilität bestellt ist. Natürlich ist das Fahrgefühl anders als bei einem normalen Fahrrad. Und zugegeben: Das Anfahren mit zwei Kindern an Bord ist und bleibt auch etwas wackelig. Aber unsicher fühlt man sich keineswegs. Und sobald das Lastenrad Fahrt aufnimmt – und das tut es außerordentlich schnell –, fährt man sehr ruhig und sicher.

Handling: Was man dank des Elektromotors beim Fahren an Kraft einspart, wird (zumindest in Teilen) beim Manövrieren gebraucht. Zunächst einmal muss das Lastenrad aus dem aufgebockten Zustand herausgeholt werden – dazu bedarf es viel Kraft und Schwung. Kein Wunder, das Rad ist verdammt schwer und mit über zweieinhalb Metern auch echt lang. Gleiches gilt fürs Abstellen. Aber wenn es steht, dann sehr sicher, sodass auch die Kinder entspannt aussteigen können.

Die Bilanz fällt äußerst positiv aus

Das Fazit der Fahrerin: Zugegeben, das Wetter hätte nicht besser sein können. Vier Tage Sonnenschein. Da macht Radfahren umso mehr Spaß. Das Auto ist in dieser Zeit komplett stehen geblieben. Über 50 Kilometer haben wir mit dem Rad abgespult – innerhalb der Stadtgrenzen. Für Wege zu Schule und Kindergarten, zum Sport, zum Einkaufen und einiges mehr. Ohne Lastenrad wären wir das ein oder andere Mal ins Auto gestiegen. Von daher fällt die Bilanz äußerst positiv aus. Für Fahrten innerhalb des Ortes – ob zum Einkaufen, zum Transport von Kindern oder einfach so – ist das Lastenrad eine absolute Alternative zum Auto, zumal man mit über 20 Stundenkilometern, die man mühelos erreicht, zügig von A nach B kommt und keinen Parkplatz suchen muss. Ganz günstig ist sie allerdings nicht: Man legt für ein solches Gefährt schnell mehr als 4000 Euro auf den Tisch.

Und das Fazit der Mitfahrerinnen: Die fanden‘s richtig klasse. Sich gemeinsam den Fahrtwind durch die Haare wehen zu lassen, Lieder singen und Mama in die Pedale treten zu lassen, hat ihnen gefallen. Oder wie sonst ist ein „Mama, wann leihen wir das Rad wieder aus?“ anders zu deuten?

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