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Bargeld contra kontaktloses Zahlen

Eine Karte auf der Überholspur

Lengerich

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die bargeldlosen Transaktionen deutlich zugenommen. Das bestätigt Thorsten Laumann, Pressesprecher der Kreissparkasse Steinfurt. Laut Statistik wurden 2020 mehr als 50 Prozent des stationären Handelsumsatzes mit Karte bezahlt.

Von Martin Weßeling

Bargeld wird bei Bezahlungen immer weniger verwendet. Selbst Kleinbeträge werden inzwischen mit Plastikgeld bezahlt.Jarno Brockmann kümmert sich bei der Sparkasse Lengerich um die sogenannte Payment-Beratung und damit um den digitalen Wandel im Zahlungsverkehr. Foto: ImagoMartin Weßeling

Diese Szene kennen die meisten Lengericher aus ihrem Alltag: Während der eine an der Ladentheke sein unförmiges, sperriges Portemonnaie aus der Jeanshose nestelt, umständlich Münzen und Scheine abzählt, hält der andere lässig wedelnd und mit weniger Schweißperlen auf der Stirn seine rot-weiße, blau-orange oder sonst wie farbene Plastikkarte an das Lesegerät – und geht seiner Wege. Bargeld contra Kartenzahlung, dieser Wettlauf, dieser Glaubenskampf zwischen analog und digital ist entschieden – auch in Lengerich.

„Die Vorteile der bargeldlosen Zahlung liegen ja auch ganz klar auf der Hand. Zunächst geht es um die Hygiene. Wie selbstverständlich setzen wir uns mittlerweile eine Maske auf, aber Scheine und Münzen fassen wir an mit all ihren Keimen. Das hat wenig mit Corona zu tun, ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Jarno Brockmann von der Stadtsparkasse Lengerich.

Der 22-Jährige ist am Rathausplatz eigens zuständig für den Bereich Payment-Beratung, kümmert sich aktiv um alle Fragen und Fakten rund um das digitale Bezahlen und besetzt damit ein berufliches Feld, das vor ein paar Jahren noch gar nicht existierte. Jedoch haben sich die Erwartungen, Wünsche und Ansprüche der Bankkunden offenbar deutlich verschoben – und so ein neues Berufsfeld ermöglicht.

Zwar ist es (noch) nicht so, dass die heimischen Bank-Institute auf ihrem Bargeld sitzen bleiben, aber der Wandel vom analogen hin zum digitalen Zahlungsverkehr findet längst statt. „Allein die Umsätze, die mit der Girokarte getätigt wurden, sind im Jahr 2020 um gut 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 gestiegen. Die Umsätze, die mit der Kreditkarte getätigt wurden, haben wir dabei noch gar nicht betrachtet. Und auch beim kontaktlosen Bezahlen, also der Einkauf bis 50 Euro, bei dem keine Pin-Nummer nötig ist, hat sich einiges getan. Da kann man durchaus von einer Verdopplung der Umsätze sprechen“, rechnet Brockmann vor. Die Kartenzahlung nehme im Handel aktuell einen Anteil von 55 Prozent ein – Tendenz steigend. Brockmann: „Das alles hat im Prinzip nicht unmittelbar etwas mit Corona zu tun, aber die Pandemie hat das Thema angeschoben.“

Die Lengericher Kaufleute hätten sich mittlerweile auf den Wandel eingestellt, selbst Artikel für kleinste Beträge würden mittlerweile per Karte den Besitzer wechseln. Auch beim täglichen Brötchenkauf klimpert Münzgeld offenbar immer seltener in der Geldbörse.

Schlechte Zeiten also für die Kundschaft, die oldschool noch gerne mit der Hand nach dem greift, was in anderer Form dann in der Einkaufstüte landet? „Nein“, meint Brockmann. „An unserem Service wird sich in der nächsten Zeit nichts ändern. Natürlich werden unsere Kunden auch nach wie vor die Möglichkeit haben, ganz normal ihr Bargeld abzuheben. Aber selbstverständlich wird die Sparkasse die Entwicklung im Zahlungsverkehr genau beobachten, um entsprechend auf die Anforderungen unserer Kunden zu reagieren“, so der Finanzexperte.

Die Münze, eines der ältesten Zahlungsmittel überhaupt, hat also noch nicht ausgedient, aber Konkurrenz bekommen. Wobei die Entwicklung immer weiter voranschreitet. Bezahlen mit dem Smartphone per App – längst genau so Alltag wie eine Transaktion mit der modernen internetfähigen Armbanduhr.

Fehlt eigentlich nur noch die Bezahlung einer leckeren Hühnersuppe wahlweise per Fingerschnippen oder einem Impuls, der per Augenzwinkern übertragen wird – ausschließen kann man es nicht. . .

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