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Interview mit WTL-Chef Thomas Meyer

„Es kann bis Ostern weiterregnen“

Lengerich

Beim Job von Thomas Meyer geht es um eine Menge Geld und um eine Menge Flüssiges. Seit Kurzem leitet der 55-Jährige den Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land. Im Interview erzählt er von dessen Aufgaben.

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„Wir sorgen für gutes Wasser. . . .“ lautet die Devise des Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land (WTL) und dessen neuem Geschäftsführer Thomas Meyer. Foto: Sabine Plake

Seit rund 40 Tagen ist er der Chef des Wasserversorgungsverbandes Tecklenburger Land (WTL) und damit Nachfolger von Johannes Knipper. Thomas Meyer selbst ist schon 25 Jahre beim WTL, zuletzt zuständig für die Finanzen. Der 55-jährige Diplom-Betriebswirt wurde in Melle geboren, ist verheiratet in einer Patchworkfamilie, ist glühender VfL Osnabrück-Fan und reist gern. Im Interview mit Redakteurin Sabine Plake schildert er die nicht kleinen Herausforderungen für den WTL in den kommenden Jahren.

Der WTL macht sich zukunftsfähig. Nie zuvor hat er so viel investiert. Was stehen für Aufgaben in den nächsten Jahren an?

Thomas Meyer: Die Baumaßnahmen sind momentan unsere Hauptaufgabe und diese sind gewaltig. Für diese Monsteraufgabe werden momentan alle 83 Mitarbeiter benötigt, und sie sind stark belastet. Es ist in der Geschichte die größte Einzelinvestition. Die Aufgabe macht Spaß, sie ist Daseinsvorsorge. Wir sind dafür da, diese Infrastruktur vorzuhalten, damit wir jeden Tag den Wasserhahn aufdrehen können und das Wasser frisch und zuverlässig herauskommt.

Wie sind Sie im Zeitplan?

Meyer: Gut. Ich will nicht sagen, dass alles problemlos ist. Aber wir sind guter Hoffnung, dass wir das Wasserwerk in Dörenthe Mitte 2023 in Betrieb nehmen können.

Gibt es Kostensteigerungen?

Meyer: Die Auftragssummen für die einzelnen Gewerke liegen aktuell im Rahmen der Planungen.

Was hat die Corona-Pandemie für Auswirkungen?

Meyer: Dank dem großen Engagement des gesamten Teams hat sich das bisher nicht erheblich ausgewirkt. Klar, es ist tägliches Thema. Wir gehören zu den systemrelevanten Unternehmen. Daher sind wir sehr penibel, haben stringente Hygienemaßnahmen. Die Mitarbeiter sind nur noch einzeln im Büro, wir arbeiten in Schichten, es gibt mehr mobiles Arbeiten. Das alles hat sehr schnell sehr gut geklappt. Wir sind teilweise viel flexibler und in Teilen schneller zum Beispiel im Hinblick auf Zoom-Konferenzen. Es läuft gut (klopft auf Holz).

Zuletzt meldete der WTL in der Schönwetterperiode im Sommer 2020 einen 40 Prozent höheren Verbrauch als im Jahresmittel. Kann der WTL künftig noch mehr Trinkwasser produzieren, wenn die Nachfrage steigt (Stichwort mehr Pools)?

Meyer: Das muss man differenziert betrachten. Wir haben in den vergangenen Jahren zwei Großkunden verloren, die nicht mehr so viel Wasser abnehmen. Das gleicht den Anstieg aus. Somit ist die geförderte Wassermenge seit 2015 nicht signifikant gestiegen. Allerdings gibt es Verbrauchsspitzen – tageweise in heißen Zeiten. Dann ist sozusagen nicht mehr genügend Druck auf der Leitung, wenn alle zeitgleich sehr viel Wasser verbrauchen. Und die privaten Zisternen sind leer und die privaten Brunnen vielleicht auch. Deswegen appellieren wir, dass nicht alle zugleich ihren Pool füllen, Blumen gießen, duschen. Alle sollten sorgsam und achtsam mit der Ressource Wasser umgehen. Bisher konnten wir vermeiden, Einschränkungen anzuordnen. Wir tun dafür auch im Vorfeld viel: Wir sehen zu, dass die Hochbehälter gefüllt sind, die größeren Verbraucher zu anderen Zeiten Wasser abnehmen und die Sportvereine verzichten aufs Sprengen. Auch bei Pools sollte man deshalb den Verbrauch lenken, also das Wasser zum Beispiel vor Verdunstung schützen und auch nur bei Bedarf austauschen.

Wird das Wasser in den nächsten Jahren teurer werden?

Meyer: Ja, vermutlich in Etappen ab 2022 bis 2025 durchschnittlich insgesamt um die 15 Cent pro Kubikmeter. Das hat mit den Kosten für die Baumaßnahmen zu tun, die wir umlegen müssen. Wir haben einen hohen Anteil an Fixkosten.

Die Grundwasserstände waren und sind niedrig – aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit der vergangenen Jahre. Hat der viele Schnee etwas gebracht?

Meyer: Die Grundwasserstände sind über die Jahre leicht rückläufig. Wir haben noch nicht alles aufgeholt, aber die Pegel steigen. Von mir aus kann es bis Ostern weiterregnen. Unser neues Konzept – die Grundwasseranreicherung in Dörenthe wird demnächst nicht mehr mit Wasser aus der Glane, sondern aus dem Dortmund-Ems-Kanal gespeist – macht uns unabhängiger von Pegelständen. Und wir können die Förderung in Brochterbeck entlasten.

Das Grundwasser versauert, war jetzt auch zu lesen. Spitzenwerte hat der Verein VSR-Gewässerschutz nach eigenen Angaben in Mettingen und Recke festgestellt. Ist das für Sie ein Problem?

Meyer: Für die öffentliche Trinkwasserversorgung mit unseren kontinuierlich überwachten Brunnenanlagen kann ich Entwarnung geben. Wir sind – da bitte ich um Verständnis – nicht für die Hausbrunnen zuständig. Und wir beziehen aus diesen Gebieten auch kein Grundwasser. Wir versorgen die Menschen dort mit Wasser aus dem öffentlichen Netz. Wenn es Probleme mit den Hausbrunnen gibt, ist das Gesundheitsamt zuständig. Wir helfen aber gerne bei Fragen oder wir vermitteln Kontakte.

Stichwort Landwirtschaft und Nitrat – gerade in unserer Region ist das Wasser damit belastet. Wie sehen da die Forderungen/Konzepte des WTL aus?

Meyer: Da muss man unterscheiden. Einmal die Nitrat-Problematik in den Wasserschutzgebieten und außerhalb. In den Wasserschutzgebieten haben wir seit vielen Jahren eine sehr gute Kooperation mit den Landwirten, um eine fachgerechte Bewirtschaftung mit dem Grundwasserschutz in Einklang zu bringen. Dort gibt es seit Jahren keine signifikanten Steigerungen. Zudem gibt es einen Wasserschutzberater der Landwirtschaftskammer. Wir bezuschussen verschiedene Maßnahmen, unter anderem extensivieren wir Flächen, das heißt, sie werden nicht bewirtschaftet. Außerhalb der Wassergewinnungsgebiete haben wir keine Kooperationen, appellieren aber, auch aus wassertechnischer Sicht natürlich so wenig wie möglich zu düngen. Aber diese Fragestellungen sind ja Fragen der großen Politik, Stichwort Düngeverordnung, bis auf die europäische Ebene. Es ist ein komplexes Thema.

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