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Integriertes Stadtentwicklungskonzept für Lengerich

Es soll sich was tun

Lengerich

Der Rat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, für Lengerich ein integriertes Stadtentwicklungskonzept zu erstellen.

Paul Meyer zu Brickwedde

Die Innenstadt ist für die Identität und das Image einer Kommune von elementarer Bedeutung, sagt Jens Imorde vom Netzwerk Innenstadt NRW. Foto: Stadt Lengerich

Die Dimensionen sind vielsagend und aus Lengericher Sicht können sie sicher auch als besorgniserregend bezeichnet werden: Wenn in Osnabrück am Neumarkt das viel diskutierte Shoppingcenter gebaut wird, dann gewinnt die Hasestadt auf einen Schlag rund 16 500 Quadratmeter Verkaufsfläche hinzu. Das entspreche in etwa dem, sagte Wirtschaftsförderer Jürgen Kohne jetzt im Rat, was in der gesamten Lengericher City zur Verfügung stehe. Das sagt einiges über die Konkurrenz-Situation in Sachen Einzelhandel.

Anlass für die Analyse war die Abstimmung über die Frage, ob ein sogenanntes Integriertes Stadtentwicklungskonzept erstellt werden soll (WN, 2. Februar). Ja, meinten die Ratsmitglieder einstimmig. Zuvor hatten neben Kohne Bürgermeister Wilhelm Möhrke und Jens Imorde, Geschäftsführer des Netzwerkes Innenstadt NRW, erläutert, warum ein solches Konzept aus ihrer Sicht Sinn macht.

Der Bürgermeister betonte, dass ihm das Thema bereits seit Langem „sehr am Herzen liegt“ und es bei der Kundenfrequenz in der Innenstadt „erhebliche Defizite“ gebe. Imorde kam zu Wort, weil das Netzwerk Innenstadt, in dem bislang über 80 Kommunen Mitglied sind, bei dem Vorhaben in Lengerich beratend tätig werden soll.

Jürgen Kohne erläuterte, dass es bei dem Konzept um vier Schritte gehe: die Bestandsaufnahme, die Formulierung der Ziele, die Handlungsfelder und die Maßnahmen, die realisiert werden sollen. Wichtig sei bei der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes nicht zuletzt auch die Beteiligung der Bevölkerung, denn die Arbeit daran solle auch identitätsstiftend wirken.

Der Wirtschaftsförderer erinnerte zudem daran, wie stark sich die Gesellschaft auch in Lengerich ändert. „Wir werden weniger und bunter“, resümierte er mit Blick auf den demografischen Wandel und die Migration. Das und viele andere Faktoren würden eine Rolle spielen, wenn es darum gehe, die Situation in der Stadt zu beschreiben und Schlussfolgerungen zu ziehen.

Speziell die Lage in den Innenstädten nahm Jens Imorde in den Fokus, sie „stehen unter Druck“, lautete eine seiner zentralen Aussagen. Wo früher zunächst ein inhabergeführtes Geschäft bestanden habe, sei später ein Filialist gekommen, dann ein Handy-Geschäft und schließlich die Spielhalle, beschrieb der Fachmann die seinen Worten zufolge vielerorts zu beobachtende Abwärtsspirale. Und gebe es am Ende erst einmal einen Leerstand, sei ein Dominoeffekt auch nicht mehr weit.

Hoffnung machte Imorde den Lokalpolitikern aber auch. Eine Umkehr des Negativtrends sei möglich, wenn alle Beteiligten bereit seien, mitzuziehen. Und er warb für den Wert der Citys, diese seien für die Identität und das Image einer Stadt von elementarer Bedeutung. Grundsätzlich positiv vermerkte der Netzwerk-Geschäftsführer, dass es seit einigen Jahren eine „Renaissance“ der Innenstädte gebe. Mehr Menschen wollten dort wohnen, mehr Dienstleister sich ansiedeln.

Imorde erklärte weiter, dass ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept auch deshalb von Wert sei, weil Einzelprojekte vom Land inzwischen nicht mehr gefördert würden, aber eben solche übergreifenden Planungen. Bei der Umsetzung eines Konzeptes gehe es nicht allein „um Beton“, also Baumaßnahmen, sondern beispielsweise auch um das richtige Management. Und der Referent warnte ausdrücklich vor zwei Dingen: Zum einen waren das die sogenannten Outlet-Centern, die immense Flächen bräuchten, um zu funktionieren, aber keine Strategie seien für vitale Innenstädte. Zum anderen übte Imorde Kritik an großen Nahversorgungszentren außerhalb der Citys.

Zwar votierten am Ende alle Ratsmitglieder dafür. dass das Vorhaben Integriertes Stadtentwicklungskonzept in Angriff genommen wird. Doch frei von kritischen Tönen blieb die Diskussion dennoch nicht. Andreas Kuhn kam auf die Kosten zu sprechen. 100 000 Euro, verteilt auf mehrere Jahre, diese aus seiner Sicht beachtliche Summe hinterließ beim SPD-Fraktionsvorsitzenden Fragen (WN, 11. Februar).

Und Hans-Jürgen Busch bemängelte mit deutlichen Worten die Ausführungen zum Thema. Der CDU-Mann sprach von einer Aneinanderreihung von Schlagworten. Seiner Ansicht fehle es Lengerich schlicht und einfach an Investoren. Wenn die Interesse an einer Ansiedlung hätten, dann würden sie auch die Spielregeln bestimmen.

Eine Einschätzung, die Widerspruch hervorrief: Bürgermeister Möhrke sagte, dass im Zweifel Investoren auch abgelehnt werden sollten, wenn deren Vorstellungen mit einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept nicht in Einklang zu bringen seien. Und FDP-Fraktionschef Jens Kröger meinte lapidar: „Wenn wir gar nichts machen, können wir die Türen gleich abschließen.“

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