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Medienprojekt beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit

Extra.Klasse erzählt Hofgeschichten

Lengerich

Einblicke in das Leben und Arbeiten in landwirtschaftlichen Betrieben bekamen in den vergangenen Wochen Jugendliche von „Extra.Klasse“. Der außerschulische Lernstandtort realisierte das Projekt „Hofgeschichten“.

Von Joke Brocker

Stellten das Medienprojekt vor (v. l.): Ruslan, Projektleiter Axel Weghorst, Alex, Valentin, Yvonne Legner, Meriam Ben Fradj und Jannis.Am PC wurden alle Beiträge geschnitten. Das Foto zeigt Elias Waßenberg bei der Arbeit in der Evangelischen Jugendbildungsstätte in Tecklenburg.Die Schülerinnen und Schüler, hier Leonie Drees beim Füttern der Kühe auf dem Hof Kätker, bekamen im Zuge des Medienprojektes auch Einblick in die Ställe. Foto: Joke Brocker (1), Extra.Klasse (2)

„Lebenswelten treffen sich – Ich erzähle dir meine Geschichte“ nennt sich ein Projekt des Vereins Lokale Medienarbeit NRW, auf das Leo Cresnar, Medienpädagoge der Evangelischen Jugendbildungsstätte in Tecklenburg, das Pädagogen-Team der Extra.Klasse vor einigen Monaten aufmerksam gemacht hatte. Jugendliche treffen in diesem Projekt auf Lebenswelten anderer Menschen, mit denen sie bislang keine Berührungspunkte hatten. Eine Person oder eine Gruppe von Menschen erzählt den jungen Leuten ihre Geschichte, die anschließend illustriert, in eine Bild-, Video- oder Audiostory umgesetzt wird.

Ganz konkret hieß das für die Lengericher Jugendlichen, die die Lerngruppen 7 und 8 sowie 9 und 10 der Extra.Klasse, ein außerschulischer Lernort in Lengerich, besuchen, in die Welt der Landwirtschaft abzutauchen, um anschließend, unter Verwendung von Mapstories, „Hofgeschichten“ zu erzählen. Wie man mit dem digitalen Tool für interaktive Kartengestaltung, entwickelt vom Verein Vamos aus Münster, arbeitet, erläuterte dem Team der Berliner Medienpädagoge Nick-Julian Lehmann.

„Wir sind mit offenen Armen auf den Höfen empfangen worden“, blickt Yvonne Legner zurück. Die Gesprächspartner auf den Höfen Lensing-Bäumer (Ibbenbüren), Kätker (Lienen), Leyschulte-Steer (Westerkappeln-Lotte), auf dem Frecklinghof (Tecklenburg), dem Weidenhof (Lengerich), in der Imkerei Langelage und Sohn in Recke, auf der Aabach-Farm in Ladbergen sowie bei Blumen Liede in Brochterbeck hätten sich viel Zeit für die jungen Besucher genommen. Legner begleitete das Projekt ebenso wie Projektleiter Axel Weghorst und Meriam Ben Fradj, die künftig als Vertretungskraft in der Extra.Klasse tätig ist und die Jugendlichen, gemeinsam mit Leo Cresnar, in Sachen Schnitttechnik und im Umgang mit dem Mikrofon briefte.

Dass in den Hofgeschichten das Thema Nachhaltigkeit besonderes Gewicht erhält, ist wohl auch dem Einfluss der jungen Lehrerin zu verdanken. Während eines Praktikums in der Extra.Klasse hatte sie mit den Schülerinnen und Schülern über „Fast Fashion“, billig produzierte und verkaufte Mode, gesprochen und sie für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert, das bisher nicht in allen Familien eine so große Rolle spielt wie in der von Jannis (15), dessen Vater eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses installiert hat.

Auch mit Landwirtschaft erzählen Jannis, Ruslan (15), Alex (14) und Valentin (15) hätten sie, obwohl alle auf dem Lande zu Hause, vor dem Medienprojekt nicht viel zu tun gehabt. Das ist nun anders. In Interviews, die Schülerinnen und Schüler unter anderem im Deutschunterricht vorbereitet hatten, befragten sie Landwirte und Landfrauen über das Leben auf den Höfen, bekamen Einblick in Ställe, Lebensmittelproduktion und erfuhren, wie wichtig ihren Gesprächspartnern das Thema Nachhaltigkeit ist.

Nach einem kurzen Intro, in dem die Reporterin Ari, eine in Zusammenarbeit mit dem Designstudenten Leander Ihme geschaffene Kunstfigur, und O-Tönen zum Thema Nachhaltigkeit, lassen die Schülerinnen und Schüler die Hofbesitzer zu Wort kommen, darunter Carina Kätker aus Lienen, die mit ihrem Mann Heiner eine Straußenzucht plant, auf regionale Vermarktung setzt und erläutert, wie die hofeigene Fotovoltaikanlage dabei helfen soll, energieautark zu werden, oder Angelika und Elisabeth Freitag, die in Ladbergen eine Alpaka-Farm betreiben.

Infotexte und Fotostrecken ergänzen die Audiobeiträge. Das i-Tüpfelchen ist die interaktive Karte, auf der Kunstfigur Ari – sozusagen als rasende Reporterin – an acht verschiedenen Standorten zu sehen ist. Wird Ari beispielsweise am Standort Ibbenbüren angeklickt, ploppt sofort die Hofgeschichte zum Eier- und Hühnerhof Lensing-Bäumer auf dem Dickenberg auf. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur die Höfe besucht, die Interviews geführt, fotografiert und die Infotexte geschrieben, sondern die Audiobeiträge auch selbst geschnitten.

Das absolut professionell und schlüssig wirkende Ergebnis stellten sie am 17. Dezember in Dortmund bei einer Abschlussveranstaltung vor, zu der der Verein Lokale Medienarbeit NRW auch drei weitere Jugendgruppen, unter anderem aus Köln und Dortmund, eingeladen hatte, die ebenfalls Projekte präsentierten.

Damit sich die Gesprächspartner der Jugendlichen, die Landfrauen und Landwirte aus dem Tecklenburger Land, einen Eindruck von dem Gesamtprojekt verschaffen können, hat Lehrerin Heike Schmidtmeier ihnen, zusammen mit kleinen Dankeschön-Präsenten, kurz vor Weihnachten einen QR-Code überbracht, der es ihnen ermöglicht, die Hofgeschichten anzuschauen und anzuhören. Bei Bedarf, so Yvonne Legner, könnten auch Schulen, die Unterrichtseinheiten zum Thema Nachhaltigkeit planen, auf das in der Extra.Klasse erarbeitete Material zurückgreifen.

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