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Windmöller & Hölscher: Umsatz in der Gruppe auf Vorjahresniveau

Flexible Verpackungen sind gefragt

Lengerich

Das Familienunternehmen Windmöller & Hölscher ist bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. Dr. Jürgen Vutz führt das auf ein „früh und rigoros umgesetztes Hygiene-Konzept“ zurück. Das habe zu wenigen Infizierten geführt, die früh identifiziert und in häusliche Quarantäne geschickt worden sind. Unabhängig davon hätten zeitweise bis zu 1100 Mitarbeiter im Homeoffice gearbeitet, so der geschäftsführende Gesellschafter im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Aktuell liege diese Zahl bei rund 500 Beschäftigten.

Michael Baar

Bedingt durch die Corona-Pandemie haben digitale Maschinenvorführungen beim Lengericher Maschinenbauer stark an Bedeutung gewonnen. Foto:

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fanden das anfangs super. Inzwischen ist die Erkenntnis gewachsen, dass sich manche Dinge einfacher im Büro erledigen lassen“, gibt er das Stimmungsbild im Unternehmen wieder. Was Jürgen Vutz sichtlich freut ist die Tatsache, „dass wir nichts schließen mussten“. Kurzarbeit ist, für ausgewählte Bereich, gleichwohl bis zum Jahresende angemeldet worden. „Das wird wie eine Woge durch das Unternehmen laufen“, verweist er darauf, dass zunächst Vertrieb, Service und Kundenbetreuung wegen der Reiseeinschränkungen davon betroffen gewesen seien, „irgendwann kommen Technik und Montage dran“. Aus dem einfachen Grund, dass derzeit noch Aufträge, teils aus dem vergangenen Jahr, abgearbeitet würden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sei das Auftragsvolumen kleiner geworden.

Betriebsbedingte Kündigungen sind für den Vorstandsvorsitzenden „aktuell kein Thema“. Dass im Bereich der Zeitarbeitskräfte reagiert werde, sei normal, Er lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass W & H auf diese Kräfte angewiesen sei, „unter anderem um Belastungsspitzen aufzufangen“.

Ende vergangenen Jahres waren in der W & H-Gruppe rund 3450 Menschen beschäftigt, einschließlich Leiharbeitern. Derzeit stehen rund 3400 Frauen und Männer beim Maschinenbauer in Lohn und Brot. Auf deren Fachwissen setzt der Vorstand. „Wir denken auch schon darüber nach, wie es nach Corona weitergeht“, sagt Dr. Falco Paepenmüller. Auch wenn in der aktuellen Phase noch von Monat zu Monat geschaut werde, so der Technik-Vorstand. Was auch für Investitionen gelte, „wo wir vor einer Entscheidung alles zwei Mal prüfen“. Laufende Projekte würden aber nicht auf Eis gelegt.

Auf das Geschäftsjahr 2019 hat Covid-19 noch keinen Einfluss gehabt. In der Gruppe hat der Maschinenbauer beim Umsatz die 900 Millionen-Euro-Marke knapp überschritten. Für den Stammsitz in Lengerich sei mit einem Rückgang gerechnet worden, der aber nicht so hoch wie befürchtet ausgefallen sei.

Für das laufende Geschäftsjahr geht Jürgen Vutz, ebenso wie seine Vorstandskollegen Peter Steinbeck und Falco Paepenmüller, in der Gruppe von einem Umsatz in etwa gleicher Höhe wie im Vorjahr aus. Wobei die Märkte genau beobachtet werden. „Da kann man erkennen, wie das Virus um die Welt gezogen ist“, stellt Peter Steinbeck fest. Als „schwierig“ bezeichnet der Vertriebs-Vorstand derzeit die Märkte in Südamerika, Afrika und Russland. Die USA, für Windmöller & Hölscher der größte Einzelmarkt, seien „die große Unbekannte“.

Dass die Geschäfte normal weiterlaufen, führt Peter Steinbeck insbesondere darauf zurück, dass viele Kunden von W & H im Lebensmittel- und Hygienebereich tätig sind. Vor diesem Hintergrund spricht Jürgen Vutz von „einer Renaissance des Marktes für flexible Verpackungen“. Und das Thema Nachhaltigkeit gewinne in diesem Wachstumsmarkt weiter an Bedeutung.

Corona geschuldet ist ebenfalls die gewachsene Bedeutung digitaler Kommunikation. „Wir waren da schon gut unterwegs, aber das hat auch uns noch einmal einen Schub gegeben“, beschreibt der Vorstandsvorsitzende den Effekt. Videokonferenzen seien von heute auf morgen Standard geworden. Mit dem Nebeneffekt, dass die Reisekosten in den Monaten März bis Mai dieses Jahres um rund 95 Prozent gegenüber den Vergleichsmonaten des Vorjahres zurückgegangen sind.

Was nicht heißt, dass das Familienunternehmen seine über 5000 Kunden in mehr als 130 Ländern nur noch digital betreut. „Wir haben in vielen Ländern eigene Teams, beispielsweise China, Indien und USA, die vor Ort helfen können“, erläutert Peter Steinbeck. Was Improvisieren nicht ausschließt, wie er an einem Beispiel verdeutlicht. In China sei eine neue Papiersack-Fabrik aufgebaut und in Betrieb genommen worden. „Da mussten wir auf junge Kräfte aus China setzen, die wir digital begleitet haben“, berichtet er. Dass das Werk problemlos angelaufen ist, freut ihn sichtlich.

Dass die drei Vorstandsmitglieder keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgeben wollen, ist mit Blick auf die Corona-Pandemie nachvollziehbar. „Eine Seitwärtsbewegung in der Gruppe wäre gut“, lässt sich Jürgen Vutz schließlich eine vage Aussage zum Umsatz entlocken. Sollte die Entwicklung am Markt anhalten – mit zunehmender Bedeutung von hygienischen Verpackungen und mehr Haltbarkeit –, geht das Familienunternehmen von einem Mehrbedarf an Maschinen aus und ist vom langfristigen Wachstum des Marktes überzeugt. Übertriebenen Erwartungen schiebt er einen Riegel vor: „Wir gehen davon aus, dass Corona auch in 2021 noch Folgen zeigen wird.“

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