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Lengericherin wegen mehrerer Übergriffe vor Gericht

Geld- statt Gefängnisstrafe für alkoholkranke Frau

Lengerich/Tecklenburg

Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen – eine 58 Jahre alte Lengericherin musste sich dafür vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten. Am Ende stand eine Geldstrafe, die auch die Verteidigung begrüßte, „weil sie dann kein Geld hat, Alkohol zu kaufen“.

-gpg-

Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

In gleich vier Fällen musste sich eine Frau aus Lengerich vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf der 58-Jährigen vor, bei mehreren Vorfällen andere Menschen beleidigt, bedroht und sogar verletzt zu haben. Die Taten sollen sich in einem Zeitraum von Mitte August 2019 bis Ende des Jahres 2020 ereignet haben.

Die alkoholabhängige Angeklagte, die freiwillig in einer Wohneinrichtung in Lengerich lebt, soll dort eine Betreuerin angegriffen haben, auch einen eingreifenden Erzieher griff die Frau mit einer Glasscherbe an, beide Opfer wurden leicht verletzt. Bei einem weiteren Vorfall hinter dem Feuerwehrhaus griff die Angeklagte grundlos eine Spaziergängerin an: „Ich habe nur meinen Hund ausgeführt,“ schilderte die Zeugin. Dabei sei sie von der Angeklagten zunächst übel beschimpft worden, anschließend sei die Frau mit einer Wodkaflasche auf sie zugestürmt und habe versucht, sie damit auf den Kopf zu schlagen: „Zum Glück hatte ich meine Kinder nicht dabei,“ so die Zeugin.

Die übrigen Taten ereigneten sich in der Dienststelle der Bundespolizei am Hauptbahnhof in Münster. Dort war die Frau stark alkoholisiert aufgegriffen worden. Bei der anschließenden Durchsuchung durch zwei Beamtinnen beleidigte und bespuckte die Angeklagte die Polizistinnen, im späteren Verlauf wurde ein weiterer Beamte von ihr angegriffen und bespuckt. Da bei der Angeklagten zum Tatzeitpunkt davon ausgegangen werden musste, dass sie an einer übertragbaren Krankheit leide, begaben sich die betroffenen Polizisten vorsorglich in ärztliche Obhut.

Die Angeklagte legte in ihrer Vernehmung nur ein Teilgeständnis ab, einen Großteil der Vorwürfe bestritt sie und bezichtigte die Zeugen der Lüge. Der vom Gericht bestellte ärztliche Gutachter bescheinigte der Angeklagten zwar eine durch Alkohol und Drogensucht mit verursachte Psychose, aber keine grundlegende psychische Erkrankung. Er zeichnete das Bild einer seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Einrichtungen erfolglos therapierten Patientin. Dabei sei ihre Schuldfähigkeit lediglich eingeschränkt und sie stelle trotz der Vorfälle keine erhebliche Gefahr für die Gesellschaft dar.

In Anbetracht der verminderten Schuldfähigkeit forderte die Staatsanwaltschaft statt einer Gefängnisstrafe eine Geldstrafe. Dies wurde vom Verteidiger ausdrücklich begrüßt: „Wenn meine Mandantin kein Geld hat, kann sie keinen Alkohol kaufen und es kommt nicht zu Übergriff-Handlungen.“ Das Gericht verurteilte die Lengericherin zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je fünf Euro und es sprach einem der Polizisten ein Schmerzensgeld von 100 Euro zu.

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