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24-Jährige betrügt hilfloses Opfer mit Handyverträgen

Gericht glaubt abenteuerlichen Ausreden nicht

Lengerich/Tecklenburg

Nicht glaubwürdig erschienen sind am Freitag die Schilderungen einer 24-Jährigen vor dem Amtsgericht. Die Frau aus Gronau musste sich wegen Betrugs verantworten und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Ihr Opfer war ein Mann, der zum Tatzeitpunkt in Lengerich wohnte.

-gpg-

Foto: dpa

Ein Fall von schwerem gemeinschaftlich begangenen Betrugs hat das Amtsgericht Tecklenburg am Freitag beschäftigt. Angeklagt war eine 24-jährige Frau aus Gronau. Zusammen mit einem Komplizen soll sie im Januar 2019 einen damals in Lengerich wohnenden Mann um 7172,28 Euro betrogen haben.

Die Angeklagte überzeugte das psychisch eingeschränkte Opfer in seinem Namen zwei Handyverträge abzuschließen und die damit verbundenen neuen Smartphones ihr zu überlassen. Die Geräte nutzten dann ausschließlich die Angeklagte und ihr Komplize. Der Vereinbarung, die Kosten durch monatliche Raten auszugleichen, kam die Angeklagte nur im ersten Monat nach. Mit immer fantasievolleren Ausreden hielt sie das völlig überforderte und gutgläubige Opfer über mehrere Monate hin. Einmal behauptete sie, sie sei schwanger und hätte gerade andere Sorgen, ein anderes Mal, der spielsüchtige Freund habe das Geld verspielt.

Vor Gericht räumte die Frau, die sich selbst nach eigener Aussage in psychiatrischer Behandlung befindet, den Sachverhalt weitgehend ein. „Aber ich hatte nie eine betrügerische Absicht, wollte das Geld zurückzahlen,“ so die Frau. Der mochte dem aber keinen Glauben schenken, zu abenteuerlich die Ausführungen der Angeklagten. Zum einen, so der Richter, betrug die Höhe der monatlichen Rate nur die Hälfte der tatsächlichen Grundgebühren, zum anderen buchte das Betrüger-Pärchen laufend teure Datenpakete dazu, die sich am Ende auf über 3400 Euro summierten. „Wie wollten Sie das mit 50 Euro Raten zurückzahlen?“

Die Bitte des Mannes, der inzwischen einen Anwalt beauftragt hatte, doch die Handys zurückzugeben, wurde von der Frau mit der Begründung abgelehnt: „Die hast Du uns doch geschenkt.“ Einer durch den Anwalt angeregten Ratenzahlung kam die Angeklagte ebenfalls nicht nach. „Wenn Sie gewillt gewesen wären, hätten Sie in den letzten eineinhalb Jahren wenigstens beginnen können, den Schaden zu minimieren“, betonte der Richter.

Über den Verbleib der Smartphones konnte die Frau keine Angaben machen, sie wisse nichts darüber. Kurz nach Abschluss der Verträge habe sie sich von ihrem Freund getrennt und in ärztliche Behandlung begeben müssen. Vielleicht habe der „Ex“ die Geräte. Der ehemalige Lebensgefährte der Frau, der bereits in einem gesonderten Verfahren vor Gericht stand, bestritt dies. Seine Zeugenaussage war von Erinnerungslücken geprägt, einer angeblichen Spielsucht widersprach er allerdings heftig.

Am Ende verurteilte das Gericht die Frau zu einer Geldstrafe von 3150 Euro. „Schon bei Vertragsabschluss hatten Sie den bedingten Vorsatz, das Opfer zu betrüben,“ begründete der Richter das Strafmaß.

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