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Psychisch kranke Frau wegen Körperverletzung angeklagt

Gewalttätige Ausraster

Lengerich

In Handschellen und in Begleitung zweier Justizvollzugsbeamter ist am Mittwoch eine 47-Jährige zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Tecklenburg geführt worden. Der Grund für die ungewöhnlichen Maßnahmen: Die Frau, die sich wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, neigt in bestimmten Situationen offenkundig zu gewaltsamen „Ausrastern“.

gpg

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Unter ungewöhnlich strengen Sicherheitsvorkehrungen hat jetzt am Amtsgericht Tecklenburg der Prozess gegen eine 47-Jährige begonnen, die zuletzt in einer betreuten Wohngruppe in Lengerich gelebt hatte. Die psychisch kranke Frau wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Zwei Justizvollzugsbeamte standen bereit, um jederzeit eingreifen zu können.

Die körperlich eher schmächtige Frau hatte in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass bei ihr unter bestimmten Umständen jegliche Hemmungen und die Selbstkontrolle verloren gehen können. Dies bewies die Angeklagte im Juni vergangenen Jahres bei mehreren „Ausrastern“ gegenüber Mitbewohnern und einem Betreuer auf dem Gelände der LWL-Klinik in Lengerich.

Gefährliche Körperverletzung und versuchte gefährliche Körperverletzung in drei Fällen, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. In einem Fall soll die Angeklagte mit einem Stuhl auf eine Mitbewohnerin losgegangen sein und dabei zusätzlich einen Gartentisch nach der Frau, die leicht verletzt wurde, geworfen haben. In einem anderen Fall habe sie versucht, einen Betreuer in den Unterleib zu treten; nur die schnelle Reaktion des Mannes, der einen Bluterguss am Oberschenkel davontrug, habe Schlimmeres verhindert, so der Staatsanwalt.

Sie habe nie jemanden verletzen wollen und würde „so etwas“ auch nie tun, erklärte die Angeklagte in einer ersten Einlassung. Sie sei von der Geschädigten beschimpft und beleidigt worden und der Betreuer habe ihr das ihr zustehende Taschengeld verweigert: „Ich werde halt wütend, wenn man mich ungerecht behandelt – dann gehen die Pferde mit mir durch“, bekannte sie.

Eine Kostprobe dieses Verhaltens gab die Angeklagte, als der Vorsitzende Richter ihr den Wunsch nach einem persönlichen Kontakt mit einer anwesenden Zeugin verweigerte. Bevor die Situation aber eskalieren konnte, schritten die Justizvollzugsbeamten ein.

Die Verhandlung wurde bereits vor der Vernehmung der Zeugen vertagt. Das Gericht entschied, dass zunächst ein psychiatrisches Gutachten über die Schuldfähigkeit der Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat abgewartet werden müsse. Ein solches Gutachten befinde sich für ein parallel laufendes gleich gelagertes Verfahren vor dem Amtsgericht Münster bereits in Arbeit, teilte die Verteidigerin mit.

Ob eventuell beide Verfahren zusammengeführt und dann gemeinsam in Münster weiter verhandelt werden, konnte vom Gericht noch nicht abschließend geklärt werden. Die Angeklagte bleibt bis zur nächsten Verhandlung weiter in Untersuchungshaft.

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