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Zwischen Lob und einschneidender Kritik

Heftiger Disput um JZ-Konzept

Lengerich

Wie flexibel beziehungsweise bis ins Detail regelnd muss ein Konzept für ein Jugendzentrum sein? Darüber entbrannte im Sozialausschuss eine intensive Diskussion.

Michael Baar

Das Jugendzentrum an der Bergstraße. Um dessen Konzeption entspannte sich im Ausschuss eine heftige Konroverse. Foto: Michael Baar

„Die offene Kinder und Jugendarbeit ist einem stetigen Wandel unterzogen.“ Das ist der erste Satz in der Konzeption zur Arbeit des Jugendzentrums (JZ). Thomas Brümmer stellt das zwölf Seiten umfassende Papier am Mittwochabend im Sozialausschuss vor. Dabei fehlt nicht der deutliche Hinweis des JZ-Leiters, dass dieses Konzept kein starres Konstrukt sei, sondern stetig gelebt, geprüft und weiterentwickelt werden müsse. Das Jugendamt des Kreises habe keine Einwände gegen die Konzeption geäußert, ergänzt er.

Heftige Kritik erntet er von Andreas Kuhn. Der SPD-Fraktionsvorsitzende ist „enttäuscht, weil Fragen aus unserem Antrag nicht beantwortet wurden“. Als Beispiele nennt er unter anderem fehlende Antworten auf den Umgang mit längeren Schulzeiten und abwandernde Schulstandorte. „Ein klarer Plan, wo die Reise hingeht, fehlt“, konstatiert er.

Die Mängelliste ist aus Sicht von Andreas Kuhn lang: keine Angaben, wie Jugendliche erreicht werden sollen; keine Aussage zu Einzel- oder Gruppenangeboten; keine Aussage zur Thematik offenes Haus; keine Angabe, wie schwierige Klientel erreicht werden soll. In wesentlichen Teilen, so sein Vorwurf, sei das Konzept einfach von Jugendzentren anderer Städte abgeschrieben worden. „Ich habe kein Problem damit, gute Beispiele zu übernehmen“, versichert er. „Aber ich finde keine Ansätze für die spezifischen Verhältnisse in Lengerich.“ Seine Schlussfolgerung: Das Konzept müsse überarbeitet werden und die von der SPD-Fraktion in einem Katalog am 3. März formulierten Fragen beantwortet werden.

Aussagen, die bei den anderen Fraktionen Verwunderung auslösen. „Im Konzept steht alles drin, was da hin­eingehört“, beschreibt Bärbel Brengelmann-Teepe die Ausarbeitung als Gerüst für die Arbeit. Der Jahresbericht, so die Grünen-Ratsfrau, sage dann aus, wie die Arbeit laufe. Die Äußerungen von Andreas Kuhn bezeichnet sie als „anmaßend“ und fragt ihn mit ironischem Unterton, ob er demnächst auch die Konzepte für Musikschule und andere Einrichtungen schreiben wolle. Ihr Empfinden: Andreas Kuhn stelle Thomas Brümmer öffentlich bloß, „so geht man nicht mit Menschen um“.

Unverständnis auch bei Klaus Reiher über die „Klatsche“ für Thomas Brümmer. Er habe das Konzept „gelesen und verstanden“. Zudem, so der CDU-Ratsherr, sei der SPD-Antrag am 3. März zu einem Zeitpunkt gestellt worden, als das Konzept schon fertig gestellt war. „Den Fragenkatalog hätte man nachreichen können“, findet Klaus Reiher und gratuliert dem JZ-Leiter ausdrücklich für die Arbeit.

Was nichts daran ändert, dass sich Thomas Brümmer durch die Äußerungen von Andreas Kuhn „persönlich angegriffen“ fühlt. Er verweist auf das ständige Drehen an Stellschrauben, um auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen einzugehen. Zudem „sind wir flexibel durch die Corona-Zeit gekommen, waren immer unter den Ersten, die wieder Angebote ermöglicht haben.“

Kommentar

Fraktion verpasst DenkzettelWas Andreas Kuhn geritten hat, den Leiter des Jugendzentrums in öffentlicher Sitzung derart massiv anzugehen? Den Zuhörern hat sich das nicht erschlossen. Grüne und CDU stärkten demonstrativ Thomas Brümmer den Rücken nach der Attacke des SPD-Fraktionsvorsitzenden.

Worauf Thomas Brümmer mehrfach ausdrücklich hinweist, ist die ungeklärte Zukunft des Jugendzentrums in Sachen Standort. Wohin die Reise gehen könnte, deutet er in einem Nebensatz an. „Ich habe Bock darauf, das JU nach einem Umzug weiter zu entwickeln, wenn wir näher an der Schule sind.“

Ob das Jugendamt sein Okay gegeben habe für das Konzept, „ist für die Qualität nicht entscheidend“, meint Andreas Kuhn. Er stellt den Antrag, dass das JZ-Konzept noch einmal grundlegend überarbeitet wird auf Basis der Fragen der SPD.

Bei der Abstimmung steht der Sozialdemokrat mit seinem „Ja“ allein auf weiter Flur. Die Mitglieder seiner Fraktion enthalten sich, die anderen Ausschussmitglieder stimmen gegen den Antrag – der damit gescheitert ist.

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