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Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ erhält über 100 000 Euro

Hilfe beim Kampf gegen Ausbeutung

Lengerich

Finanzielle Unterstützung in einer beträchtlichen Größenordnung bekommt der Lengericher Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ durch das Land. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann überreichte am Montagabend einen Bewilligungsbescheid über 103 761 Euro.

Von Luca Pals

Freuen sich über den Bewilligungsbescheid über 100 000 Euro: Bernhard von Grüneberg (Unterstützer der Ukrainehilfe), Bürgermeister Wilhelm Möhrke, Herman Lütkeschümer vom Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Foto: Luca Pals

Eine stattliche Summe hatte der Minister aus Düsseldorf da mit gebracht: Die Zusage über 103 761 Euro beinhaltet der Bewilligungsbescheid, der am Montagabend an den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ von Karl-Josef Laumann übergeben wurde. Mit dem Geld soll die Integration zugewanderter Menschen in den Arbeitsmarkt unterstützt und somit erleichtert werden, erklärte Herman Lütkeschümer, Schatzmeister des Vereins.

Zusammen mit seiner Frau Claudia Lütkeschümer und Saskia Wanke freute er sich über die neuen Möglichkeiten, die sich mit dem Geld ergeben würden, und sprach von einem „Mandat, das wir nicht auf die leichte Schulter nehmen“. Insbesondere Menschen aus Südost-, Mittel- oder Osteuropa soll die Unterstützung zugute kommen.

Der Anfang 2019 in Lengerich gegründete Verein bietet bisher eine kostenfreie sowie muttersprachliche Rechtsberatung für Menschen an, die von Arbeitsausbeutung betroffen sind. Es besteht ein Netzwerk von Juristen und juristisch geschulten Ehrenamtlichen, die den betroffenen Personen den Rechtsweg in Deutschland leichter zugänglich machen. Neben der Durchsetzung ihrer Rechte steht die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation im Zentrum der Arbeit.

Aufbauend auf das bisherige Beratungsangebot sollen durch den Bewilligungsbescheid zukünftig Maßnahmen wie aufsuchende Sozialarbeit, Bewerbungstrainings und niedrigschwellige Sprachkurse gefördert werden. Künftige Bausteine des Projektes sind Arbeitsmarktcoaching, die Vermittlung durch Kontakte mit Unternehmen sowie die Entwicklung von Ausbildungspatenschaften. Besonders die Sprachförderung würde viele Barrieren abbauen, hieß es.

Mit diesen Maßnahmen würde sich laut Bürgermeister Wilhelm Möhrke – ebenfalls Mitglied bei „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ – die Chance bieten, die Integration von Arbeitsmigranten „als sehr komplexes Thema“ fassen zu können: „Es geht nicht nur um den Verdienst, die Arbeitszeit und die Unterkünfte. Das Thema ist vielschichtig.“ Laumann betonte, dass „nicht nur die zugewanderten Menschen selbst, sondern auch unsere ganze Gesellschaft“ von diesem Beratungsausbau profitieren würde.

Die Umsetzung des Projektes geschieht durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum sowie eine Kooperation mit weiteren Stellen. Über den Alltag in der Beratungsstelle Arbeit des Begegnungszentrums Ibbenbüren berichteten Geschäftsführerin Anne Lahrmann und Mitarbeiter Christoph Labatzki. Sie sowie Claudia Lütkeschümer und Saskia Wanke von „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ betonten die Bedeutung vom Programmen, die Sprache- und Arbeitsaspekte zusammenbringen.

Im Besonderen hat sich laut Laumann zuletzt auch die Corona-Pandemie auf die Situation der Zielgruppe ausgewirkt. Bestes Beispiel seien die Zustände in der Fleischindustrie, die unter anderem zu Beginn der Pandemie durch die Geschehnisse in Tönnies-Schlachthöfen zutage getreten seien. Laumann betonte, dass durch das langjährige Engagement von Pfarrer Peter Kossen das „Thema schon seit Jahren politisch und gesellschaftlich in Lengerich besetzt“ sei, in der Politik aber viel zu oft auf wenig Unterstützung treffe. Durch das Infektionsschutzgesetz habe sich erst die Möglichkeit ergeben, einen Einblick in die Wohnungen der Arbeiter zu bekommen: „Corona hat uns das Zeitfenster für Veränderungen gegeben. Das müssen wir aber weiter im Auge behalten.“ Zwar hätten Maßnahmen wie das Ende der Werkverträge und die digitale Erfassung der Arbeitszeiten die Situation verbessert, klare Beratungsstrukturen müssten aber auch in NRW weiter ausgebaut werden.

Die Ausbeutung von Arbeitsmigranten sei aber natürlich auch in anderen Branchen wie der Pflege ein Problem. Und angesichts zunehmender Flüchtlingsströme aus den ukrainischen Kriegsgebieten gewinne das Thema weiter an Aktualität.

Das Geld für den Bewilligungsbescheid stammt aus EU-Mitteln, die der Landesregierung zur Förderung von Projekten zur Verfügung stehen, die den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf bestimmte Zielgruppen entgegenwirken.

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