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Lengericher gesteht 18-fachen Computerbetrug

Illegale Geschäfte mit fremden Kontodaten

Lengerich/Ibbenbüren

Wer auf Bewährung ist, muss damit rechnen, dass er bei einer weiteren Verurteilung doch ins Gefängnis muss. Nicht so ein 23-jähriger Lengericher, der sich jetzt wegen Computerbetrugs vor dem Amtsgericht Ibbenbüren verantworten musste.

-gpg-

Foto: dpa

Computerbetrug in 18 Fällen, darunter vier als gewerbsmäßig eingestufte Taten, beschäftigte das Schöffengericht des Amtsgerichts Ibbenbüren am Dienstag. Angeklagt war ein 23-jähriger Mann aus Lengerich. Ihm warf die Staatsanwaltschaft vor, von Dezember 2020 bis Januar 2021 mit Hilfe von fremden Kontodaten Handyverträge abgeschlossen und im Internet Waren bestellt zu haben.

„Ich räume alles ein.“ Mit dieser Erklärung leitete der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ein. Nach einem Gefängnisaufenthalt sei sein Umzug in eine Wohngruppe in Lengerich nicht so reibungslos verlaufen wie gedacht, auch habe er zur Tatzeit seinen Ausbildungsplatz verloren. Das alles habe zu einem Rückfall geführt, so der an einer dissozialen Störung leidende junge Mann.

Der Vorsitzende Richter zeigte sich überrascht, wie simpel der Betrug ausgeführt werden konnte. Der Angeklagte hatte lediglich die Kontodaten, die er bei einem Ebay-Verkauf erhalten hatte, zu eigenen Einkäufen genutzt. Unter seinen eigenen Kundennamen und -daten schloss er innerhalb weniger Tage acht Handyverträge mit entsprechenden neuen Smartphones ab, ohne dass der Anbieter kontrollierte, ob Kontodaten und Kunde übereinstimmten. Die Geräte verkaufte der Angeklagte weiter. Das gleiche Vorgehen erfolgte bei weiteren Käufen auf einer Internetplattform, auch in diesen Fällen wurden die Waren ohne Prüfung geliefert.

Ausschlaggebend für das milde Urteil – die Taten fielen in einen Bewährungszeitraum – war die sehr gute Sozialprognose für den Lengericher. Gute Zusammenarbeit mit dem Bewährungshelfer, ein positives Zeugnis seines Betreuers und ein neuer Ausbildungsplatz, da plädierte sogar der Staatsanwalt dafür, dem Angeklagten das Gefängnis zu ersparen. Ein Jahr auf Bewährung, dazu die Auflage, die begonnene Therapie fortzusetzen und die Ausbildung abzuschließen, entschied das Gericht. „Was bringt es der Gesellschaft. Was bringt es Ihnen, wenn wir Sie jetzt in den Knast stecken?“, so der Richter.

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