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Rundgang über das Gelände der Eisenbahnfreunde

Infrastruktur steht im Fokus

Lengerich

Es gibt noch viel zu tun und helfende Hände sind willkommen: Auf dem Gelände der Eisenbahnfreunde ist die Lokhalle fast fertig. Nun steht die Infrastruktur im Fokus.

Michael Baar

Nicht nur um diese beiden Schienen-Kulis ranken sich Anekdoten. Das trifft fast auf jede Lok im Feldbahnmuseum zu. Foto: Michael Baar

Ganz hinten auf dem Gelände, da, wo Besucher nur selten hinkommen, summt und brummt es an diesem Morgen in einer Tour. Es sind nicht die Feldbahn-Lokomotiven. Die Eisenbahnfreunde haben zwischen den Gleisen neben dem hinteren Unterstand eine Wildblumen-Mischung ausgebracht. Die Blüten sind dicht umschwärmt von Insekten. „Wir haben uns gedacht, wir könnten auch hier im Kleinen etwas für die Natur tun“, sagt Uwe Stieneker.

Der Vorsitzende des Vereins Eisenbahnfreunde Lengerich nimmt sich Zeit beim Rundgang über das Gelände. Im Lokschuppen stehen die Zugmaschinen. Viele von ihnen vermitteln den Eindruck, man brauche sie nur einzuschalten und schon könnte eine gemütliche Tour über die 600-Millimeter-Spur beginnen. Uwe Stieneker verzieht etwas das Gesicht. „Früher haben wir gedacht, wir könnten zwei Loks im Jahr restaurieren“, erzählt er.

Er geht ein paar Meter, verlässt die Lok-Halle. „Als wir von der NRW-Stiftung Geld für den Hallenbau bekommen haben, haben wir gedacht, in fünf Jahren sind wir damit fertig“. Eine Einschätzung, die gründlich daneben lag. Inzwischen sind 15 Jahre daraus geworden. Aber das Ende ist in Sicht. „Im nächsten Jahr wollen wir uns wieder mehr der Restaurierung des Fuhrparks zuwenden.“ Ein leichtes Aufatmen in seiner Stimme ist nicht zu überhören.

Uwe Stienecker, Vorsitzender

Die Corona-Pandemie hat die Eisenbahnfreunde hart getroffen. Daraus macht der Vorsitzende keinen Hehl. für die Kasse des Vereins war die Großveranstaltung zu Pfingsten sehr wichtig. Die zahlreichen Besucher des Westfälischen Feldbahnmuseums – so der offizielle Name – hatten nicht nur Spaß an den Fahrten übers Gelände, sondern haben auch fleißig gegessen und getrunken. Das war, so erläutert er, der Grundstock für den Etat.

Aus den Mitgliederbeiträgen – „wir haben aktuell 49, die Zahl stagniert seit Jahren, allerdings nicht das Durchschnittsalter“ – lässt sich gerade so der Unterhalt fürs alte Stellwerk bestreiten. In dem Gebäude unterhalten die Eisenbahnfreunde eine große Modellbahnanlage. „Die weiteren laufenden Kosten im Jahr summieren sich auf rund 1000 Euro“, verweist er unter anderem auf die Versicherungen, die unabdingbar sind.

Mit den Öffnungen an jedem zweiten Sonntag im Monat – in diesem Jahr ging es erst im Juli los – lässt sich die finanzielle Lücke nicht schließen. Zumal die Eisenbahnfreunde keine Verpflegung anbieten dürfen.

Weil wenig gefahren werden kann und viel zu tun ist, steht unverändert die Infrastruktur auf dem Gelände im Fokus des Vereins. Ziel ist es, einen barrierefreien Besuch zu ermöglichen. Einschließlich eines Toilettengangs, wenn‘s mal pressiert. Das ist bislang nur auf dem „Abort“ im oberen Geschoss des alten Stellwerks möglich. Für Menschen mit Handicap ein unüberwindbares Hindernis.

Ein Hingucker für Besucher dürfte eine zweite Baustelle werden. Ganz hinten auf dem Areal steht ein Bagger. „Unser Männerspielplatz“, scherzt Uwe Stieneker. Die „Legosteine“ (große Betonsteine mit zwei „Knöpfen“ oben drauf), Pflastersteine, Schienen und anderes Material warten darauf, verarbeitet zu werden.

„Hier werden wir die Gleise hochführen“, zeigt er auf eine Böschung. Mit den Legos soll eine kleine Brücke gebaut werden. „Das erleichtert es uns, Servicearbeiten an den Loks und Waggons von unten wahrzunehmen.“ Spätestens jetzt ist klar, dass die Eisenbahnfreunde nicht das sprichwörtliche „Kind im Mann“ bedienen, sondern sich ernsthaft für den Erhalt der längst nicht mehr im Arbeitseinsatz stehenden Feldbahnen engagieren.

Eines wird beim Rundgang ebenfalls deutlich: Es ist noch viel zu tun. „Im Grunde ist es eine Hand voll Aktiver, die immer am Start ist“, würde sich Uwe Stieneker über jede weitere helfende Hand freuen. Und auch die Ein-Euro-Jobber vermisst der Vorsitzende. „Mit denen haben wir in den vergangenen Jahren eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht.“ Im November ist der Letzte gegangen. Kontaktbeschränkungen – Corona lässt grüßen – treffen auch hier den Verein.

Der Weg zurück führt durch die Lok-Halle. Und dort kann Uwe Stieneker zu jeder Lok eine Anekdote erzählen. Beispielsweise zu den Schienen-Kulis. Die beiden skurrilen Gefährte hatten die Eisenbahnfreunde im Niedersächsischen entdeckt, waren mit den Eignern handelseinig geworden. Am Tag, als sie die beiden Kleinloks holen wollten, waren die verschwunden. „Das musste in der Nacht vorher passiert sein, das Gras hatte sich noch nicht wieder aufgerichtet“, erinnert sich der Vorsitzende genau. Aber die Loks waren weg, die Eisenbahnfreunde enttäuscht.

Jahre später schaut sich Uwe Stieneker einen Bericht von einer Feldbahn-Veranstaltung an – und traut seinen Augen nicht: Da sind die beiden Schienen-Kulis zu sehen. „Unverkennbar an den Macken im Lüftungsgitter“, erinnert er sich. Die Eisenbahnfreunde fahren dort hin, sprechen mit den Verantwortlichen. Wenig später stehen die Schienen-Kulis in der Halle an der Lienener Straße.

Wer sich für das Hobby Feldbahn interessiert, kann sich an Uwe Stieneker, Vorsitzender des Vereins Eisenbahnfreunde Lengerich e.V., wenden ( 01 78/88 28 836).

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