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Hans Hülsmeier hat sein letztes Knöllchen geschrieben

Kein Auge mehr für Parksünder

Lengerich

In der Stadt ist er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund: Hans Hülsmeier, als Ordnungshüter unter anderem für die Einhaltung der Parkregeln zuständig. Jetzt hat er sein letztes Knöllchen geschrieben, er geht in den Ruhestand.

Mareike Stratmann

Die letzten Knöllchen sind geschrieben: Hans Hülsmeier hat sich gestern in den Ruhestand verabschiedet . Foto: Mareike Stratmann

Ordnungshüter gehören in der Regel nicht zu den beliebtesten Gesprächspartnern. Verteilen sie aus Sicht der Autofahrer doch viel zu häufig unnötige Knöllchen. Tickets geschrieben hat Hans Hülsmeier in den vergangenen fast 25 Jahren Zigtausende. Aber für den Bediensteten des Ordnungsamtes war dabei eines immer wichtig: Mit den Bürgern im Dialog zu bleiben und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl vorzugehen.

Gestern hat der 63-Jährige seine Arbeitsutensilien an seinen Nachfolger Gerrit Siebrecht aus Osnabrück übergeben. Der 35-Jährige wird sich fortan unter anderem um die Parkraumbewirtschaftung und die Überwachung des ruhenden Straßenverkehrs kümmern, während sich Hans Hülsmeier in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Ordnungsamtsleiter Martin Pogrifke seinen scheidenden Kollegen als „eine Institution“ bezeichnet und Personalratsvorsitzender Dieter Teepe sagt: „Er gehörte zum Stadtbild Lengerichs.“ Wohl wahr: Als die Stadt 1994 die Bewirtschaftung des öffentlichen Parkraums einführte, wechselte der gelernte Autoschlosser vom Bauhof in die Verwaltung an der Tecklenburger Straße. Wobei er im Büro nur selten anzutreffen war. „Und genau das hat mir so viel Spaß gemacht. Jeder Tag war anders. Man wusste nie, was kommt“, erinnert sich der Ordnungshüter an eine große Bandbreite bei seinen Einsätzen.

Er denkt an das Einfangen von Schlangen und Pferden auf Straßen, die Begleitung diverser SEK-Einsätze als Zeuge sowie die Kontrolle von Wohnungen, wenn eine Person über einen längeren Zeitraum vermisst wurde. Und er sagt auch: „Das war zweifellos nicht immer schön.“

Bei Wind und Wetter unterwegs

Bei Wind und Wetter war Hans Hülsmeier in der Stadt unterwegs und nicht selten führte ihn sein Weg auch ins Naturschutzgebiet rund um den Canyon. „Einmal habe ich dort bis zu 300 Leute aufgespürt, die dort illegal ihr Lager aufgeschlagen hatten und badeten“, erinnert er sich.

Dass die erwischten Leute – egal ob beim Wildbaden, illegalen Müllabladen oder Falschparken – nicht immer einsichtig waren, glaubt man ihm aufs Wort. Und obwohl es ihm stets wichtig war, „eine Situation zu deeskalieren“, hat er sich über die Jahre hinweg doch auch einigen verbalen und sogar körperlichen Attacken ausgesetzt gesehen, inklusive Bedrohungen, wie er sagt. „Aber Gott sei Dank war das eine seltene Ausnahme.“

Ansprechpartner und Vermittler

Bürgernähe, die ist ihm über die gesamte Zeit wichtig gewesen. Ansprechpartner und Vermittler sein. So hat er sich gerne gesehen – und so wird er bei vielen Lengerichern auch garantiert in Erinnerung bleiben. Der Mann, der sich fortan seinen vielen Hobbys von Arbeiten am Haus und im Garten bis hin zur Pflege seiner Youngtimer kümmern will. „Meine Liste ist lang“, sagt er augenzwinkernd. Und ab und an, verspricht er, werde er in der Innenstadt vorbeischauen und Bekannte treffen. Auch das brachte sein Job mit sich.

Und am Ende verrät der sympathische Jung-Rentner noch eines: „Dass ich das Knöllchen schreiben alles andere als geliebt habe.“

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