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Lengericher vor Gericht

Kein Respekt vor der Richterin

Lengerich/Rheine

Drei Tage verbrachte die 27-Jährige im Krankenhaus, nachdem ihr Lebensgefährte sie geschlagen hatte. Es war nicht das erste Mal, dass sich der 25 Jahre alte Lengericher vor Gericht verantworten musste. Seit dem Tag der Tat, dem 30.Juli, saß er in Untersuchungshaft. Jetzt droht ihm eine Freiheitsstrafe.

Monika Koch

Das Amtsgericht Rheine. Foto: privat

Der rebellische 25-jährige Angeklagte aus Lengerich, gegen den bereits zwei mal beim Schöffengericht in Rheine verhandelt worden war, wurde jetzt aus der Haft vorgeführt wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz und einer das Leben seiner Ex-Freundin gefährdenden Körperverletzung am 30. Juli 2020 in Rheine. Seit diesem Tag sitzt er in Untersuchungshaft, die jetzt zur Strafhaft wird.

Drei Tage wurde die 27-jährige Frau und Mutter im Mathias-Spital behandelt. Ihre Kinder wurden ihr schon vorher wegen der Beziehung zu dem Angeklagten vom Jugendamt entzogen und dem Vater in Obhut gegeben. Weil der Angeklagte unbedingt ein Gutachten und eine Zwangstherapie erwirken möchte, die Richterin das aber nicht für notwendig hält, wurde der Prozess „zum Nachdenken“ auf den 22. Dezember vertagt.

Tatwürfe bestritten

„Ich sehe keine Notwendigkeit für ein Gutachten, weil die Straftaten, die Sie begangen haben, nichts oder nur wenig mit Drogen zu tun haben“, argumentierte die Richterin gegen den Wunsch des Angeklagten und zu dessen großen Ärger. Zwei Berufungsverfahren mit Urteilen zu insgesamt dreieinhalb Jahren Gefängnis liegen beim Landgericht zur Entscheidung. Hinzu kommt ein weiteres Urteil mit 14 Monaten, das rechtskräftig geworden ist und das der 25-Jährige gerade absitzt. Das bedeutet für den Angeklagten, dass er für fast fünf Jahre ins Gefängnis müsste. „Wenn Sie die Berufung zurücknehmen, können wir hier über eine Einstellung sprechen“, bot die Vorsitzende dem Angeklagten an.

Auch in der jüngsten Verhandlung verhielt er sich renitent, bestritt die Tatvorwürfe und erzählte weitschweifende Geschichten. Er hatte sogar versucht, aus dem Gefängnis seiner Ex-Freundin unter sich ständig wiederholenden Liebesschwüren illegale Mittel und Wege aufzuzeigen, wie sie ihn besuchen könnte. Die Briefe wurden beschlagnahmt und in der Verhandlung verlesen. „Ich kann doch schreiben, was ich will, ich saß allein in der Zelle“, empörte sich der Angeklagte.

Prozess wird fortgesetzt

Die Adresse der 27-jährigen Zeugin in Rheine ist der Polizei durch viele Einsätze bekannt. Auch am 30. Juli 2020 rief sie in ihrer Not die Polizei, weil er sie geschlagen habe. „Sie stand vor der Tür, als wir kamen, war total aufgelöst, hatte sichtbare Prellungen im Gesicht und an den Armen“, sagte eine Beamtin. Dabei hatte der Angeklagte vom Amtsgericht ein Annäherungsverbot bis zum 31. Dezember bekommen.

„Ich dachte, das wäre ausgesetzt, das wollte sie machen“, sagte er in einem seiner dauerhaften Redeschwalls. Respektlos unterbrach er die Richterin, redete bei Zeugenaussagen ständig dazwischen und kassierte deswegen beim letzten Mal schon ein Ordnungsgeld. Auch das beeinträchtigt seinen Redefluss jetzt nicht. Er fühlt sich ständig ungerecht behandelt und missverstanden.

Als seine Ex-Freundin als Zeugin aussagte, war er vorübergehend ruhig, weil sie bestätigte, dass sie sich gegenseitig geschlagen und beleidigt hätten. „Er nimmt immer Drogen, das ist das Problem“, sagte sie und unterstützte damit sein Bedürfnis, eine Zwangstherapie zu bekommen. Aber sie sagte auch ganz offen: „Wir können nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“. Sie hätte ihn am Vorabend in Lengerich abgeholt zu sich nach Rheine. Am nächsten Morgen hätte der Streit angefangen: „Dann wird er aggressiv, wenn er keine Drogen mehr hat“, sagte sie.

Der Prozess wird am 22. Dezember fortgesetzt.

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