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Dritter Hilfskonvoi in die Ukraine soll am 7. April starten

Keine Zeit zum Durchatmen

Lengerich

Einen dritten Hilfskonvoi in die Ukraine planen der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ und der Verein „Stützpunkt.org“ und berichten über die ersten beiden erfolgreichen Hilfsaktionen.

Von und

Im Niemandsland zwischen polnischer und ukrainischer Grenze mussten die Hilfsgüter in ukrainische Fahrzeuge umgeladen werden (großes Foto). Das kleine Foto zeigt den Hilfskonvoi, zu dem auch gestiftete Rettungsfahrzeuge gehörten. Foto: Hilfsorganisationen

Zwei Hilfskonvois für die Menschen in der Ukraine sind abgewickelt. Zeit für eine Verschnaufpause? Unisono schütteln Jutta Schulte, Claudia und Hermann Lütkeschümer den Kopf. „Der dritte Konvoi soll am 7. April starten“, sagt Jutta Schulte, Vorsitzende des Vereins „Stützpfeiler.org.“. „Die Liste, was dort alles benötigt wird, liegt uns vor“, ergänzt Hermann Lütkeschümer, Schatzmeister des Vereins Aktion „Würde und Gerechtigkeit“. Operationsmaterial, Schilddrüsen-Tabletten und Antibiotika nennt er drei Beispiele für das, was im kriegsgebeutelten Land benötigt wird.

Dass die beiden Vereine zielgerichtet helfen können, liegt an den Kontakten des Unternehmers Maik Menke aus Paderborn, der die Konvois persönlich begleitet. Und so stehen auch wieder Rettungswagen auf der Wunschliste der Freunde im Osten Europas. „Wir nehmen alles“, schmunzelt Jutta Schulte, nennt dann „so fünf bis zehn Rettungswagen“ als Ziel. Die bleiben nicht in Lwiw, „sondern werden von dort verteilt in Orte, in denen sie dringend benötigt werden“, ergänzt Claudia Lütkeschümer. Dass die Wagen komplett ausgerüstet sind, freut das Trio besonders, der Dank dafür gilt der Uni-Klinik Bonn.

Für den zweiten Konvoi hatten die Vereine insgesamt drei Rettungswagen besorgt. Die Kosten für einen RTW, aus dem Bestand des DRK, wurden je zur Hälfte von beiden Vereinen getragen. Karsten und Holger Rickert vom Autohaus Rickert, spendeten einen Rettungswagen an den Verein „Stützpfeiler.org“ und der dritte RTW kam vom Kreis Steinfurt, vermittelt durch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, und wurde vom Verein „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ gekauft.

Jutta Schulte sowie Claudia und Hermann Lütkeschümer nennen diese besonderen Beispiele und sind dankbar für die „riesige Unterstützung, die wir erfahren haben“. Die Uni-Klinik Bonn hat die Wagen komplett mit Material ausgerüstet – und selbst drei Rettungswagen und einen Krankenwagen dazugegeben. Den Einbau der medizinischen Ausstattung der drei Rettungswagen aus Lengerich haben Mitarbeiter der freiwilligen Feuerwehr Lengerich übernommen, unentgeltlich.

Ohne die „großartige Unterstützung vieler Menschen“, so Claudia Lütkeschümer, wäre die Zusammenstellung des Konvois mit den gewünschten Hilfsmitteln gar nicht möglich gewesen. In Sachen medizinische Ausstattung und Medikamente hätten Dr. Dieter Rogge und Apotheker Stefan Meyer aus Lengerich „Großartiges geleistet“. Besondere Unterstützung haben die Vereine unter anderem von folgenden Institutionen erhalten: Interessengemeinschaft Leeden, Firma Medi Spezial (Vechta), AWO-Familienzentrum Lengerich, Grundschule Stadtfeldmark, Friseursalon Esfeld (Tecklenburg) und Haaristik Barbara Fischer (Lengerich), nennen Claudia und Hermann Lütkeschümer die größten Unterstützer. Für den Verein „Stützpfeiler.org“ trifft das in ähnlichem Umfang zu, ergänzt Jutta Schulte. Neben dem Autohaus Rickert haben sich Professor Dr. Wolfgang Holzgreve (Uni-Klinik Bonn), Bernhard von Grünberg (Bonn), Tibor Schady (Spendenzentrum Erftstadt), die Malteser, die Estri-Rec-Nord GmbH (Bad Salzuflen) und die Amprion GmbH (Dortmund) besonders engagiert.

Wie sehr sich die Lage zwischen dem ersten und zweiten Konvoi verändert hat, beschreiben die Drei an zwei Beispielen. Beim zweiten Transport konnten die Tankrechnungen in Polen nur noch in Zloty bezahlt werden. „Die hatten wir nicht, den Umrechnungskurs in Euro haben die einfach mit 1:1 angesetzt.“ Der Ärger in der Stimme von Hermann Lütkeschümer ist nicht zu überhören. Gleiches beim Abendessen. „Aus 49 Zloty wurden einfach 49 Euro.“ (Umrechnungskus 1 Euro = 4,78 Zloty).

Weiteres Hindernis beim zweiten Transport: Die Fahrzeuge dürfen nur noch ins Niemandsland zwischen polnischem und ukrainischem Schlagbaum fahren, und die Insassen müssen einen Reisepass vorweisen. „Das hat dazu geführt, dass drei Leute die gesamten Hilfsmittel in ukrainische Fahrzeuge umladen mussten. Das hat bis halb Vier morgens gedauert“, beschreibt Jutta Schulte diese Situation. Hinzu kam, dass die Transportpapiere dann auch auf polnisch und ukrainisch ausgefüllt werden mussten. „Das war vorher nicht der Fall, aber zum Glück gehören zwei Ukrainer zu unseren Helfern“, fügt sie hinzu.

Die Lage in Lwiw ist prekär, daran lassen die Drei keinen Zweifel und verweisen auf bis zu 250 000 Flüchtlinge aus der Ostukraine, die in der Stadt Zuflucht gesucht haben. Deshalb hoffen sie auf weitere Unterstützung. „Die Spendengelder beider Vereine werden sofort in Hilfe umgesetzt“, versichert Hermann Lütkeschümer. Rund 17 000 Euro habe die „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ bislang aus eigenen Mitteln ausgegeben. Hinzu kamen finanzielle Spenden in etwa gleicher Höhe. Beim Verein „Stützpfeiler.org“ beziffert es sich auf alleine rund 20 000 Euro für die Arzneimittel zuzüglich Transportkosten, Maut und so weiter.

Bei aller Not in der Ukraine beschreibt das Trio aber auch zwei Momente, die es bewegt haben: „Direkt an der polnischen Grenze steht ein Mann und bietet den Flüchtlingen aus der Ukraine Bratwurst und Pommes an, ohne Geld zu nehmen“, erzählt Jutta Schulte. Und in Lengerich hat der Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ schon Wohnungen für Flüchtlinge vermittelt. „Unter anderem hat ein Russe Menschen aus der Ukraine aufgenommen“, freut sich Claudia Lütkeschümer und warnt gleichzeitig davor, Menschen einfach nach ihrer Herkunft in Schubladen zu stecken.

„Nach dem offiziellen Teil der Übertragung des Projektes REACT – EU, wurde Herr Minister Laumann von unseren Ukrainehilfsaktionen informiert“, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der beiden Vereine. Der Verein „Stützpfeiler.org” sei in diesem Gespräch vertreten gewesen durch die Vorsitzende Jutta Schulte und Schatzmeister Christian Schneider sowie den Unternehmer, Schirmherrn und Trossführer Maik Menke aus Paderborn. Für den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ hatten Schatzmeister Hermann Lütkeschümer, Claudia Lütkeschümer und Saskia Wanke an der Runde teilgenommen.

Als großer Organisator war Bernhard von Grünberg aus Bonn eingeladen. „Er hatte für den zweiten Transport die Bestückung unserer Fahrzeuge sowie mehrerer RTW, KTW und Notarztfahrzeuge aus Bonn beschaffen können. Für den nächsten Einsatz will er sich im Rhein/Ruhrkreis noch stärker engagieren. Ein Talent mit weitreichendem Bekanntheitsgrad und Fachwissen, was unseren beiden Vereinen sehr hilfreich ist“, heißt es weiter in der gemeinsamen Presseerklärung.

„Karl-Josef Laumann konnten wir in dem zweistündigen Gespräch von der Notwendigkeit unseres schnellen, unbürokratischen Handelns überzeugen. Die Frage nach der Finanzierung der enormen Kosten konnten wir beantworten“, schreiben die Vereine, die die Kosten aus dem Vereinsvermögen und Spenden bestreiten.

Für ihren Einsatz hätten Karl-Josef Laumann und Bernhard von Grünberg ihnen Hochachtung für ihren Einsatz gezollt.

Wer diese Arbeit mit einer Spende unterstützen möchte, kann Geld auf folgende Konten überweisen: Stützpfeiler e.V., IBAN DE45 4036 1627 0052 0153 00; Verein Aktion Würde und Gerechtigkeit, IBAN DE84 4015 4476 0001 1578 17.

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