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Wasserqualität in Hausbrunnen

Landwirte wehren sich gegen Aussagen

Lengerich/Tecklenburger Land

Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz nimmt in Lengerich immer wieder Untersuchungen des Hauswassers vor. Seine Aussage, dass konventionelle Landwirtschaft die Wasserqualität von Hausbrunnen beeinträchtige, stößt bei hiesigen Landwirten auf Kritik.

Von Michael Baar

Moderne Technik etwa beim Ausbringen von Gülle gehört für viele Landwirte inzwischen zum Alltag. Foto: Gunnar A. Pier

Welchen Einfluss hat die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen auf die Wasserqualität in Hausbrunnen? „Großen“, sagt Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz, der auch in Lengerich immer wieder Untersuchungen des Hauswassers anbietet, zuletzt im Juli. Seine Aussage stößt auf Kritik bei Landwirten.

„Klar gibt es Brunnen, die beeinträchtigt sind“, redet Frank Sundermann nicht um den heißen Brei herum. Aber bei der überwiegenden Zahl der Brunnen sei die Wasserqualität in Ordnung, so der Landwirt aus Ladbergen. Zustimmendes Nicken bei seinen Lengericher Berufskollegen Ulrich Knippenberg, Frank Osterhaus und Johannes Helweg-Löllmann.

Landwirte zweifeln an Unabhängigkeit

Sie setzen auf die Proben, die der Kreis Steinfurt alle zwei Jahre von Brunnen im Außenbereich nimmt. „Die schauen sich dann auch die Lage an und entnehmen fünf bis sieben Proben für ein neutrales Labor“, erläutert Frank Osterhaus. Wobei er das Wort „neutral“ auffällig betont. Denn diese Unabhängigkeit sieht das Quartett beim Verein nicht gegeben. Der Diplom-Physiker Harald Gülzow ist nicht nur Pressesprecher des Vereins, sondern auch Inhaber des Labors WaBoLa. Beide firmieren unter einer identischen Adresse in Geldern.

Interessenkonflikt?

Was Harald Gülzow im Gespräch mit unserer Zeitung nicht anficht. Das Labor habe früher dem Verein gehört. Als dieser keine Auftragsuntersuchungen mehr durchführen durfte, „habe ich ihm das Labor abgekauft“. Unter anderem, „damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Die Untersuchungen sollen möglichst günstig bleiben“, versichert er. „Die Proben werden nicht nur in Geldern, sondern zu einem geringen Teil auch in einem Labor in Jena untersucht“, ergänzt er. Einen Interessenkonflikt sieht er nicht.

Zudem seien die Untersuchungsergebnisse von Hausbrunnen in Städten „immer besser als die im Ortsrandbereich oder in Dörfern“, sagt der Diplom-Physiker und verweist auf eine zweite Erkenntnis aus den VSR-Untersuchungen: Bei der gezielten Untersuchung von Hausbrunnen in Gärten hätten diese Anlagen auf dem Land eine höhere Belastung aufgewiesen als in besiedelten Ortslagen.

Bauern vermissen Begründung

Dass Harald Gülzow daraus die Schlussfolgerung ziehe, es müsse mehr Öko-Landwirtschaft geben, verursacht Kopfschütteln bei den vier Bauern. „Das muss er auch begründen“, vermisst Johannes Helweg-Löllmann die Fakten hinter der Forderung. Mit seinen Berufskollegen verweist er auf die Dünge-Einschränkungen, denen die Höfe bei der Bewirtschaftung ausgesetzt sind. Was sie keineswegs negativ sehen. „Wir düngen heute gezielter als noch vor Jahren und die Erträge wachsen trotzdem“, resümiert Frank Sundermann.

Ihm wie den anderen drei fehlt eine klare Linie der Politik. „Es wird immer davon geredet, die Familienbetriebe stärken zu wollen. Getan wird dann das Gegenteil“, sind die Landwirte dieses Schlingerkurses überdrüssig. Das einzige, auf das Verlass sei, seien immer härtere Auflagen.

Dass es in der Region auch vorher schon gut gelaufen ist zwischen Landwirtschaft und Wasserwirtschaft, machen sie am Beispiel der Kooperation mit dem Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (WTL) fest. „Alle WTL-Brunnen sind ohne Befund. Und die Hauswasserbrunnen müssen alle zwei Jahre vom Kreis untersucht werden“, erläutert Frank Osterhaus. Und wird ein Hausbrunnen für die Versorgung des Viehs genutzt, steht jedes Jahr eine Untersuchung an.

Landwirte sehen sich nicht genug unterstützt

Wie schwer es ist, Veränderungen zu erreichen – Frank Sundermann nennt ein Beispiel: Den Referenzwert für seinen Hof liefert ein acht Kilometer entfernter Brunnen in Wechte. Wenige hundert Meter vom Hof entfernt gibt es zwei Grundwasser-Messstellen. „Ich habe beantragt, doch bitte dort die Nitratwerte zu ermitteln“, berichtet er. „Diese beiden Brunnen dienen nur zur Pegelmessung“, schüttelt er den Kopf über die Antwort aus dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Düsseldorf.

Kann die Landwirtschaftskammer nicht unterstützen? Die vier schauen sich an, dann formulieren sie vorsichtig, dass die Kommunikation zwischen Kammer und LANUV „gestört“ sei, und das seit Jahren. „Wir brauchen Perspektive und Zuverlässigkeit“, bringen sie ihr Anliegen auf einen kurzen Nenner. Vielleicht höre es ja dann damit auf, dass die Landwirte immer als erste Schuldige bezeichnet werden, wenn etwas schief laufe. „Wir haben genau so ein großes Interesse an einer intakten Umwelt wie alle anderen auch“, sagen sie mit Nachdruck.

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