Lennard Kleine-Niesse ist in den USA angekommen

Licht und Schatten in New York

Lengerich/New York

In einer ganz anderen Welt ist Lennard Kleine-Niesse angekommen. Aus Guatemala reiste er in die USA.

Von Lennard Kleine Niesseund

Foto: privat

Nach einigen Wochen in Guatemala hatte ich das Verlangen, einfach mal etwas komplett anderes zu erleben und habe mich relativ kurzfristig dazu entschieden, meinen Reiseplan etwas abzuändern und zunächst in die Vereinigten Staaten zu fliegen.

So bin ich also vor knapp drei Wochen von Guatemala City nach Miami gereist und habe das erste Mal einen Fuß in die USA gesetzt und damit in Land Nummer drei meiner Weltreise. Bereits am Flughafen hatte ich das Gefühl, ich wäre plötzlich in einer anderen Welt angekommen. Der Kontrast konnte nicht größer sein: Auf der einen Seite das „Dritte Welt“-Land Guatemala und auf der anderen Seite die Vereinigten Staaten, eines der wohl fortschrittlichsten Länder unseres Planeten.

An die riesige Stadt, die Wolkenkratzer und die meiner Meinung nach unverschämt hohen Preise musste ich mich erst einmal gewöhnen und war zunächst etwas überfordert. Als ich für zwei Bratwürste und zwei Getränke 50 Dollar zahlen musste, wäre ich fast ungläubig vom Stuhl gefallen.

Unverschämt hohe Preise

Am zweiten Tag in Miami habe ich mich dann direkt gegen das Coronavirus impfen lassen. Das ist hier tatsächlicher einfacher, als im Internet Schuhe zu bestellen. Kurz online eine Apotheke und den Impfstoff ausgesucht und keine Stunde später habe ich meine erste Impfdosis (BioNTech/Pfizer) erhalten. Der Impfstoff ist hier für jeden frei. Egal ob US-Staatsbürger, Tourist oder nicht-registrierte Person. Die zweite Dosis werde ich innerhalb der nächsten zwei Wochen erhalten.

Frisch geimpft fuhr ich mit Nate, einem Amerikaner, den ich in meinem Hostel kennengelernt habe, in die Everglades. Wir machten eine Bootstour durch den Nationalpark, bei der wir einige seltene Tierarten sowie Alligatoren entdeckten. Ich war sehr froh, dass Nate ein Auto hatte, denn ohne Wagen ist man in Miami ziemlich aufgeschmissen. Alles ist sehr weit voneinander entfernt und die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht wirklich gut ausgebaut.

Unzählige Monumente

Das war bei meiner nächsten Station schon ganz anders. In Washington D.C. kann man wirklich alles sehr gut zu Fuß erreichen oder auch die U-Bahn nutzen, die sehr gut ausgebaut ist. Die Hauptstadt der Vereinigten Staaten war für mich bisher wohl die beeindruckendste Stadt, die ich besuchen durfte. Unzählige Monumente und imponierende Gebäude schmücken die Stadt und demonstrieren so durch wunderschöne Architektur, wie machtvoll die USA sind. Die kostenfreien Museen der Stadt lassen einen in die Geschichte eintauchen und ich konnte wirklich einige neue Dinge lernen.

Über Philadelphia ging es für mich, gemeinsam mit Nate, weiter nach New York City und ich konnte einen großen Punkt auf meiner „Bucket“-List abhaken: Die Freiheitsstatue. Diese hat mich allerdings weniger beeindruckt als angenommen, denn sie ist in Wirklichkeit ein gutes Stück kleiner als ich sie mir immer vorgestellt hatte. Umso beeindruckender war dann aber der Ausblick vom „Top of the Rock“ über ganz New York City. Von dort oben hatte man freie Sicht auf alle wichtigen Gebäude der New Yorker Skyline und auf den riesigen Central Park. Ein Erlebnis, das ich wirklich jedem empfehlen kann, der sich einmal nach New York verirrt.

New York City zählt definitiv zu den Städten, in denen ich mir vorstellen könnte, zu leben. Die Stadt ist sehr abwechslungsreich und hat für alle Geschmäcker etwas zu bieten. Tolle Gebäude, wunderschöne Parks, die Nähe zum Wasser und der unglaubliche Zusammenhalt der Bürger macht diese Stadt zu einem ganz besonderen Ort.

Es gibt meiner Meinung nach allerdings auch einige Schattenseiten in den Vereinigten Staaten, die mich von einem Leben hier abschrecken. Ich habe das Gefühl, dass Rassismus noch mal ein viel größeres Problem ist als bei uns in Deutschland.

Ich habe Menschen auf den Straßen erlebt, die sich gegenseitig aufs übelste rassistisch beleidigt haben, ich habe unglaublich starken Hass gegenüber der Polizei erlebt und nach einigen Gesprächen mit Menschen verschiedener Herkunft herausgefunden, dass es in den USA eine starke Separation in Gruppen ethnischer Herkunft gibt. Rassismus ist erschreckend und hat in unserer Welt nichts verloren. Wir sind alle gleich, wir sind alle Menschen.

Dazu kommt noch, dass ich das Gefühl habe, dass die Vereinigten Staaten wohl das materialistischste Land der Welt sind. Während ich in Guatemala und Mexiko Menschen erlebt habe. die mit wenig Besitz unglaublich glücklich waren und ihr Leben genossen haben, habe ich hier das Gefühl, dass viele Menschen nur durch materielle Dinge glücklich werden können und sich ausschließlich darüber definieren. Außerdem werden viele Menschen ausgeschlossen, weil sie nicht die nötigen Statussymbole besitzen. Dieses materialistische Denken kenne ich aus Europa, aber gefühlt ist es hier noch einmal um einiges stärker.

Morgen geht es für mich weiter nach Cincinatti, wo ich zwei Tage bei Daniel Deutsch und seiner Familie unterkommen werde. Dieser stammt gebürtig aus Lienen und ist vor einigen Jahren den Weg in die USA gegangen. Im Anschluss werde ich für einige Wochen in eine Gastfamilie nach Wapakoneta ziehen und dort hautnah in das amerikanische Leben eintauchen. Ich bin sehr dankbar, dass die Familie Hinegardner mich für diese Zeit bei sich willkommen heißt und bin unglaublich gespannt auf dieses Erlebnis.

Wer mich digital auf meiner Reise begleiten möchte, sollte unbedingt mal auf Instagram oder YouTube vorbeischauen. Dort gebe ich unter dem Namen „NiesseOnTour“ täglich Einblicke in meine Reise rund um den Globus.

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