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Aktion auf dem Dyckerhoff-Parkplatz

„Lkw-Fahrer sind Menschen“

Lengerich

Wer würde es bestreiten? Die allermeisten Lebensmittelgeschäfte liegen nicht an einem Hafen und auch nicht direkt am Bahnhof. Heißt: Gebe es keine Lkw-Fahrer und keine Lkw auf den Straßen, würde die Bevölkerung nicht mehr versorgt.

Von Bettina Laerbusch

Jochen Rabe (Geschäftsleitung Firma Klar), Lkw-Fahrer Ewald Bürmann, Dirk Siebe (Speditionsleiter bei der Firma Klar) sowie Andrea Möller (Doc Stop, v.l.) machten am Freitag auf dem Lkw-Parkplatz gegenüber von Dyckerhoff auf die mangelnde Wertschätzung gegenüber Lkw-Fahrern aufmerksam. Foto: Bettina Laerbusch

Jochen Rabe, Geschäftsführer des Logistikunternehmens „Klar“ in Wallenhorst, redet Klartext: „Die Leistung der Fahrer wird unterschätzt. Wertschätzung gegenüber Lkw-Fahrern gibt es nicht.“ Es werde über sie geschimpft, es werde ihnen vorgeworfen, die Autobahnen zu verstopfen und unnötige Überholmanöver auszuführen. „Aber fahren Sie mal viereinhalb Stunden hinter einem weißen Kühltransporter her und sehen nur auf eine weiße Wand – das sind doch keine Maschinen, das sind Menschen!“

Um darauf aufmerksam zu machen, das Lkw-Fahrer die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen, spendierte die Firma Klar in Zusammenarbeit mit Dyckerhoff allen, die am Freitag zwischen 11 und 15 Uhr auf dem Lkw-Parkplatz gegenüber des Lengericher Unternehmens fuhren, eine Bratwurst und Getränke. Darüber hinaus war der gemeinnützige Verein „Doc Stop“ auf dem Parkplatz vertreten, um über sich zu informieren. „Wenn ein Fahrer aus Stuttgart plötzlich in Schwerin Zahnschmerzen bekommt – was soll der dann machen?“, fing Jochen Rabe an, eine Situation zu schildern. Er oder auch sie kann dann unter 00 800/03 62 78 67 die Ehrenamtlichen von „Doc Stop“ erreichen. Sie wissen, wo es in der Nähe Ärzte gibt. „Die Fahrer müssen nicht warten, sie kommen sofort dran“, erläutert Andrea Möller von Doc Stop, die extra aus Lüneburg – in ihrer Freizeit – nach Lengerich gekommen und im normalen Leben bei der Autobahnpolizei beschäftigt ist. Wenn der Fahrer mit seinem Lkw nicht zum Arzt gelangen können, weil etwa die Straßen dorthin zu eng seien oder er sie nicht nutzen dürfe, werde schnell eine Lösung gefunden, so Jochen Rabe.

Der lobte am Freitagmittag übrigens Dyckerhoff ganz konkret auch dafür, dass dieses Unternehmen Lkw-Fahrern den Parkplatz gegenüber des Betriebes auch nachts kostenlos zur Verfügung stelle.

Es sei eine Illusion, alles auf dem Wasser oder der Schienen transportieren zu können, so Jochen Rabe im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Die allerwenigsten Lebensmittelgeschäfte lägen am Bahnhof oder an einem Hafen. „Keine Lkw-Fahrt ist sinnlos.“ Dass Berufsbild müsse öffentlich dringend mehr respektiert werden. Die Branche habe schon jetzt Probleme, freie Stellen zu besetzen.

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