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Saisonauftakt im Soundgärtchen

Lukas ist in ganz Lengerich zu hören

Lengerich

„Snowball“ heißt der eigens gedichtete Song des Ibbenbürener Lukas Scholz an diesem lauen Sommerabend – meist tiefgehende Lieder mit einer großen Portion Emotionen und Leidenschaft brachte der Nachwuchsmusiker zum Besten. Voller Glücksgefühle legte er los. Seine Aufregung konnte er hier und da nicht verstecken – aber wer mag`s ihm verübeln: Auch für den 19-Jährigen war es nach langer Zeit wieder der erste Auftritt vor Publikum. Vor 100 Zuschauern im Soundgärtchen. Die gehen in ihre zweite Saison.

Von Luca Pals

Als Lukas Scholz seinen Song zum Besten gibt, ist alles drum herum ruhig. Einzig und allein seine Stimme und Gitarre sind zu hören. Foto: Luca Pals

Und lieferten direkt ab. Thomas Haltermann und Iris Gottwald strahlten bis über beide Ohren, als einer nach dem anderen durch den Eingang kam, seinen negativen Test oder den Impfnachweis vorzeigte und sich einen Platz im gemütlichen Rund suchte. Was 2020 aus einer spontanen Idee entstand, wurde zur Konzertreihe für den Sommer im vergangenen Jahr. Der Erfolg spricht für die Lengericher: Eine Wiederholung in 2021 war ein Muss – einzig und allein die unsichere Corona-Lage bremste aus, das Warten auf das rechtliche Go wurde zur Hängepartie.

Das alles ist Geschichte, das Soundgärtchen schaut nach vorne und präsentierte am Freitagabend dem ausverkauften Publikum drei exzellente Künstler: Lukas Scholz und „Moe“ waren schon 2020 zu Gast im berühmtesten Garten Lengerichs, Bad Temper Joe gab sein Debüt. Ein Gast, der es durchaus in sich hat. Haltermann kann im Interview seinen Stolz nicht verbergen: „Wir haben für dieses Jahr super Musiker zu uns geholt, auch für die nächsten Termine. Aber heute starten wir wirklich mit großer Klasse.“ Bad Temper Joe stand unter anderem im vergangenen Jahr bei der Internationalen Blues Challenge in Memphis im Finale und hat mit zehn Alben bereits einige Veröffentlichungen hinter sich.

Klar, dass das so manchen begeistert hat. Jede Chance für Applaus wurde ausgenutzt, auch die „Zugabe“-Rufe haben die lange Pandemie-Pause überstanden und sind 2021 noch zu hören. Kurzum: Ganz so viel hat sich gar nicht verändert, es fühlt sich an wie „früher“, freut sich Haltermann. Das Publikum kann nebeneinandersitzen, einem festen Sitzplan folgend geht hierbei alles ohne Maske – und das ist auch gut so. Meist kommen die Lengericher zu zweit oder in Gruppen, sitzt man dann neben jemanden, der nicht zum Bekanntenkreis gehört, geht es los: Wer bist du denn? Kommst du öfter hier her? Hach, was haben sie es vermisst, Spontanität und Normalität halten wieder Einzug in den Alltag.

Sicher fühlen sich indes alle. Das macht eine kleine Umfrage in der Pause deutlich. Gisela Schulte aus Lengerich freut sich: „Überhaupt einmal wieder rauszugehen und unter Leuten sein zu können – da bekommt man Gänsehaut.“ Die Stimmung im Soundgärtchen ist für die Rentnerin „besonders urig“. Waltraud Rust freut sich, dass „es einfach wieder losgeht“, und lobt: „Die Konzerte ziehen ein gemischtes Publikum an: Junge Menschen, ältere Menschen – alle kommen zusammen, so sollte es doch sein.“ Und Sandra Backschuster, die schon 2020 so einige Konzerte in Lengerich gesehen hat, stellt „die lockere Atmosphäre“ nach vorne.

Genau das sind die Punkte, die für die Veranstalter so wichtig sind: „Wir nehmen keinen Eintritt, damit jeder zu uns kommen kann und in erster Linie seine Sehnsucht nach Musik und schönen Abenden genießen kann. Für die Künstler lassen wir einen Hut für die Spenden rumgehen“, erklärt Haltermann. Auch für jemanden wie ihn, der im Jahr gut und gerne bis zu 30 Konzerte besucht, geht ein solcher Abend nicht spurlos vorbei. Immer wieder werden sich bei ihm die Haare hochgestellt haben – Gänsehaut-Atmosphäre: „Die Vorbereitung, die eine solche Konzertreihe im Vorfeld bedarf, ist zwar viel Arbeit – aber jetzt macht sich einfach alles bezahlt.“ Nicht zu vergessen: „Das engagierte Team, das uns immer unterstützt.“

Stichwort Gänsehaut-Momente: Als Lukas Scholz seinen Song zum Besten gibt, ist alles drum herum ruhig. Einzig und allein seine Stimme und Gitarre sind zu hören – sie entschweben aus dem Soundgärtchen und es macht den Anschein, dass in diesem Moment die ganze Stadt zuhört: ein Hauch von Normalität eben. Das nächste Konzert im Soundgärtchen ist am kommenden Freitag. Los geht es um 19.30 Uhr. Für den Eintritt gilt auch dann wieder der Nachweis eines negativen Corona-Testes oder einer vollständigen Impfung.

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