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Zu Gast beim Lengericher Motorradclub „Wotans Driver MC“

Männer, die für Werte einstehen

Lengerich

Sie kämpfen mit vielen Vorurteilen. Dabei sind sie doch vor allem ein eingeschworener Haufen. „Eine coole Truppe“, wie Sven Kröger sagt. Beim Besuch von Lengerichs einzigem Motorradclub – dem Wotans Driver MC – wird eines deutlich: Gemeinschaft und Geselligkeit werden dort groß geschrieben.

Von Luca Pals

Scharfe Maschinen und knallharte Jungs: Der Lengericher Motorradclub setzt auf Bruderschaft, Zusammenhalt und Ehrlichkeit. Foto: Luca Pals

Sven Kröger erinnert sich noch gut an seinen Eintritt: „Ich habe einfach gemerkt: Das hier ist eine coole Truppe, hier sind alle gleich und keiner wird schief angeschaut. Was hier zählt, sind Werte wie Ehrlichkeit, Zusammenhalt und Brüderlichkeit.“ Der 36-Jährige bringt knackig auf den Punkt, was der Rest des Clubs mit einem Kopfnicken bestätigt: Hier ist jeder für jeden da, Gemeinschaft und Geselligkeit werden groß geschrieben – beim einzigen Lengericher Motorradclub: dem Wotans Driver MC von 1983.

Wer Lengerich in Richtung Lienen auf der Iburger Straße verlässt, kommt an dem großen schwarzen Banner mit roter Schrift auf grauem Grund kaum vorbei. Dort haben sich die Wotans Driver niedergelassen, dort kommen die aktuell zwölf Mitglieder jeden Freitag zusammen, von dort aus starten die sonntäglichen Ausfahrten und dort steigen seit diesem Jahr auch wieder größere Partys. Wie es sich für einen gut geführten Motorradclub gehört – und die Lengericher sind ein solcher –, übernachten dazu regelmäßig befreundete Biker nach den gemeinsamen Feiern in dem Haus: „Wenn hier richtig was los ist, kann es wohl mal schwierig werden noch einen Parkplatz zu finden“, schmunzelt Jörg Meyer-Holtkamp, der vor Ort der Vorsitzende des Vereins ist, der im kommenden Jahr auf stolze und traditionsreiche 40 Jahre zurückblicken darf.

Dass auch der runde Geburtstag gebührend gefeiert wird, ist so sicher, wie die Tatsache, dass die Männer auf PS-starken Maschinen unterwegs sind. Am 3. Juni 2023 steigt die Feier in der Poolhalle.

Dann werden auch die befreundeten Clubs, die vor allem aus dem Osnabrücker Raum kommen, wieder dabei sein. Dass die Maschinen nach den ersten paar Bierchen am Abend stehen bleiben, ist für alle klar. Betonen sollte man es an dieser Stelle trotzdem einmal, denn: „Natürlich haben wir mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Vielleicht fehlt uns auch deswegen ein bisschen der Nachwuchs“, vermutet Carsten Schmidt.

Knallharte Typen, ein geschlossener Kreis, in den Neumitglieder nur schwer reinkommen und jede Woche mindestens eine Prügelei: Es sind solche Vorurteile, die dem Club aufgrund des generell in Mitleidenschaft gezogenen Rufes der Szene, entgegen schlagen: „Besonders in den vergangenen zehn Jahren ist viel durch die Öffentlichkeit gegangen, was das Bild von uns Motorradfahrern falsch darstellt.“ Dabei sei es doch eigentlich so einfach, finden sie: „Es gibt nichts Geileres, als wenn man als Truppe gemeinsam unterwegs ist. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut“, packt Kröger den passenden Spruch raus.

Demzufolge dürfte er am letzten August-Wochenende ordentlich Entenpelle bekommen. Dann steht eine der traditionellen Touren an, die die Biker bereits nach England, Frankreich, in den Harz oder ins Sauerland geführt haben. Weit in die Ferne schweifen müssen sie aber natürlich nicht immer, zuletzt beim Brunnenfest und nun immer wieder bei „Rock am Rathausplatz“ sind sie auf den Lengericher Kult-Veranstaltungen vor Ort, zeigen Präsenz und wollen – auch wenn sich kaum jemand traue – gerne angesprochen werden. Stets mit Kutte und einheitlicher Kleidung treten die Männer aus Lengerich und Umgebung zu solchen Terminen auf: Geschlossenheit, Brüderlichkeit und Zusammenhalt werden in jeder Faser gelebt und transportiert.

Einer, der fast von Anfang an dabei ist, ist Jürgen Schäfer. Auch er lebt diese Werte, beobachtet, dass sie allgemein aber bei jüngeren Generationen abnehmen würden. Zusätzlich seien gesteigerte Kosten für Führerscheine und die Motorräder ein Grund für fehlenden Nachwuchs. Dazu kommen so manches Mal der schlechte Ruf und natürlich die Corona-Pandemie: „Wir konnten kaum was machen. Natürlich sind wir zusammen gefahren, aber fast nie als ganzer Club und dann auch mit Abstand“, so Kröger. Meyer-Holtkamp ergänzt: „Das war sogar beim Tanken gar nicht möglich, weil wir dann als zu große Gruppe am gleichen Fleck standen.“ Was dem Vorsitzenden aber auch in Erinnerung geblieben ist von einer Pandemie-Zeit, die „hoffentlich jetzt Geschichte ist“? „Uns ist das Bier schlecht geworden – das gab‘s noch nie.“

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