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„Die Villa“ besteht seit 15 Jahren / Tagesstätte betreut psychisch kranke Menschen

Maßgeschneiderte Unterstützung

Lengerich

Das 15-jährige Bestehen ist am Freitag in der „Villa“ gefeiert worden. In der Einrichtung der Reha GmbH für Sozialpsychiatrie werden Menschen mit psychischen Erkrankungen unterstützt und betreut.

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Das Mitarbeiter-Team und die „Villa“-Besucher feierten am Freitag zusammen mit weiteren Gästen. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Sabrina Weber freut sich offenkundig, über „Die Villa“ sprechen zu können. Vor knapp einem Jahr ist sie nach Lengerich gezogen. Dank der Reha GmbH für Sozialpsychiatrie wurde sie auf das Haus an der Straße Im Hook aufmerksam. Nun ist sie Stammbesucherin, und das mit Leidenschaft. „Ich bin morgens immer eine der ersten.“

Am Freitag wurde – mit etwas Corona-bedingter Verspätung – das 15-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert. 30 psychisch kranke Menschen werden momentan in der „Villa“ betreut. Es sei eine Einrichtung angesiedelt zwischen stationärer Hilfe und ambulanter Versorgung, erklärt Reha-Geschäftsführer Klaus Hahn. Ein Team von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmert sich um die Besucherinnen und Besucher.

Hahn erinnert daran, dass es keine Selbstverständlichkeit gewesen sei, die Einrichtung in Lengerich zu etablieren. Seinerzeit hätten die Pläne der Entscheidungsträger eigentlich nur zwei solcher Einrichtungen im Kreis Steinfurt vorgesehen, in Rheine und in Steinfurt. Doch durch die Arbeit eines Vorläufers, des Tageszentrums, sei klar zu Tage getreten, dass es zusätzlich zur stationären Hilfe und zur ambulanten Betreuung eines weiteren Bausteins bedurfte. Denn bei vielen Betroffenen gehe es nicht zuletzt darum, wieder klare Tagesstrukturen aufzubauen. Und das sei durch ein Haus wie die „Villa“ gezielt möglich.

Leiterin Kirsten Riering betont zudem, dass angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse sehr individuell gearbeitet werden könne. Auch das sei wichtig und auf der ambulanten Schiene nicht zu leisten. Konkret heißt das, mit jedem Besucher wird besprochen, wann er kommt und welche Angebote und Arbeiten für sie oder ihn infrage kommen.

Die meisten Personen treffen in der Zeit zwischen 8.30 und 9.30 Uhr im Haus ein. Nach einer gemeinsamen Besprechung folgen zwei je 45-minütige Arbeitsphasen – das reicht vom Putzen und Kochen bis zu kreativen Dingen –, nach einer Mittagspause folgen nochmals zwei Arbeitsphasen, wenn dieses Pensum zu leisten ist. Für Sportliches, Kulturangebote und Beratung bleibt ebenfalls Zeit.

Im Idealfall werden die psychisch kranken Menschen so nach und nach fit gemacht für die Aufnahme einer Arbeit. Das kann beispielsweise bei den Ledder Werkstätten sein – die Reha GmbH ist eine Tochtergesellschaft –, aber auch auf dem ersten Arbeitsmarkt. Aber das „Training“ soll möglicherweise auch befähigen, ein Ehrenamt zu übernehmen oder die Versorgung von Familienangehörigen.

Derzeit allerdings beschäftigen das „Villa“-Team auch noch die Nachwirkungen der Pandemie. Zeitweise musste die Einrichtung schließen, die Arbeit konnte nur per Videokonferenzen, Telefonaten oder Einzeltreffen weitergehen. Zu kompensieren war damit das „normale“ Programm nicht, räumt Riering offen ein. Bei Menschen, die beispielsweise unter Ängsten vor sozialen Kontakten leiden oder unter Antriebslosigkeit, habe das teilweise gravierende Folgen gehabt. „Man muss bedenken, dass die Lockdowns ja schon für gesunde Menschen eine sehr besondere Situation waren“, sagt die Leiterin. Umso mehr sei es für ihre Klientel belastend gewesen.

Am Freitag rückte das einmal in den Hintergrund. Sabrina Weber, Klaus Hahn, Kirsten Riering feierten zusammen mit anderen, dass es die „Villa“ seit 15 Jahren in Lengerich gibt.

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