Mehr Freiheiten

Stadt plant einheitliche Regeln für Spielplätze und Schulhöfe

Lengerich

In Lengerich soll es einheitliche Regeln für die Nutzung von Spielplätzen und Schulhöfen geben. Das hat am Dienstag der Ausschuss Soziales, Generationen, Sport beschlossen. Möglich gemacht werden soll so nicht zuletzt, dass Jugendliche auch in ihrer Freizeit bis in die Abendstunden hinein Schulhöfe aufsuchen können.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

In der Bestandsanalyse der Verwaltung heißt es über den Generationenpark, dass der für eine „Aufwertung“ infrage komme. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Klarere Regeln und mehr Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche bei der Nutzung von Spielplätzen und Schulhöfen, auf dieses Ziel hat sich am Mittwochabend der Ausschuss Soziales, Generationen, Sport verständigt. Anlass für einen entsprechenden einstimmigen Beschluss bot die Vorlage einer Bestandsanalyse der Verwaltung.

Angestoßen wurde die Diskussion vor mittlerweile über zwei Jahren durch den Jugendbeirat. Der hatte Ende Mai 2019 den Antrag gestellt, den Schulhof der Grundschule Intrup bis 20 Uhr offen zu lassen. In der Folge wurde die Verwaltung nach einem Vorstoß der SPD-Fraktion beauftragt, ein „Gesamtkonzept für alle Spielplätze und Pausenhöfe“ zu erstellen. Dies wurde nun als besagte Bestandsanalyse vorgelegt.

Nutzung der Spielplätze und Schulhöfe bis 20 Uhr

Das 29-seitige Papier stieß nicht nur auf positive Resonanz. Bärbel Brengelmann-Teepe bemängelte, dass es lediglich die Ist-Situation darstelle, aber eben kein Konzept sei. Sie verwies auf die sogenannte Spielleitplanung. Die wurde 1999 in Rheinland-Pfalz entwickelt und wird vom Verbund Kinderfreundliche Kommunen als „integratives Planungsinstrument“ definiert, „das die Belange von Kindern und Jugendlichen auf der gesamträumlichen Ebene zur Darstellung bringt“. Dabei finden „alle öffentlichen Freiräume, in denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten und aktiv werden“, Berücksichtigung.

Mit dem Thema Spielleitplanung wollen sich Lokalpolitik und Verwaltung nun intensiver auseinandersetzen. Was aber auch wohl Zeit brauchen wird. Schneller soll es mit zwei anderen im Beschluss fixierten Punkten gehen: Zum einen muss die sogenannte Ordnungsbehördliche Verordnung angepasst werden. In der soll nun einheitlich festgelegt werden, dass Spielplätze und Schulhöfe bis 20 Uhr genutzt werden dürfen. Für Spielplätze und die Schulhöfe der Grundschulen soll dabei eine Altersgrenze bis einschließlich 16 Jahre gelten, bei den weiterführenden Schulen soll auf eine solche Begrenzung verzichtet werden. Zum anderen muss die Verwaltung rechtliche Fragen klären, da mit der Vereinheitlichung auch Nutzungsänderungen von Flächen im Raum stehen.

Während der Diskussion über den Inhalt des Beschlusses waren sich die Mitglieder im Wesentlichen schnell einig. Intensiver debattiert wurde allein um die Altersgrenzen. Geäußert wurde unter anderem von Andreas Kuhn (SPD) die Sorge, dass Schulhöfe als Party-Locations missbraucht werden könnten. Hans Oppermann (FDP) fragte, ob nicht die Gefahr drohe, dass auf Spielplätzen jüngere Kinder von Älteren verdrängt werden könnten. Und Hartmut Grünagel (CDU) sah die Gefahr, dass bei zu großzügigen Regelungen beispielsweise auf dem Schulhof in Hohne auch Autos zu sehen sein könnten.

„Aufwertung des Generationenparks“

In der Bestandsanalyse definiert die Verwaltung die Spielplatz-Nutzergruppe auf die Altersgruppe bis 15 Jahre. Das sind, Stand Ende März 3377 Kinder in Lengerich. Erläutert wird weiter, dass sich die Erreichbarkeit von „Spiel- und Bewegungsflächen“ nach der DIN 18 034 richtet. Die empfiehlt, dass sich für Kinder bis einschließlich fünf Jahre ein Spielplatz in einer Entfernung von maximal 200 Meter Entfernung finden sollte, bei den Sechs- bis Elfjährigen in 400 Meter Entfernung und ab Zwölf dürfen es bis zu 1000 Meter sein.

Aktuell gibt es in Lengerich 22 Spielplätze. Deren Größe schwankt zwischen 582 und 3713 Quadratmetern. „Die Spielplätze sind so konzipiert, dass Kinder jeden Alters (0-15) die Möglichkeit bekommen, (...) selbstbestimmt zu spielen zu toben und sich bewegen zu können“, heißt es in der Bestandsanalyse. Bedarf an weiteren Spielplätzen sieht die Verwaltung im Bereich zwischen Bodelschwinghstraße, Am Feldweg, Wüstenei und südlich der Tecklenburger Straße. Zudem werden mögliche weitere Maßnahmen genannt, darunter eine „Aufwertung des Generationenparks“ an der Gempt-Halle, ein „Pocket-Park“ (kleiner Freiraum), der im Zuge der weiteren Entwicklung auf dem Gelände der noch bestehenden Bodelschwingh-Realschule entstehen könnte, und ein „Themenspielplatz Bergstraße“ etwa gegenüber dem alten Bahnhof – ein Projekt, das auf einer Idee des Bündnis für Familie beruht.

Zudem betonen die Macher der Analyse, dass sich das Papier nicht nur auf Kinder beziehe. „Auch generationsübergreifend soll ein Angebot etabliert werden. Dabei sollen auch die Eltern- und Großelterngenerationen, die die Kinder begleiten, mit in den Blick genommen werden, um an diesen Plätzen Aufenthaltsqualität zu erreichen.“

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