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Lengerich

Molche fangen im Brandteich

Michael Baar

Lengerich - Mit einer „gewaltigen Umstellung“ beginnt die Zeit in Lengerich. Das liegt nicht daran, dass Ernst Hunsicker mit seiner Mutter vorher in Ibbenbüren gewohnt hat. Die Schule ist es, die dem heute 67-Jährigen in Erinnerung geblieben ist. Genauer gesagt, die Teillernmethode dort und die Ganzheitsmethode in Lengerich. Die Konsequenz: In den ersten Sommerferien nach dem Wechsel wurde „tüchtig geübt“. So hat es der in Bad Iburg Lebende in seinem Buch „Kindheits- und Jugenderinnerungen“ geschrieben.

Fünf Jahre, zusammengefasst auf 26 Seiten, hat der spätere Leiter der Kriminalpolizei in Osnabrück in Lengerich gelebt. Es ist eine bunte Mischung, die er aus seiner Lengericher Zeit in Erinnerung behalten hat. Die Wohnungen, die Freunde - „Kontakt gibt´s nicht mehr“ - aus den ersten Schuljahren, die großen Anstrengungen seiner Mutter, sich und den Sohn nicht nur satt zu bekommen.

„Man erlebt vieles nach, was man erlebt hat“, sagt Ernst Hunsicker. Zwei bis drei Monate, überschlägt er im Kopf, habe er an dem Buch geschrieben. „Nachts, wenn ich wach wurde, habe ich Ideen aufgeschrieben oder mich gleich an den Computer gesetzt.“ Vieles, und da spricht Dankbarkeit und Liebe aus seinen Worten, habe ihm seine im vergangenen Jahr verstorbene Mutter erzählt. Das wird sich im Buch durch detaillierte Erzählungen aus frühen Kinderjahren erkennbar.

Als Sechsjähriger ist Ernst Hunsicker mit seiner Mutter nach Lengerich gekommen, als Elfjähriger ziehen sie nach Rühle im Emsland. Was bleibt, sind Erinnerungen: ans Fußballspielen auf einem Platz hinter dem Feuerwehrhaus; an Molche und Fische fangen am Brandteich. Eine kleine Schleie nimmt der Sechsjährige mit nach Hause, setzt sie wenige Tage später im Bach, „der durch Röttgers Busch fließt“, wieder aus.

Da ist die „Lengericher Rasselbande“, die Kinder aus der Nachbarschaft Tecklenburger Straße 83, auf einem Schwarz-Weiß-Foto verewigt: Hildegund Orbat, Gerda Wierwille, Wolfgang Körner, Ernst Hunsicker, Christa Wierwille, Manfred Orbat und Wilfried Kipp. Mit seiner Clique - „Wolfgang, Christa, Wilfried, Manfred“ - wird 1953 die erste Coca-Cola getrunken. „Mehr als lauwarm“, ist im Buch nachzulesen. Aber der Fahrer eines vor der Gaststätte „Zur Mühle“ stehenden Getränkelasters hatte den Ausdruck in den Augen der Kinder wohl richtig gedeutet: Jeder erhielt eine Flasche der schwarzen Brause zum sofortigen Trinken.

Was auffällt am Buch von Ernst Hunsicker, sind die vielen Fußnoten und die gelungenen Verweise auf historische Ereignisse der Zeit. Manches Alltägliche wird - gerade für Jüngere - leichter verständlich.

Ab und zu ist der Pensionär in Lengerich. „Ich fahre viel Rad und bin immer wieder mal in Lengerich“, lächelt er verschmitzt. „Viel Rad“, das sind 100 bis 160 Kilometer am Tag. „Wenn Zeit ist und das Wetter passt“, schiebt er hinterher. Drei bis vier Mal pro Woche, von Februar bis November. Im Winter „schreibe ich mehr als im Sommer“. Da ist es wieder, dieses verschmitzte Lächeln.

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