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64-jähriger Lengericher wegen Besitz kinderpornografischer Dateien verurteilt

Motiv ist schwer zu ergründen

Lengerich/Tecklenburg

Die Staatsanwaltschaft warf einem zweifachen Familienvater vor, in einem Zeitraum von November 2015 bis zur Hausdurchsuchung im Sommer 2020 in elf Fällen Dateien kinderpornografischen Inhalts und in 27 Fällen jugendpornografischen Inhalts besessen und verbreitet zu haben. Nun fand die Gerichtsverhandlung statt.

Von Gernot Gierschnerund

Bei einer Hausdurchsuchung im August 2020 fand die Polizei bei einem Mann aus Lengerich rund 25 000 Bilder und Videos mit kinder- beziehungsweise jugendpornografischem Inhalt. Am Freitag fand nun die Verhandlung gegen den 64-Jährigen vor dem Amtsgericht Tecklenburg statt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem zweifachen Familienvater vor, in einem Zeitraum von November 2015 bis zur Hausdurchsuchung im Sommer 2020 in elf Fällen Dateien kinderpornografischen Inhalts und in 27 Fällen jugendpornografischen Inhalts besessen und verbreitet zu haben. Der 28. Anklagepunkt lautete Besitz von Daten mit gleichem Inhalt und zwar in einem erheblichen Umfang. Fünf Computer, vier Handys und eine große Zahl Speichermedien wurden von der Polizei sichergestellt und ausgewertet.

Erheblicher Umfang

Die am schwersten wiegenden Vorwürfe, die Verbreitung von zwölf kinderpornografischen Dateien, würden nach heutigem Strafrecht jeweils als Verbrechen gewertet. „Sie haben Glück, dass Sie 2020 erwischt wurden, heute bekämen Sie für jeden einzelnen Anklagepunkt ein Jahr Gefängnis als Mindeststrafe,“ so die Staatsanwältin im Verfahren. Gleich zu Beginn der Verhandlung erklärte der Verteidiger, dass sein Mandant sich zu sämtlichen Anklagepunkten geständig einlassen würde. Somit konnte die Beweisaufnahme verkürzt werden.

Bei dem Versuch, die Motive des Angeklagten zu ergründen, stieß das Gericht allerdings an Grenzen. Seine pädophilen Neigungen hätten sich nach dem Tod seiner Frau im Lauf der Zeit entwickelt, so der Angeklagte. Über den Internetchat in einem Forum für Homosexuelle sei er auf seine späteren Tauschpartner gestoßen. Ab 2015 habe er dann mit diesen – viele davon werden in gesonderten Verfahren angeklagt – Bilder und Videos getauscht.

Bilder und Videos getauscht

Einsicht in das Unrecht seiner Taten habe er erst im Nachhinein gewonnen. So begann er inzwischen mit einer Therapie zur Behandlung seiner Neigungen. Auf die mehrfache Nachfrage der Staatsanwaltschaft, ob er sich nicht spätesten nach den großen Missbrauchsfällen von Lügde und Münster mitschuldig gefühlt habe, hatte der Mann keine befriedigende Antwort. Er habe niemals daran gedacht, seine Fantasien auszuleben und auch keine „brutalen“ (Zitat) Bilder und Videos gespeichert. „Die Chat-Protokolle sprechen da aber eine andere Sprache,“ hielt ihm der Vorsitzende Richter entgegen. Darin hatte sich der Angeklagte mit einem Mann über Missbrauchsfantasien mit der kleinen Tochter des anderen ausgetauscht. Auch der Kontaktversuch zu einer vermeintlich 13-Jährigen sei recht eindeutig befand der Richter. Dass es sich hierbei um einen Fake-Chat mit einem Mann gehandelt habe spiele dabei keine Rolle.

Am Ende wurde der bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getretene Lengericher zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zu Bewährung ausgesetzt und der Verurteilte hat eine Geldbuße von 4000 an den Kinderschutzbund NRW zu zahlen. Ihm wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt und er muss sich einer Therapie unterziehen.

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