500 Besucher beim Konzert „Rock gegen Hass und Hetze“

Musik und deutliche Worte

Lengerich

Zu einem Konzert „Rock gegen Hass und Hetze“ hatte am Donnerstag der DGB Lengerich eingeladen. Die Besucher bekamen nicht nur Musik von zwei Bands zu hören, sondern auch deutliche Worte von Pfarrer Peter Kossen.

Gernot Gierschner

„Charmana“ (links) war eine von zwei Bands, die am Donnerstagabend auf dem gut besuchten Rathausplatz spielten. Foto: Gernot Gierschner

Am Donnerstagabend gab es wieder Rockmusik auf dem Lengericher Rathausplatz. Alles war so wie in den vergangenen Wochen. Es sah wie die Verlängerung der „Rock am Rathaus“-Konzerte aus. Bei angenehmem Sommerwetter hatten sich schon zu Beginn zirka 300 Besucher eingefunden. Und doch war einiges anders. Die Bühne stand nicht unter den Platanen, das Konzert begann schon um 18.30 Uhr und eingeladen hatte diesmal der DGB-Ortsverband Lengerich. Dessen Motto lautete „Rock gegen Hass und Hetze“.

„Die Würde des Menschen ist unteilbar“, sagte Wilhelm Hügging, Vorsitzender des Ortsverbands, in seinem Grußwort. Er rief dazu auf, Hass und Hetze entgegenzutreten, wo immer sie sich zeigten.

Für die außergewöhnliche kulinarische Versorgung mit Falafel und anderen orientalischen Köstlichkeiten sorgten die Flüchtlingshilfen aus Lengerich und Lotte, aber auch die Belegschaft des „Römers“ bewirtete in gewohnter Manier (sogar nicht aufgebrauchte Verzehrkarten von den „Rock am Rathaus“-Konzerten konnten eingelöst werden). Es war bunt, laut und politisch im Zentrum Lengerichs. Und die im Rat vertretenen Parteien zeigten ebenfalls „Flagge gegen Hass und Hetze“, wie Andreas Kuhn, Fraktionsvorsitzender der SPD, betonte.

Hauptredner des Abends war indes Peter Kossen. Der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde macht seit Langem mobil vor allem gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmern aus Südosteuropa und ist Mitbegründer des „Würde und Gerechtigkeit“. Er richtete das Augenmerk auf, wie er sagte, „Arbeitssklaverei“ und nahm dabei nicht zuletzt die fleischverarbeitende Indus-trie ins Visier. Der warf er vor, Menschen wie Maschinen zu gebrauchen, sie an- und abzuschalten und bei Bedarf auch zu „verschrotten“. Der Pfarrer mahnte die Besucher, nicht wegzusehen: „Ausbeutung von Menschen funktioniert dort, wo sie keine Namen haben, kein Gesicht, auch hier bei uns in Lengerich.“ Er rief dazu auf, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und bei erkennbaren Missständen die Behörden zu informieren.

Kossen verwies weiter auf Statistiken, die besagen, dass eine Million Männer in Deutschland täglich zu Prostituierten gehen. Ein Großteil dieser Frauen stamme aus Bulgarien und Rumänien, der „Markt“ werde von den gleichen Schleppern bedient wie der der „Arbeitssklaven“.

Neben Kossen waren zwei Bands die wichtigsten Akteure des Abends. „Charmana“ eröffnete den musikalischen Teil mit Independent Rock. „Eigensinnig. Druckvoll. Melodieverliebt“, wie sie sich selbst bezeichnen. „Seit fast 30 Jahren unterstützt Charmana unsere Anliegen mit ihrer Musik,“ lobte Wilhelm Hügging das Engagement der Lokalmatadore. Anschließend rockte „Safkan“ aus Osnabrück die Bühne. Sie verbinden die Energie und Geradlinigkeit westlicher Rockmusik mit der Emotionalität und kulturellen Vielfalt türkischer Musik.

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