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AWO: Telefonsprechstunde als „Corona-Überbrückungshilfe“ / Begegnungszentrum öffnet wieder am 15. Juni

Nur zuhören kann schon reichen

Lengerich

Die Corona-Pandemie hat auch bei der Arbeiterwohlfahrt die Aktivitäten ausgebremst. Die AWO hat dafür eine besondere Lösung gefunden: die Telefonsprechstunde. Drei Mal in der Woche ist ein Helferteam um die Vorsitzende Gerda Stiller im Einsatz.

Von Paul Meyer zu Brickweddeund

Der Schultebeyringhof ist die Heimat des AWO-Ortsvereins. Vor Corona wurden dort neben verschiedenen regelmäßigen Angeboten zahlreiche weitere Veranstaltungen organisiert. So sprach beispielsweise der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Anfang 2019 beim Neujahrsempfang des Kreisverbandes. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde (2), AWO Lengerich (2)

Den Kontakt zu den Mitgliedern wahren, die Leute bei der Stange halten – für viele Vereine ist das während der Corona-Pandemie ein besonders wichtige und herausfordernde Aufgabe. Die AWO in Lengerich hat dafür offenbar eine gute Lösung gefunden: die Telefonsprechstunde.

Drei Mal in der Woche ist ein Helferteam um die Vorsitzende Gerda Stiller im Einsatz. Jeweils zwei oder drei der Aktiven übernehmen eine der Schichten. Die sind immer dienstags, mittwochs und donnerstags von 14 bis 16 Uhr. Das hat seinen guten Grund. Ungefähr zu diesen Zeiten trafen sich vor Corona verschiedene Gruppen im Schultebeyringhof, dem Begegnungszentrum der AWO. Da wurde dann zum Beispiel Doppelkopf gespielt, Handarbeiten standen auf dem Programm oder auch Hockergymnastik. Gerda Stiller nennt die Mitglieder, die diese Angebote in schöner Regelmäßigkeit nutzten, die „Stammgäste“, die für den AWO-Ortsverein „ganz wichtig“ seien. „Sie brauchen uns, wir brauchen sie“, sagt die Vorsitzende.

Etwa 100 der rund 260 Menschen, die zur Arbeiterwohlfahrt in Lengerich gehören, erreiche man mit der Telefonsprechstunde. Die wurde recht bald nach Beginn der Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen eingeführt. Zunächst habe im Vordergrund gestanden, zu erfahren, ob Hilfe etwa beim Einkauf oder Ähnliches benötigt wurde. Schließlich, so Stiller, handele es sich überwiegend um ältere Personen, von denen viele alleinstehend seien. Doch die meisten hätten durch Familie, Verwandtschaft oder Nachbarn Unterstützung erfahren. So verschoben sich die Schwerpunkte bei den Gesprächen am Telefon. Nun ging es mehr ums Zuhören, Privates und Vertrauliches kam und kommt zur Sprache. Die Resonanz sei „toll“, zahlreiche der AWO-Mitglieder seien sehr dankbar, dass es den Service gebe.

Nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 konnte im Sommer und Herbst zeitweise so etwas wie Normalbetrieb bei der AWO einkehren. Doch dann war mit den steigenden Infektionszahlen wieder Schluss damit, die Telefonsprechstunde wurden wieder aufgenommen. Statt Bingo also Plaudern. Dass das seinen Wert für nicht wenige hat, hat Gerda Stiller in den vergangenen Monaten immer wieder erfahren. „Manchmal schütten uns die Leute auch einfach ihr Herz aus“, sagt sie.

In der Regel ruft das Helferteam die Leute an, wobei, wie Gerda Stiller mit einem Schmunzeln erzählt, bei dem ein und der anderen auch auf Details wie die Mittagspause Rücksicht genommen werde. Manche würden sich aber auch von sich aus melden. Der Vorsitzenden ist gleichwohl bewusst, dass die Sprechstunden das Mitein-ander im Begegnungszentrum auf Dauer nicht ersetzen können. Der Wunsch vieler Mitglieder sei groß, dort endlich wieder regelmäßig zusammenzukommen. Und dem kann der Vorstand nun endlich Rechnung tragen. Am Mittwochabend wurde beschlossen, dass es am Dienstag, 15. Juni, im Schultebeyringhof wieder losgehen soll – mit den Kartenspielern. Das Sonntagscafé, kündigt Gerda Stiller an, werde wieder ab Juli stattfinden.

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