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25-Jähriger rastet nach Urteilsverkündung aus

Prozess endet mit lautem Gebrüll

Lengerich

Der rebellische 25-jährige Angeklagte aus Lengerich wurde am Freitag erneut dem Schöffengericht in Rheine aus der Strafhaft vorgeführt. Er war angeklagt wegen diverser Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung, drei Fahrten ohne Führerschein, Beleidigung und Bedrohung (die WN berichteten). Nach der Urteilsverkündung rastete er aus.

Mario Otte

Seine Verteidigerin hatte am letzten Verhandlungstag einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin gestellt, weil diese auf einen geladenen Zeugen, der nicht erschienen war, verzichtete. Ausdrücklich hatte die Richterin ihr zuvor erklärt: „Selbst wenn der Zeuge die Bedrohung ihres Mandanten in dem Baumarkt am 20. April 2020 bestätigt, ändert das nichts an seiner Fahrt ohne Führerschein.“ Er sei im Anschluss durch die ganze Stadt gefahren und dabei von einem Polizeibeamten verfolgt worden. „Ihr Mandant saß nach dessen Aussage ganz entspannt in seinem Pkw, telefonierte mit seinem Handy und nahm sogar noch Beifahrer auf. Die sagten als Zeugen, dass er sie am Handy zu einer Spritztour eingeladen hätte. Wenn jemand sich bedroht fühlt, wie Ihr Mandant behauptet, entspricht das nicht einem Panikverhalten“, so die Richterin.

Am Freitag wurde der Befangenheitsantrag zurückgewiesen. Er war von einem anderen Richter am Amtsgericht Rheine geprüft worden. Das versetzte den Angeklagten sofort in eine Widerspruchshaltung, verstärkt durch seine Anwältin.

Die Richterin schloss die Beweisaufnahme, nachdem keine neuen Beweisanträge gestellt wurden. Daraufhin beantragte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ein Jahr und acht Monate ohne Bewährung wegen unerlaubten Eindringens in den Aufwachraum des Mathias-Spitals am 13. Oktober 2019, fünf Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz gegenüber seiner Ex-Freundin, Widerstands und tätlichen Angriffs sowie Bedrohung der Polizei am 12. November 2019 (mit den Worten: „Ich steche eher einen Polizisten ab als eine Frau“), fahrlässiger Körperverletzung der Beamten, Beleidigung und Bedrohung sowie drei Fahrten ohne Führerschein.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag in vollem Umfang. Die Richterin bezeichnete die Angaben des Angeklagten, die er in seinem letzten Wort ausführlich gemacht hatte, in der Urteilsbegründung als „Ausreden wie viele andere“. Danach rastete der Verurteilte völlig aus. Er wollte unbedingt mit seiner Mutter und seiner Schwester im Gerichtssaal Kontakt aufnehmen, was die Richterin jedoch unterband. Unter seinem lauten Gebrüll beendete die Richterin die Urteilsbegründung mit dem Hinweis auf die Möglichkeit eines Berufungsverfahrens und ließ den Angeklagten abführen. Er hatte bereits in den vorherigen Verhandlungen Ordnungsstrafen kassiert, weil er ständig ungefragt dazwischenredete.

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