Team des ARD-Magazins Report München dreht im Naturschutzgebiet Canyon

Regeln ja, aber keine Zäune

Lengerich

„90 bis 95 Prozent der Menschen halten sich an die Regeln“, machen Bürgermeister Wilhelm Möhrke und Ordnungsamtsleiter Ludger Dierkes während des Drehs des ARD-Teams im Lengericher Canyon deutlich. Redakteur Ahmet Şenyurt und seine Kameramänner waren für das Magazin Report in der „Stadt im Weitblick“. Sie wollten unter anderem Antworten auf die Frage, ob Navigations-Apps wie Komoot aus Naherholungsgebieten Hotspots mit allen unschönen Folgen machen.

Von Dietlind Ellerichund

Bürgermeister Wilhelm Möhrke steht dem ARD-Team Rede und Antwort. „Die Natur soll für die Menschen erreichbar sein“, sagt er auf die Frage, ob das Gebiet zum Schutz derselben eingezäunt werden müsse. „Auf keinen Fall“, macht Möhrke deutlich. Foto: Dietlind Ellerich

15 Grad und wolkig präsentiert sich das Wetter am Sonntagmorgen. Vom „Vorführeffekt“ spricht Wilhelm Möhrke.

Tausende von Menschen werden sich heute wohl nicht im Naherholungsgebiet am Canyon tummeln. Der Bürgermeister wartet auf Ahmet Şenyurt und sein Kamerateam. Das Trio ist für das ARD-Magazin Report München zu Gast in der „Stadt mit Weitblick“. Bei ihrer Recherche über die Frage, ob und wie soziale Medien und Navigations-Apps Einfluss nehmen, ob Naturschutzgebiete von Menschenmengen überlaufen werden, machen sie am „Königsseeblick“ in Bayern, an einem von Wanderern selbst erkorenen Weg über einen Acker in Baden-Württemberg und am Sonntag in Lengerich Station.

Zurück zur heimischen Natur, auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie. Grundsätzlich sei es schön, wenn die Heimat wieder mehr in den Fokus gerückt werde, sind sich Bürgermeister Wilhelm Möhrke und Ordnungsamtsleiter Ludger Dierkes einig. Was es aber mit der Natur macht, wenn Tausende von Menschen an Schönwettertagen den Canyon, in dem es Feuersalamander, Blindschleichen, Uhus und andere Tiere und Pflanzen zu schützen gilt, erobern, haben die Stadt und der Kreis Steinfurt als zuständige Naturschutzbehörde in den vergangenen Monaten im Canyon leidvoll erfahren (WN berichteten).

„Man muss nicht mehr ins Naherholungsgebiet Canyon, die Menschen drängeln sich in Münster und Osnabrück“, sagt Möhrke schmunzelnd. Ob das der Grund für die am Morgen noch überschaubare Menge von Autos auf dem Parkplatz oder doch das bedeckte Wetter, darauf mag er sich nicht festlegen. Fakt ist jedenfalls, dass viele Gäste von weither angereist sind. Die Nachbarkreise Coesfeld und Warendorf sind ebenso vertreten wie Oldenburg und Osnabrück, Bielefeld und Recklinghausen. Selbst Bergheim bei Köln ist vertreten. Der freie Mitarbeiter des Senders, Şenyurt, kommt aus Köln, das Kamerateam aus Dortmund.

Ist der Canyon zum Hotspot geworden?Am Sonntagmorgen sieht es nicht danach aus. Zwar sind viele Wanderer, Einzelpersonen, Familien und Gruppen auf den Wegen unterwegs, halten Abstand an den Plattformen, um den Ausblick in die blaue Lagune, ins Grüne und auf die Ziegen zu genießen, aber niemand verlässt die Wege, niemand breitet Picknickdecken im Naturschutzgebiet aus. „90 bis 95 Prozent der Menschen halten sich an die Regeln“, bestätigen Möhrke und Dierkes im Gespräch mit Ahmet Şenyurt.

Daniela Borchert aus Westerkappeln und Petra Junklewitz aus Osnabrück trainieren für ihre in zwei Wochen geplante Alpenüberquerung, sind seit dem vergangenen Herbst regelmäßig in der Gegend unterwegs. Die Navigations-App Komoot kennen die beiden Frauen, die aber bereitwillig ihr analoges Kartenmaterial vor der Kamera ausbreiten.

Ein Osnabrücker und eine Rheinenserin, die gemeinsam unterwegs sind, freuen sich über die schöne Landschaft quasi vor der Haustür und darüber, keine weiten Anfahrten zu ihren Wanderungen zu haben. Die Frau findet den Service der Komoot-App praktisch, ist sich aber durchaus der Folgen für die Umwelt bewusst. Ihre Konsequenz hat sie bereits gezogen. Zum Hockenden Weib nach Dörenthe fahre sie nicht mehr, dort sei es ständig überlaufen, weiß sie.

Wilhelm Möhrke plädiert dafür, die Menschen mitzunehmen. „Der Kreis muss deutlich machen, was dort zu schützen ist“, sagt er mit Blick auf Flora und Fauna. Bei Menschen, die die Regeln nicht respektieren, kennt er kein Pardon.

Der Bürgermeister macht aber auch deutlich, dass er auf die Unterstützung des Landrats zählen kann. Die Bedenken des Kreises, dass nach einem Fernsehbericht über den Canyon noch mehr Besucher kommen würden, teilt er ebenso so wenig wie der ARD-Mitarbeiter. Şenyurt hatte auch den Kreis zum Termin eingeladen und eine Absage bekommen.

Es suchen zwar nicht Tausende Besucher am Sonntag Erholung im Naturschutzgebiet am Canyon, aber dennoch sind viele – disziplinierte – Wanderer oben auf den Wegen unterwegs. Wie es sich unten am Wasser verhält, möchten sich ARD-Redakteur Ahmet Şenyurt und seine Kameraleute noch später am Tag anschauen.

Report München mit dem gut sechsminütigen Beitrag über den Canyon, den Königsseeblick und den Wanderweg auf dem Acker wird am Dienstag, 8. Juni, um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

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