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Schulbusverkehr in Corona-Zeiten

Regelungen weiter nicht in Sicht

Lengerich

Noch gibt es Präsenzunterricht längst nicht wieder für alle Schüler. Sollte sich das ändern, werden auch wieder mehr Kinder und Jugendliche Schulbusse nutzen. Stellt sich die Frage, ob die in einer so großen Zahl unterwegs sein werden, dass es in den Fahrzeugen nicht allzu eng in Corona-Zeiten zugehen wird.

Paul Meyer zu Brickwedde

So sah es im vergangenen Herbst bei Schulschluss an der Haltestelle „Katholische Kirche“ aus. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Seit Mitte Dezember haben die meisten Schüler in NRW nicht mehr ihren Platz in den Klassen- und Kursräumen eingenommen. Lediglich die Kinder, die die ersten bis vierten Klassen besuchen, sowie jene Jugendlichen, die vor ihrem Abschluss stehen, können mittlerweile wieder in die Schulen kommen. Zudem gibt es die Notbetreuung. Spätestens diese Phase des umfassenden Distanzunterrichts sollte genutzt werden, um Regelungen für den Schulbusverkehr zu finden. So wird wohl manche Mutter und mancher Vater angesichts voller Busse im Sommer und Herbst denken. Momentan zeichnet sich das in Lengerich jedoch noch nicht ab.

Das Thema ist in der Lokalpolitik in den vergangenen Monaten bereits mehrfach aufgeploppt. Zuletzt am Dienstag während einer nichtöffentlichen, digitalen Informationsveranstaltung für den Ausschuss Schule und Kultur (die üblichen öffentlichen Ausschusssitzungen finden derzeit nicht statt). Ein Mitarbeiter der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) berichtete von Fahrgastzählungen, die erwartungsgemäß zu dem Ergebnis gekommen sind, dass momentan nur sehr wenige Schüler in den Bussen mitfahren.

Wesentlich interessanter dürfte für die Zuhörer die Information gewesen sein, ab welcher Grenze momentan ein Bus als voll gilt: Alle Sitzplätze sowie einige Stehplätze könnten genutzt werden, hieß es. Gegenüber den Westfälischen Nachrichten ergänzte am Mittwoch RVM-Pressesprecher Björn Lindner, dass man damit unter den zu „normalen“ Zeiten geltenden Kapazitätsgrenzen bleibe. Die Corona-Abstandsregeln, wie sie vielerorts und – wenn denn Präsenzunterricht stattfindet – auch in den Schulen gelten, werden so indes nicht eingehalten. Müssen sie aber auch nicht. In der Coronaschutzverordnung des Landes heißt es: „Der Mindestabstand darf unterschritten werden (. . .) bei der Nutzung von Beförderungsleistungen des Personenverkehrs und seiner Einrichtungen“.

Darauf angesprochen, reagiert Bürgermeister Wilhelm Möhrke mit deutlicher Kritik. Er vermisse in diesem Zusammenhang klare Regeln von Bund und Land. Es könne nicht sein, dass über das Corona-Vorgehen in Sachen Schulen lang und breit diskutiert werde und dort strikte Vorgaben gemacht würden, und dann nach Unterrichtsende die Kinder und Jugendlichen im Bus eng nebeneinander sitzen.

Weiter betont Möhrke, dass die Stadt als Schulträger grundsätzlich zusätzliche Busfahrten bei der RVM beantragen könne. Gleichzeitig verweist er aber darauf, dass die Kommune bereits jährlich 450 000 Euro für den Schülertransport ausgeben müsse, während andere Orte wie Lienen und Ladbergen aufgrund fehlender weiterführender Schulen derlei Kosten nicht hätten und somit nun auch nicht vor dem Problem stünden, über eine Aufstockung des Angebots nachdenken zu müssen. Aus Sicht des Bürgermeisters bedarf es einer „gerechten kreisweiten Regelung“. Das erforderliche Konzept, so sein Vorschlag, könnte von der RVM kommen.

„Ja, natürlich wären wir dazu in der Lage“, sagt deren Sprecher Björn Lindner. Allerdings sollte zunächst abgewartet werden, ob es bei einer Ausweitung des Präsenzunterrichts auch neue Regelungen für den ÖPNV gebe. Zudem müssten die Auftraggeber der RVM klare Zielvorgaben machen. Und selbst dann bliebe die Planung eine Gleichung mit vielen Variablen. Beispielhaft nennt Lindner die Abiturienten, die aus den Berechnungen schon im Lauf des Frühjahrs rausfielen, Berufsschüler, die nur an einigen Tagen unterwegs seien, oder Unterrichtsausfall und schlechtes beziehungsweise gutes Wetter. Faktoren, die ebenfalls Einfluss auf die Zahl der Schüler hätten, die den Bus nutzen.

Gleichwohl gelte es nun, über das Thema „in den Dialog mit den Kommunen zu kommen“.

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