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Sabine und Heino Knuf holen „Radeln im Alter“ nach Lengerich

Rikscha-Projekt kommt ins Rollen

Lengerich

Senioren und Behinderten kostenlos Fahrten mit einer E-Rikscha anbieten, das wollen Sabine und Heino Knuf. Sie bekommen Fördergelder, haben schon Spenden erhalten und Mitstreiter gewonnen. Die Stadt wird damit Teil eines großen Netzwerkes, denn bei „Radeln ohne Alter“ machen bereits Ehrenamtliche in zahlreichen Kommunen mit.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Sabine und Heino Knuf bei einer Probefahrt. Das getestete Rikscha-Modell soll auch in Lengerich zum Einsatz kommen Foto: Knuf

Manchmal kann es ganz schnell gehen, wenn der Staat bestimmte Vorhaben mit einer Finanzspritze unterstützen will. Frank Lammert und Christine Elias sind immer noch erstaunt, wie flott das im Fall von Sabine und Heino Knuf funktionierte.

Das Ehepaar möchte in Lengerich Rikschas auf die Straße bringen – und damit vor allem Senioren und Behinderten ein besonderes Angebot machen. Um das finanziell zu stemmen, wurde die Stadt mit ins Boot geholt, die einen Förderantrag ans Land auf den Weg brachte. „Nach zwei Tagen war die Zusage da“, berichtet Klimamanagerin Elias. „Ein Rekord“, ergänzt Kollege Lammert. 8400 Euro sind geflossen.

Der erste Beigeordnete ist zusammen mit der Klimamanagerin ins Heimathaus gekommen. Dort stellen die Knufs ihr Projekt vor. Neben der Stadt haben sie eine Reihe weiterer Partner und Helfer gefunden, die sie unterstützen. Da wäre zum Beispiel der Heimatverein, der ihnen das organisatorische Dach bietet, unter dem sie mit ihrer Rikscha-Idee schlüpfen konnten. Dann die Stadtsparkasse und die Leugermann-Apotheken, die durch „großzügige Spenden“, so Sabine Knuf, ebenfalls dazu beitragen, das Finanzielle zu regeln. I

hr Mann ergänzt die Aufzählung um die „Offensive“, die zugesagt habe, das Rikscha-Projekt in eigene Vorhaben zu integrieren, und nicht zu vergessen das Haus Widum, wo am 26. März eine Informationsveranstaltung stattfinden soll. Nicht zu vergessen ist natürlich der Verein Radeln ohne Alter mit Sitz in Bonn.

Ehrenamtliche Rikschafahrten: Für beide Seiten eine Bereicherung

Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland. Über die Zielsetzung heißt es: „Auch im hohen Alter kann und sollte das Leben noch voller Glück und Zufriedenheit sein – davon sind wir von Radeln ohne Alter überzeugt. Deswegen unternehmen wir ehrenamtlich Rikscha-Fahrten mit Bewohner*innen von Alters- und Pflegeeinrichtungen. Jede Rikscha-Fahrt ist für unsere Senior*innen und die Pilot*innen ein kleines Abenteuer, bei dem gemeinsame Erinnerungen geschaffen und Lebensgeschichten geteilt werden.

Für beide Seiten ist sie eine Bereicherung – und manchmal macht sie aus Unbekannten Freunde.“ Darauf sind die Knufs durch Zufall aufmerksam geworden. Und es passte, betonen sie, da sie ohnehin schon seit Längerem geplant hätten, „etwas für Ältere“ zu machen. Sie verweisen auf Sabine Knufs 86-jährige Mutter, von der sie wüssten, dass sie allzu gerne noch radeln würde, aber es aus Sicherheitsgründen nicht mehr tut. Eine Rikscha-Fahrt könnte in solchen Fällen eine Art Ersatz sein.

Seit vier Monaten verfolgen die beiden Lengericher ihr Ziel. Zwei Rikschas sind mittlerweile bestellt und werden vielleicht schon im März geliefert. Für Freitag, 4. März, ist ab 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Heimathaus geplant, für alle Interessierten, aber vor allem für jene, die sich vorstellen können, „Pilot“ zu werden, so die Bezeichnung für die künftigen Rikscha-Fahrer. Und am Samstag, 26. März, folgt ein weiterer Termin, dann im Haus Widum, um dort über das Rikscha-Projekt zu berichten. Die Knufs wollen an diesem Tag auch eine Premierenfahrt in Lengerich unternehmen.

Es geht nicht um die Anzahl der Kilometer

Wichtig ist ihnen vor allem, dass allen – den Ehrenamtlichen und den Fahrgästen – bewusst ist, dass es weder darum geht, möglichst viele Kilometer abzustrampeln noch wie ein Taxiunternehmen jemanden von A nach B zu bringen. Vielmehr seien beim „Radeln ohne Alter“ Kommunikation, das gemeinsame Erleben, das Zusammenbringen verschiedener Generationen und auch ein Stück Freiheit die zentralen Elemente. Das könne beispielsweise eine kleine Tour zum Lieblingscafé sein, eine Fahrt zum Wochenmarkt, zum Friedhof oder auch zu einem Picknick im Grünen. Alles kostenlos.

Die Rikschas seien so ausgelegt, dass sie es dem „Piloten“ problemlos ermöglichten, sich mit den Fahrgästen zu unterhalten, erklären die Projekt-Macher weiter. Beim Treten bekommen die künftigen Ehrenamtlichen elektrische Unterstützung. Und weil sich das Fahren mit ihnen schon vom normalen Radeln unterscheidet, soll es auch Schulungen geben, kündigen die Knufs an.

Mit ihrem Konzept und ihrem Elan haben sie ihre Unterstützer schnell und voll überzeugt. Dr. Alois Thomes, Vorsitzender des Heimatvereins, sagt, er sei sofort von der Idee überzeugt gewesen und habe gedacht, „dass könnte etwas für den Heimatverein sein“. Er liefert auch noch ein Motto für das, was da auf die Stadt zurollt: „Lengerich erfahren“.

Spenden zur Unterstützung des Projekts

Sabine und Heino Knuf haben in den vergangenen Wochen und Monaten bereits viel erreicht und abgearbeitet. Doch noch sind einige Hausaufgaben zu erledigen, um „Radeln ohne Alter“ in der Kommune ans Laufen zu bringen. Flyer soll es geben, eine Internetseite und ein Buchungsportal. 20 bis 30 „Piloten“ soll es geben. Und, nicht zu vergessen, alles will finanziert sein. Abzüglich der Fördermittel vom Land müsse alles über Spenden laufen, sagen die Knufs. Nach Abzug der Gelder, die bereits eingesammelt wurden, bleibe noch ein fünfstelliger Betrag offen, den sie hoffen, in den kommenden nächsten Monaten zu generieren. „Hier hilft uns jeder Betrag, egal in welcher Höhe“, betont Heino Knuf.

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann seine Spende auf das Konto des Heimatvereins bei der Stadtsparkasse überweisen (IBAN DE60 4015 4476 0001 1600 92). Nähere Informationen erteilen Sabine und Heino Knuf (0170/58 72 481 oder 05481/98 616, E-Mail radelnohnealter@heimatvereinlengerich.de).

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