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„Aktion Würde & Gerechtigkeit“

„Rückenwind für unsere Arbeit“

Lengerich

Zur Mitgliederversammlung hatte jetzt der Lengericher Verein „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ eingeladen. Deutlich zur Sprache kam dabei, dass es aus Sicht der Verantwortlichen nach wie vor viele Missstände in Bezug auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitsmigranten gibt. „Arbeitszeitbetrug und Repressalien sind nach wie vor an der Tagesordnung“, hieß es.

-mba-

Der Vorstand des Vereins „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ Lengerich (von links): Hermann Lütkeschümer (Finanzen), Saskia Wanke (Beisitzerin), Torsten von Düllen (Beisitzer), Mariya Krumova (Beisitzerin), Peter Kossen (Vorsitzender) und Pia Dömer (2. Vorsitzende). Dr. Ljiljana Joksimovic (kleines Bild) referierte über das Thema „Migration und Trauma“. Foto: Michael Baar

Seit Jahresbeginn gibt es das Arbeitsschutzkontrollgesetz. Nach den Worten von Peter Kossen kann es allenfalls ein erster Schritt auf dem Weg sein, die Lebenssituation von Arbeitsmigranten nachhaltig zu verbessern. Diesem Ziel hat sich der Verein „Aktion Würde & Gerechtigkeit“ verschrieben, den der katholische Pfarrer gegründet hat. „Die Entwicklung der Mitgliederzahl bestärkt uns in dem, was wir tun“, stellt er bei der Mitgliederversammlung in der Gempt-Halle fest.

Wie menschenunwürdig die Situation der Arbeitsmigranten trotz des neuen Gesetzes – „es erfasst leider nur die in der Schlachtung und Zerlegung Tätigen“ – ist, verdeutlicht der Vorsitzende an mehreren Beispielen. „Arbeitszeitbetrug und Repressalien sind nach wie vor an der Tagesordnung“ stellt er mit Blick auf ein Ehepaar fest, dem für ein Zimmer in einer Wohnung, die es mit anderen teilen muss, jeweils 350 Euro vom Lohn abgezogen werden.

Die Corona-Pandemie habe die Beratungsarbeit erschwert, stellt Schatzmeister Hermann Lütkeschümer in seinem Bericht fest. Dass der Verein an der Rahestraße eine Geschäfts- und Beratungsstelle bezogen habe, wertet er als positiv – mit einem „Aber“. Denn trotz Unterstützung durch Fördermittel müsse der Verein 20 Prozent der Kosten tragen.

Die rund 60 Mitglieder wählen Pia Dömer zur neuen zweiten Vorsitzenden, Torsten von Düllen ist als Beisitzer neu im Vorstand. „Dr. Gisbert Stalfort war der Impulsgeber für den Verein, hat sich mit Herzblut engagiert und auch mit unkonventionellen Ideen versucht, unsere Klientel zu erreichen“, erinnert Peter Kossen an den im August verstorbenen zweiten Vorsitzenden. In Anerkennung und Dankbarkeit für seine Leistungen wird er posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Auf die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Migration, Flucht und Gesundheit geht Dr. Ljiljana Joksimovic in einem Vortrag ein. Die Chefärztin der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der LVR Klinik Viersen beschreibt anschaulich, in welchem Spannungsfeld sich Migranten bewegen.

„Ohne große Not verlässt man nicht sein Heimatland“, verweist sie darauf, dass oft Belastungen den Schritt auslösen, in ein anderes Land zu gehen. Hinzu käme dann die                     Unsicherheit, sich in einem neuen Umfeld zu bewegen, was die psychische Belastung weiter steigere. „Je mehr diese Menschen hier ankommen, desto bewusster wird ihnen, was sie verloren haben“, nennt sie Muttersprache, Kultur, Religion, Platz in der Gesellschaft und den vorherigen Beruf als Beispiele.

Wer diesen Menschen ehrenamtlich helfen wolle, muss nach ihrem Dafürhalten auf Folgendes achten: Interesse an den Wünschen und Erwartungen haben; Bewältigungsstrategien zumindest kennen; sich auf die Umstände der Klienten einstellen; sich bewusst machen, dass Begegnungen mit Schutzsuchenden intensiv und stressig sein können; starke Rückzugstendenzen bei Traumatisierten erkennen.

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