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Tankstellen-Drama in Lengerich

Messerangreifer außer Lebensgefahr – Unterbringung wegen Totschlags erlassen

Lengerich

Der 43-jährige Tatverdächtige befindet sich nach dem Tankstellen-Drama (30.11.) nach Angabe der Staatsanwaltschaft außer Lebensgefahr. Das Motiv für seine Tat bleibt weiter unklar.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

Bürger brachten bereits im Laufe Kerzen und Blumen zur Tankstelle an der Tecklenburger Straße in Lengerich. Foto: Mareike Stratmann

Der 43-jährige Lengericher, der den Tankstellenbetreiber von der Tecklenburger Straße durch Messerstiche getötet hat, befindet sich nicht mehr in Lebensgefahr.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ ein Richter Unterbringungsbefehl wegen Totschlags für die einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Der 43-jährige Beschuldigte wurde am Dienstag (13.12.) vorerst zur weiteren Behandlungen seiner Verletzungen ins Justizvollzugskrankenhaus verlegt. Er hat sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen geäußert.

Er war durch Schüsse, die ein Polizist abgegeben hatte, lebensgefährlich verletzt und in der Folge mehrfach operiert worden.

Motiv hinter Messerangriff weiter unklar

Wie Botzenhardt weiter mitteilte, gehen die Ermittler nach wie vor davon aus, dass eine psychische Erkrankung des Beschuldigten eine Rolle bei dem Vorfall gespielt haben könnte. Nähere Erkenntnisse zum Motiv lägen aber immer noch nicht vor.

Am Mittwoch (7.12.) hatte ein Sprecher zum Stand der Ermittlungen mitgeteilt, dass feststehe, dass der Mann gegenüber der Angestellten, die er zunächst bedrängt hatte, „keine Forderungen gestellt hat“ - also nicht etwa Geld verlangt hat. Bereits am Wochenende hatten Polizei und Staatsanwaltschaft darüber informiert, dass es „Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung“ gebe. Näheres dazu erläuterte Botzenhardt nicht.

54-Jährige erlag seinen Verletzungen

Der 54-jährige Pächter, der am Mittwochmorgen (30.11.) versucht hatte, eine Mitarbeiterin zu schützen, wurde dann selbst zum Opfer und erlitt Stichverletzungen. Trotz mehrfacher Operationen erlag er am Freitag (2.12.) seinen schweren Verletzungen.

Die tragische Nachricht hatte sich in der Stadt schnell verbreitet und für Entsetzen gesorgt. Noch immer stehen an der Tankstelle an der Tecklenburger Straße zahlreiche Kerzen. Einige Menschen gedachten des Getöteten. „Er war ein Held“, kommentierte ein Mann das dramatische Geschehen. Ein anderer sagte sichtlich betroffen: „Ich kann es nicht fassen. Wir hatten so gehofft, dass er es schafft.“

Polizist gab mehrere Schüsse ab

Der mutmaßliche Täter war am Mittwoch gegen 11.30 Uhr im Verkaufsraum der Tankstelle aufgetaucht. Zunächst bedrängte er dort laut Polizei und Staatsanwaltschaft eine Mitarbeiterin. Als der Pächter deshalb aus seinem Büro hinzukam, kam es zunächst zu einer Rangelei, dann zog der 43-Jährige das Messer und stach auf den 54-Jährigen ein.

Eine Zeugin, die das Geschehen im Gebäude verfolgt hatte, lief ins Freie, rief um Hilfe und machte so einen zufällig anwesenden Polizisten, der gerade tankte, auf das Geschehen aufmerksam. Als der Beamte sah, dass der mutmaßliche Täter den Pächter mit dem Messer attackierte, feuerte er mehrere Schüsse auf den 43-Jährigen ab.

Messerstiche verursachten Tod

Zum Polizisten, der durch Zufall an der Tankstelle war und durch die Hilferufe einer Zeugin auf das Geschehen aufmerksam wurde, stellte der Sprecher der Staatsanwaltschaft fest: „Ihm wurde am Mittwoch direkt vor Ort Hilfe angeboten.“

Der Beamte hatte mit seinen Schüssen, die er abgab, während der Tatverdächtige auf den Tankstellen-Betreiber einstach, nicht nur den 43-Jährigen getroffen.

Bereits am Samstagmorgen ergab eine Obduktion, dass multiple Messerstiche in den Bauchraum des 54-Jährigen seinen Tod verursacht haben. Zu den zahlreichen Stichverletzungen konnte neben der Schussverletzung im Handgelenk je eine Schussverletzung in den Oberschenkeln festgestellt werden. „Die Schussverletzungen stehen mit dem Tod des 54-Jährigen in keinem ursächlichen Zusammenhang“, betonten Polizei und Staatsanwaltschaft.

Schusswaffengebrauch wird überprüft

Wie in solchen Fällen obligatorisch, wird nun auch geprüft, ob der Schusswaffeneinsatz rechtmäßig war. Grundlage dafür ist das Polizeigesetz des Landes NRW. Darin heißt es: „Schusswaffen dürfen nur gebraucht werden, wenn andere Maßnahmen des unmittelbaren Zwanges erfolglos angewendet sind oder offensichtlich keinen Erfolg versprechen.“ Gegen Personen sind sie nur anzuwenden, um diese angriffs- oder fluchtunfähig zu machen.

„Das gilt nicht, wenn der Schusswaffengebrauch das einzige Mittel zur Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben ist.“ Unzulässig ist der Gebrauch der Waffe auch, wenn Unbeteiligte „mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährdet werden“. Die Ausnahme davon kommt zum Tragen, „wenn der Schusswaffengebrauch das einzige Mittel zur Abwehr einer gegenwärtigen Lebensgefahr ist“.

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