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Geldstrafe für Polizisten-Beschimpfung

Selbst der Verteidiger schüttelt den Kopf

Lengerich/Tecklenburg

Wegen Beamtenbeleidigung musste sich ein 45-jähriger Mann aus Lengerich am Freitag vor dem Amtsgericht in Tecklenburg verantworten. Die Verhandlung begann chaotisch.

-gpg-

Etwas chaotisch hat am Freitag eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Tecklenburg gegen einen 45-jährigen Mann aus Lengerich begonnen. Er war angeklagt, im August 2021 Polizisten bei einem Einsatz beleidigt zu haben.

Da der Beschuldigte sich nicht pünktlich eingefunden hatte, veranlasste der Richter die polizeiliche Vorführung des Mannes. Bevor die Maßnahme durchgeführt werden konnte, tauchte er schließlich doch auf. Da waren die geladenen Zeugen aber schon nach Hause geschickt worden. Der Verteidiger hatte ein Geständnis seines Mandanten angekündigt. Dies stellte sich allerdings als falsch heraus, nur zum Teil gab der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten zu. Die Zeugen waren indes noch nicht weit gekommen und konnten ins Gericht zurückbeordert werden.

Es ging dann um Folgendes: Am Abend des 8. August 2021 hatte der Angeklagte vor einem Haus in Lengerich randaliert. Als der betroffene Bewohner deshalb die Polizei hinzurief, beleidigte der 45-Jährige die Beamten, nachdem die einen Platzverweis gegen ihn ausgesprochen hatten.

Übereinstimmend berichteten die Zeugen, dass der Angeklagte stark alkoholisiert gewesen sei. Er habe sich aggressiv verhalten, sei lautstark geworden. Anders die Darstellung des 45-Jährigen. Der sagte, er habe lediglich zwei Bier getrunken und sei nur deshalb aggressiv geworden, weil eine Beamtin ihn an der Schulter gepackt habe. Sogar sein Verteidiger schüttelte ob dieser Einlassung den Kopf. Was nichts daran änderte, dass er sich weiter „um Kopf und Kragen redete“.

Dabei ist er den Behörden einschlägig bekannt, unter anderem wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung, und er befindet sich nur auf Bewährung auf freiem Fuß. Dieser Umstand machte den Richter einigermaßen fassungslos. Er zitierte aus seinem eigenen Urteil aus dem Jahr 2018. Damals hatte er den Lengericher zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und angemerkt, dass die Bewährung nur gewährt würde, wenn keine weiteren Taten folgen würden. Dies war nicht der Fall, 2020 erfolgte eine weitere Verurteilung durch das Amtsgericht Ibbenbüren – in beiden Fällen läuft noch die Bewährung.

Dass der Mann trotzdem mit einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen davonkam, war dem Pflichtverteidiger zu verdanken, der in seinem Plädoyer sämtliche mildernde Umstände ins Feld führte. Ausschlaggebend war dabei, dass der Angeklagte sich mehrfach bei den Polizisten entschuldigte und seine Äußerungen nicht in der Öffentlichkeit gefallen waren, da nur die Beamten zugegen waren.

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